MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 6, pp 18–18 | Cite as

Die Lage bei multiresistenten Bakterien

Gramnegative Keime werden immer bedrohlicher

  • Angelika Bischoff
AKTUELLE MEDIZIN . KONGRESSBERICHTE
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Ist die Rede von multiresistenten Erregern, so denken die meisten zuerst an MRSA, die Methicillin-resistenten Staphylokokken. Mehr Sorgen als diese grampositiven Keime verursachen den Infektiologen jedoch gramnegative multiresistente Keime, die an Häufigkeit zunehmen.

_ Zur Resistenzlage im ambulanten Bereich gibt es deutlich weniger Daten als für den Krankenhausbereich, erklärte PD Dr. Shneh Sethi, Klinikum Stuttgart. Zahlen zur ambulanten MRSA-Situation wurden von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft zuletzt 2010 vorgestellt.

10% MRSA in Praxen

Damals waren von 373 getesteten S.-aureus-Isolaten im ambulanten Bereich 10,5% methicillinresistent. Das lag deutlich unter den Zahlen im Krankenhaus von 16,7%. Die meisten Patienten haben den Keim aus der Klinik mitgebracht.

Die Rate von etwa 10% MRSA in Praxen niedergelassener Ärzte blieb weiteren Untersuchungen zufolge einige Jahre stabil. Spitzenreiter waren in einer Untersuchung 2012 urologische Praxen mit fast 30%. Dahinter rangierten mit jeweils knapp 15% nephrologische und internistische/allgemeine Praxen. Während bei MRSA in letzter Zeit ein leicht rückläufiger Trend zu verzeichnen ist, werden Infektionen durch Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) häufiger.

Acinetobacter baumannii — gefährlicher multiresistenter Nosokomialkeim.

© Dennis Kunkel Microscopy / Science Photo Library

Gramnegative Erreger: Vielfalt an Typen und Resistenzmechanismen

Insgesamt, so Sethi, sind Multiresistenzen bei grampositiven Keimen eher unkompliziert, da es außer MRSA und VRE nichts zu beachten gibt. Viel komplexer wird die Lage bei den gramnegativen Bakterien: Es gibt zum einen sehr viele Erreger wie E. coli, Klebsiellen, Acinetobacter, Proteus und Pseudomonas. Außerdem verfügen diese Keime über eine Reihe von Resistenzmechanismen. Die wichtigsten sind Zellmembranveränderungen wie Effluxpumpen und Porinverluste sowie die Bildung von Carbapenemasen, welche Carbapeneme enzymatisch spalten.

Der letztgenannte Resistenzmechanismus ist besonders gefährlich. Carbapenemase-Bildner werden nicht nur leicht von einem Patienten zum nächsten übertragen, sondern diese Eigenschaft überträgt sich auch leicht von einem Bakterium auf das nächste. Besonders gefürchtet ist Acinetobacter baumannii, der lange auf Oberflächen überleben kann und immer wieder zu Ausbrüchen führt.

Gefährliche Carbapenemase-Bildner

Daten aus dem ambulanten Bereich zur Häufigkeit multiresistenter gramnegativer Keime fehlen. Das Referenzzentrum für gramnegative Erreger in Bochum hat 2016 die Resistenzmechanismen von multiresistenten gramnegativen Keimen im Krankenhaus untersucht. Bei den Enterobacteriaceae betrug der Anteil von Carbapenemase-Bildnern 44%, bei P. aeruginosa 25% und bei A. baumanii 94%.

Angesichts der Vielzahl von Erregern und der Komplexität von Resistenzmechanismen verwundert es nicht, dass die Labordiagnostik viel schwieriger ist als bei den grampositiven multiresistenten Keimen. Es gibt keine Schnell-PCR, die alle Carbapenemasen erfasst, sondern man ist von der Kultur abhängig. Die PCR ist nur dann wichtig, wenn es einen Ausbruch mit einem bestimmten bekannten Stamm gibt. Dann lassen sich damit viele Patienten rasch screenen.

Gramnegative multiresistente Erreger neu klassifiziert

In Deutschland werden gramnegative multiresistente Keime nicht mehr nach dem Resistenztyp (z. B. ESBL) klassifiziert, sondern phänotypisch nach ihrem Resistenzverhalten gegenüber vier bakteriziden Medikamenten, die bei schweren Infektionen eingesetzt werden. Das sind Acylureidopenicilline (z.B. Piperacillin), Cephalosporine der 3. und 4. Generation (z. B. Ceftazidim oder Cefotaxim), Carbapeneme (Imipenem, Meropenem) und Fluorochinolone (z. B. Ciprofloxacin). Man unterscheidet 3MRGN und 4MRGN, was eine Resistenz gegen drei bzw. vier der vier genannten Antibiotikagruppen bezeichnet.

Literatur

  1. Kongress „Medizin 2018“ , Stuttgart, 26.–28. Januar 2018Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Angelika Bischoff
    • 1
  1. 1.

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