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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Supplement 1, pp 27–27 | Cite as

Herz-OP am Nachmittag weniger riskant

  • H. Holzgreve
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN

Operationen zum Aortenklappenersatz sollten nachmittags stattfinden. Perioperative Myokardischämien und kardiale Komplikationen sind viel seltener als am Vormittag. Grund scheint der Biorhythmus zu sein.

Prof. Dr. med. H. Holzgreve Internist, München

_ Für eine zweiteilige Studie wurden 684 Patienten mit normaler linksventrikulärer Funktion (Auswurffraktion > 50%) rekrutiert, bei denen eine Operation zum Aortenklappenersatz geplant war. 596 von ihnen wurden für eine Kohortenstudie zu vergleichbaren Paaren gematched, randomisiert vor- oder nachmittags operiert und anschließend 500 Tage lang beobachtet.

Die anderen 88 Operationen wurden ebenfalls auf Vor- und Nachmittagstermine randomisiert. Hier wurde jeweils noch eine Muskelbiopsie aus dem rechten Vorhof entnommen. Alle Eingriffe wurden durch zwei Herzchirurgen mit identischen Teams vorgenommen.

In der Kohortengruppe waren schwere kardiale Komplikationen, v. a. perioperative Myokardinfarkte und Fälle von akuter Herzinsuffizienz, am Vormittag etwa doppelt so häufig wie am Nachmittag (54 vs. 28; p = 0,0021). In der kleineren Gruppe lag das kardiale Troponin als Hinweis auf eine ausgeprägtere Myokardischämie am Vormittag deutlich höher (p = 0,0045).

KOMMENTAR

Die frühen Morgenstunden gelten als risikoträchtig für kardiovaskuläre Komplikationen. Trotzdem stehen Chirurgen in der Regel früh auf, ihre OP-Termine häufen sich am Vormittag. Diese langjährige Praxis wurde noch nie ernsthaft hinterfragt. Nun kommt überraschend der Befund, dass eine Herz-OP am Vormittag gefährlicher ist!

Die Autoren legen nicht nur die klinischen Daten vor, sondern stützen ihre Hypothese durch ergänzende experimentelle Befunde. Die myokardiale Toleranz gegenüber Ischämie und Reperfusion bei Operationen am offenen Herzen unterliegt einem zirkadianen Biorhythmus, was die Autoren durch molekulargenetische Untersuchungen an den Muskelbiopsien aus dem rechten Vorhof ihrer Patienten belegen. Sogar eine pharmakologische Lösung stellen sie in Aussicht: Mit dem neuen Rev-Erbα-Antagonisten konnten sie in vitro die Myokardprotektion verbessern.

Literatur

  1. Montaigne D et al. Daytime variation of perioperative myocardial injury in cardiac surgery and its prevention by Rev-Erbα antagonism: a single-centre propensity-matched cohort study and a randomised study. Lancet. 2018;391:59–69CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • H. Holzgreve
    • 1
  1. 1.

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