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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 6, pp 20–20 | Cite as

Von Stress bis Sex

Diese Faktoren triggern den Schlaganfall

  • Peter Stiefelhagen
AKTUELLE MEDIZIN . KONGRESSBERICHTE
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Jenseits und unabhängig von klassischen Risikofaktoren konnten für den Schlaganfall zahlreiche Triggerfaktoren identifiziert werden. Daraus ergibt sich ein präventives Potenzial, das man ausschöpfen sollte.

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_ Der Stellenwert langfristig wirksamer Risikofaktoren ist gut etabliert. „Doch in der Regel kommt der Schlaganfall wie ein Blitz aus heiterem Himmel, und da stellt sich dann die Frage, ob der Zeitpunkt des Auftretens so ganz zufällig war oder ob es Triggerfaktoren gibt“, so Prof. Armin Grau, Chefarzt der neurologischen Klinik in Ludwigshafen.

Das Spektrum der möglichen Triggerfaktoren reicht von unspezifischen Infekten über Operationen, Stress, Sport, Nahrungsmittel und Medikamente bis hin zu ökologischen Einflüssen.

Grippeimpfung gegen den Insult

Es gibt zahlreiche spezielle Infektionen, die zu einem Schlaganfall führen können. Dazu gehören die bakterielle Endokarditis und Meningitis, der Herpes zoster, die Neurosyphilis, die Neuroborreliose, AIDS, Rickettsien und Malaria. „Darüber hinaus können jedoch auch allgemeine unspezifische Infektionen, meist Atemwegsinfekte, das Schlaganfallrisiko um das Zwei- bis Dreifache erhöhen, und zwar vor allem bei jüngeren Patienten“, so Grau. Pathogenetisch nimmt man an, dass das allgemeine Entzündungsgeschehen das Gerinnungssystem und die Thrombozyten aktiviert.

Daraus ergibt sich auch die in Studien dokumentierte präventive Wirkung der Influenza-Impfung. „Die Grippeimpfung schützt vor dem Schlaganfall!“, betonte Grau.

Erhöhtes Risiko nach Operationen

Ähnlich wie Infektionen erhöhen operative Eingriffe das Schlaganfallrisiko. Auch hier spielt die Aktivierung der Gerinnung bzw. das Absetzen der Antithrombotika neben der intraoperativen Hypotension die entscheidende Rolle. Zudem besteht eine Assoziation mit dem postoperativen Auftreten von Vorhofflimmern. „Das Risiko ist in den ersten postoperativen Tagen am höchsten und verliert sich innerhalb von drei Monaten wieder“, so Grau.

Trigger-Kandidaten: Wut, Kaffee und Medikamente

Metaanalysen und Fall-Kontroll-Studien konnten zeigen, dass auch Stress einen Schlaganfall auslösen kann: Zwei Stunden nach einem Wutausbruch ist das Risiko um das Drei- bis Vierfache erhöht!

Keine Frage, regelmäßige körperliche Aktivität senkt das Schlaganfallrisiko. Direkt nach mäßiger bis schwerer körperlicher Aktivität jedoch steigt es an, allerdings nur bei Personen, die nicht regelmäßig trainieren.

Ähnliches gilt für den Kaffeegenuss. Schlaganfallpatienten haben überdurchschnittlich oft einige Stunden vor dem Ereignis Kaffee getrunken. Dieser ungünstige Effekt wird durch regelmäßigen Kaffeekonsum abgeschwächt, was für Toleranzeffekte bzgl. Blutdruck und Endothel-abhängige Vasodilatation spricht.

Alkohol erhöht das Risiko in der ersten Stunde nach dem Genuss um mehr als das Zweifache, nach 24 Stunden ist das Risiko aber nicht mehr erhöht.

Bei den Medikamenten spielen Antipsychotika und Checkpoint-Inhibitoren als Trigger eine Rolle, bei den Drogen sind es Amphetamin, Kokain, Cannabis und Opiate. „Noch wichtiger ist das Absetzen von Antithrombotika“, so Grau. Auch gibt es Hinweise, dass Migräneattacken Schlaganfälle induzieren können. Fallberichte deuten einen Zusammenhang mit sexueller Aktivität an.

Ökologische Faktoren: Ein heißes Eisen!

Intensiv wird der Stellenwert ökologischer Faktoren bei der Entstehung eines Schlaganfalls diskutiert. In einer Studie konnten geomagnetische Stürme, d. h. durch Schockwellen des Sonnenwinds ausgelöste Störungen der Magnetosphäre, eindeutig als Trigger für Schlaganfälle identifiziert werden. Auch plötzlich einsetzende Temperaturänderungen sind gefährlich, und zwar sowohl bei Hitze als auch bei Kälte. Gleiches gilt für die Schadstoffbelastung der Luft jeglicher Art. „Ein Zusammenhang mit der Verkehrsbelastung konnte in einer großen Metaanalyse zweifelsfrei belegt werden“, so Grau. Als Mechanismen werden eine Störung des Endothels, ein erhöhter Sympathikotonus mit konsekutiver Blutdruckerhöhung, ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern und ein erhöhter zerebrovaskulärer Widerstand diskutiert.

© Zhenyakot / Getty Images / iStock

Literatur

  1. Symposium „Sekundärprävention Schlaganfall — Triggerfaktoren zur Auslösung von Schlaganfällen“, ANIM, Würzburg, 8.2.2018Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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