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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 7, pp 7–7 | Cite as

Streifige Rötung der Schleimhaut

Ein Wassermelonenmagen macht Ärger

  • Norman Schöffel
  • Bernd von Lampe
  • Diana Rubin
AKTUELLE MEDIZIN BLICKDIAGNOSE
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Diagnostic and therapeutic approach to Gastric antral vascular ectasia (GAVE): A case report and review of the literature

Eine 82-jährige Patientin (1,65 m, 65 kg) wurde bei allgemeiner Schwäche vom Hausarzt ins Krankenhaus eingewiesen. In der ambulanten Laborabnahme war bereits eine hypochrome und mikrozytäre Anämie mit einem Hb-Wert von 6,6 mg/dl und einem MCV von 66 fl aufgefallen. Die Patientin war bei Z. n. Lungenarterienembolie sowie persistierendem Vorhofflimmern auf ein direktes orales Antikoagulans (DOAK) eingestellt. Anamnestisch berichtete sie, intermittierend Meläna bemerkt zu haben, jedoch keine Hämatochezie. Hämatemesis war nicht aufgetreten. Eine endoskopische Diagnostik war bislang noch nicht erfolgt, auch nicht in den Jahrzehnten zuvor etwa im Rahmen einer Darmkrebsprävention.

In der weiteren Diagnostik zeigte sich ein kombinierter Eisen- und Folsäuremangel. Gastroskopisch stellte sich der Befund eines GAVE-Syndroms als mögliche Blutungsquelle dar (Abb. 1). Das Akronym steht für Gastric Antral Vascular Ectasia. Hierbei handelt es um ein charakteristisches Auftreten radiärer Gefäßektasien der Magenschleimhaut, die vom Pylorus bis zum Korpus des Magens reichen können. Die Zeichnung erinnert an das Muster einer Wassermelone, weshalb man auch von „Wassermelonenmagen“ spricht.

Abb. 1

Radiäre Gefäßektasien der Magenschleimhaut.

© N. Schöffel

Die Ätiologie ist unklar. Es bestehen Assoziationen mit verschiedenen Erkrankungen, z. B. Sklerodermie, Kollagenosen oder Leberzirrhose bzw. portale Hypertension.

Weitere mögliche Blutungsquellen konnten weder sonografisch noch CT-morphologisch oder endoskopisch verifiziert werden. Daher entschieden wir uns zum therapeutischen Vorgehen beim GAVE-Syndrom. Hierfür erfolgte in mehreren Sitzungen die Argon-Plasma-Koagulation (APC-Therapie) der Gefäßerweiterungen, mit der ein sehr gutes therapeutisches Ergebnis erreicht werden konnte (Abb. 2). Im Verlauf normalisierten sich die Serumwerte (Hb 12,8 mg/dl und MCV 83 fl bei Entlassung). Melanä trat nicht mehr auf.

Abb. 2

Deutlich erkennbare Rückbildung der Ektasien nach mehrfacher Argon-Plasma-Koagulation.

© N. Schöffel

Insgesamt handelt es sich beim GAVE-Syndrom um eine seltene Erkrankung. Im Rahmen einer endoskopsichen Abklärung bei unklarer Anämie und/oder Verdacht auf gastrointestinalen Blutverlust ist die Diagnose jedoch verhältnismäßig leicht zu stellen. Dabei ist fraglich, ob stets eine Therapieindikation besteht. In einem Großteil der Fälle handelt es sich um eine Zufallsdiagnose, bei der sich ohne Blutungskomplikationen keine zwingende therapeutische Konsequenz ergibt.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Norman Schöffel
    • 1
  • Bernd von Lampe
    • 1
  • Diana Rubin
    • 1
  1. 1.Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Hepatologie, Vivantes Humboldt-KlinikumBerlinDeutschland

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