MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Supplement 1, pp 28–28 | Cite as

Hypertonie: Was beeinflusst die Adhärenz?

  • W. Zidek
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Die Einnahmetreue ist ein großes Problem in der Hypertoniebehandlung. In einer retrospektiven Untersuchung zeigten sich Unterschiede zwischen den verschiedenen Antihypertensiva-Klassen.

Prof. Dr. med. W. Zidek Medizinische Klinik für Nephrologie, Charité Berlin

_ Für eine retrospektive Kohortenstudie wurden die Daten von 176.835 englischen Erwachsenen mit essenzieller Hypertonie aus den Jahren 2006–2013 analysiert. Die Probanden hatten keine zusätzliche kardiovaskuläre Erkrankung und waren auf eine Monotherapie eingestellt. Aus den dokumentierten Verschreibungen wurde der Anteil der Therapietage ermittelt, an denen die Patienten adhärent gewesen waren.

Ein Fünftel der Patienten hatten eine Adhärenz von < 80% der Therapietage. Je älter sie waren und je länger die Hypertonie schon bestand, desto besser war die Adhärenz. Ein niedriger sozioökonomischer Status, mehrere Begleiterkrankungen und ein Wechsel der antihypertensiven Medikation waren mit schlechterer Adhärenz assoziiert.

Unter den Klassen der Antihypertensiva zeigten die Angiotensin-Rezeptor-Blocker mit 97,4% und ACE-Hemmer mit 95,7% die beste Therapieadhärenz. Kalziumantagonisten (94,3%) und Diuretika (90,6%) waren im Mittelfeld. Betablocker (86,7%) und Reservemittel wie Clonidin oder Dihydralazin (84,4%) hatten die geringste Adhärenz.

KOMMENTAR

Diese Auswertung einer großen Zahl von Patienten, die mit einer Monotherapie und ohne zwingende Indikation für eine bestimmte Substanzklasse die Therapie begonnen haben, zeigt die Vorteile der neueren Antihypertensiva auch hinsichtlich der Adhärenz deutlich.

Therapiewechsel, Begleiterkrankungen (die mit einer zusätzlichen Tablettenlast einhergehen) und ein schlechterer sozioökonomischer Status können ein Warnsignal für eine verminderte Adhärenz sein. Diese Faktoren helfen in der Praxis, Patienten mit wahrscheinlich problematischer Adhärenz leichter zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu ergreifen — z. B. die frühzeitige Anwendung von Kombinationspräparaten mit einmal täglicher Dosierung.

Literatur

  1. Kurdi AI, Chen LC, Elliott RA. Exploring factors associated with patients’ adherence to antihypertensive drugs among people with primary hypertension in the United Kingdom. J Hypertens. 2017;35:1881–90CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • W. Zidek
    • 1
  1. 1.

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