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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Supplement 1, pp 29–29 | Cite as

Einstunden- schlägt Zweistunden-Glukose

  • P. Schwarz
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Nüchtern- und Zweistunden-Glukosewert gelten als Goldstandard für die früher Detektion eines Typ-2-Diabetes. Eine Langzeitstudie zeigt nun, dass der Einstunden-Wert wohl besser geeignet ist.

Prof. Dr. med. P. Schwarz Abteilung Prävention, Medizinische Klinik III, Universitätsklinikum Dresden

_ In die Studie wurden 4.867 Personen der Jahrgänge 1921–1949 im mittleren Alter von 48 Jahren aufgenommen. Bei allen wurde ein oraler Glukosetoleranztest mit Messungen nach 0, 1 und 2 Stunden gemacht. Der Einstundenwert galt ab 8,6 mmol/l als erhöht, der Zweistundenwert ab 7,8 mmol/l. Die Probanden wurden im Mittel über 33 Jahre nachverfolgt. Aus Krankheitsregistern wurden Diagnosen von Typ-2-Diabetes und vaskulären Komplikationen sowie Todesursachen entnommen.

13% der Teilnehmer entwickelten in der Folge einen Typ-2-Diabetes. Dabei war der Einstunden-Glukosewert mit einem 3,4-fach erhöhten Risiko für einen zukünftigen Diabetes assoziiert. Er stellte an sich eine bessere prädiktive Wertigkeit als die Diagnose einer gestörten Glukosetoleranz dar. Weiterhin war der Einstunden-Glukosewert signifikant mit vaskulären Komplikationen und vorzeitigem Tod assoziiert.

KOMMENTAR

Warum wird eigentlich der Zweistundenwert heute als Goldstandard angesehen? Der Grund ist m. E. der biphasische Verlauf der Insulinsekretion. Die sehr schnelle erste Phase, die von den frei verfügbaren Insulinvesikeln in den Betazellen abhängt, verändert den Einstundenwert stärker als den Zweistundenwert. Ein hoher Einstundenwert wäre also ein Zeichen für eine stark ausgeprägte Insulinresistenz, insbesondere in der Kombination peripherer und hepatischer Insulinresistenz.

Eine hepatische Insulinresistenz geht häufig mit einer Leberverfettung einher. Ein erhöhter Leberfettanteil könnte daher ein Marker für das Diabetesrisiko sein. Die Einstundenglukose könnte mithin ein indirekter Indikator für eine Insulinresistenz mit Leberbeteiligung sein. Vielleicht stehen wir vor einer Renaissance des Einstunden-Glukosewerts. Vermutlich könnten wir den Typ-2-Diabetes damit besser vorhersagen.

Literatur

  1. Pareek M, Bhatt DL, Nielsen ML et al. Enhanced predictive capability of a 1-hour oral glucose tolerance test: a prospective population-based cohort study. Diabetes Care. 2018;41:171–7CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • P. Schwarz
    • 1
  1. 1.

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