Advertisement

MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 7, pp 34–34 | Cite as

Herzrisiko hängt von Nachbarschaft ab

  • C. Diehm
FORTBILDUNG KRITISCH GELESEN
  • 70 Downloads

Um das Herz-Kreislauf-Risiko zu senken, geht man körperliche Gebrechen und Lebensstilfaktoren an. Eine Studie zeigt, dass ein unvorteilhafter Wohnort als Risikofaktor bislang stark unterschätzt wurde.

Prof. Dr. med. C. Diehm Angiologie, Max Grundig Klinik, Baden-Baden

_ An der Cleveland Clinic im US-Bundesstaag Ohio wurde anhand der Daten von 110.000 Patienten im mittleren Alter von 56 Jahren untersucht, ob das Wohnen in einer sozial benachteiligten Gegend das Krankheitsrisiko erhöht. Dafür wurden Faktoren aus der unmittelbaren Nachbarschaft ermittelt, z. B. wie hoch der Anteil der Personen mit weißer Hautfarbe oder mit Hochschulabschluss war, wie viele Menschen bei Medicaid oder gar nicht krankenversichert waren, wie viele Haushalte unter der Armutsgrenze lagen und wie viele alleinerziehende Mütter es gab.

In dieser Umgebung sind ihre Aussichten schlechter.

© fotografixx / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Aus diesen Faktoren wurde ein Index erstellt. So kam man auf etwa 2.000 Personen, die in den am stärksten benachteiligten Nachbarschaften lebten. Unter ihnen lag der Frauenanteil überdurchschnittlich hoch, sie hatten häufiger eine dunkle Hautfarbe, einen leicht erhöhten Blutdruck und Diabetes mellitus. Auch die Raten für koronare Herzerkrankung und periphere arterielle Verschlusskrankheit waren erhöht. Die soziale Benachteiligung war rechnerisch für 32% des Risikos für eine kardiovaskuläres Ereignis verantwortlich.

Die Autoren weisen auch auf die potenzielle Rolle von Luftverschmutzung und Feinstaub, die eingeschränkten Möglichkeiten für gesunde Ernährung und den Mangel an Fitnessstudios in benachteiligten Stadtvierteln hin.

KOMMENTAR

Neben dem sozioökonomischen Status spielen weitere Faktoren, die im Zusammenhang mit der Nachbarschaft stehen, für das kardiovaskuläre Risiko eine Rolle: Glaubt man den Umfragen und Statistiken aus Deutschland, dann hatten fast 40% aller Menschen hierzulande in den letzten Jahren Streit und Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Das verursacht vielfach Stress und kostet Nerven. Allein 83% der Deutschen fühlen sich zudem von Straßenlärm belästigt. An zweiter Stelle rangieren Fluglärm und Schienenlärm.

Lärm und Stress sind für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine fatale Kombination. Das zeigen auch entsprechende Untersuchungen von Kardiologen der Universität Mainz um Prof. Münzel, die den Einfluss von Nachtfluglärm auf die Gefäßfunktion von Patienten mit einer Herzgefäßerkrankung untersuchten. Bei den Teilnehmern stieg der Blutdruck an, die Durchblutung der Gefäße verschlechterte sich und der Schlaf war deutlich gestört.

Literatur

  1. Dalton JE et al. Accuracy of cardiovascular risk prediction varies by neighborhood socioeconomic position: a retrospective cohort study. Ann Intern Med. 2017;167:456–64CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • C. Diehm
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations