MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 7, pp 17–17 | Cite as

Neue Leitlinie

Wie behandelt man 2018 eine Immunthrombozytopenie?

  • Dirk Einecke
AKTUELLE MEDIZIN . KONGRESSBERICHTE
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Bei isolierter Thrombozytopenie aufgrund von Auto-Antikörpern kann man lange cool bleiben und die Lage beobachten, sofern die Plättchenwerte bei 20–30 x 109/l liegen und der Patient keine Risikosportarten betreibt. Welche Stufentherapie die neuen Leitlinien von 2018 empfehlen, wurde beim deutschen Krebskongress erörtert.

_ Die Immunthrombozytopenie (ITP) kann primär (80%) oder sekundär (20%) z. B. im Rahmen von Autoimmunerkrankungen, Lymphomen, HIV- oder HCV-Infektionen auftreten. Es kommt zu
  • vermehrtem Thombozytenabbau,

  • insuffizienter Thrombozytopoese,

  • relativem Thrombopoietinmangel.

Blutungen, Infektionen, Embolien

Gefährdet ist der Patient durch Blutungen, Thromboembolien und nach Milzentfernung durch Infektionen, berichtete Prof. Helmut Ostermann, Medizinische Klinik III, LMU München. Bei einer Inzidenz von 3,3 und einer Prävalenz von 9,5 jeweils pro 100.000 ist in Deutschland mit ca. 2.400 Neuerkrankungen jährlich zu rechnen.

Die Entscheidung für oder gegen eine Therapie ist individuell, so Ostermann. Entscheidende Fragen lauten: Blutet der Patient? Wie hoch ist die Thrombozytenzahl? Wie alt ist der Patient, wie ist sein Lebensstil, weist er zusätzliche Risikofaktoren auf und welche Therapie stellt er sich vor?

In der Erstlinientherapie kommt es auf die Thrombozytenzahl an: Liegt sie über 20–30 x 109/l, wird „watch and wait“ empfohlen. Bei niedrigeren Werten sind Steroide Therapie der Wahl, allerdings wegen der Nebenwirkungen nicht langfristig. Bei schweren Blutungen kommen neben Steroiden Immunglobuline i.v. ins Spiel.

Vorgehen bei Resistenz oder Rezidiv

Falls die Thrombozyten unter Steroiden nicht ausreichend ansteigen, sind Trombopoietin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RA) wie Eltrombopag (Revolade®) Mittel der 1. Wahl in der Zweitlinie. Alternative ist die Splenektomie. Sie kann zu dauerhafter Therapiefreiheit führen, geht aber mit einer Letalität von 0,2% einher.

Kommt es nach Remission unter Steroidtherapie zum Rezidiv, entscheidet die Remissionsdauer. War sie lang, versucht man erneut Steroide. War sie kurz, sind TPO-RA die bessere Wahl. Auch „watch and wait“ ist zulässig, sofern keine oder nur minimale Blutungen auftreten.

In der Drittlinie nach TPO-Versagen sind erneut „watch and wait“ oder bei Therapiepflicht Immunsuppressiva angezeigt, wobei es hier von Azathioprin bis Rituximab viele Alternativen gibt.

Aktuelle Registerdaten aus Spanien legen nahe, dass die Therapie mit TPO-RA nicht unbedingt lebenslang erfolgen muss. Absetzversuche sind möglich.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Symposium „Hämatologie im Fokus — von Altbewährtem und völlig Neuem“, Deutscher Krebskongress, Berlin, 21. 2. 2018 (unterstützt von Novartis)Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Dirk Einecke
    • 1
  1. 1.

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