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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Supplement 1, pp 24–24 | Cite as

Epileptiker als BG-Fall: So geht’s!

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Helmut Walbert Allgemeinarzt, Medizinjournalist und Betriebswirt Medizin

? Dr. H. G., Allgemeinarzt, Würzburg, Bayern: Ich betreue einen Patienten mit einer von der Berufsgenossenschaft (BG) anerkannten neurologischen Anfallkrankheit. Kann ich in einem Quartal die Nrn. 801, 816 und 826 GOÄ nebeneinander abrechnen? Wie werden Faxe und Kopien bei der BG abgerechnet?

! MMW-Experte Walbert: Bei der Abrechnung mit der BG gilt erst einmal grundsätzlich nicht das Quartal als Behandlungsfall, sondern „die gesamte ambulante Versorgung, die von demselben Arzt nach der ersten Inanspruchnahme innerhalb von drei Monaten an demselben Patienten zu Lasten desselben gesetzlichen UV-Trägers vorgenommen worden ist.“ Die zeitgerechte Abrechnung eines BG-Falls ist also unabhängig von der Quartalsabrechnung. Die Liquidation wird direkt an die zuständige BG gestellt — und muss nach den Vorschriften der Unfallversicherungs-GOÄ (UV-GOÄ) erstellt werden, nicht nach jenen der normalen GOÄ.

Betrachten wir nun die Berechnung der Nrn. 801, 816 und 826 UV-GOÄ nebeneinander, also „in gleicher Sitzung“ oder beim gleichen Kontakt. Die Nr. 801 für die eingehende psychiatrische Untersuchung schließt die Nr. 826, die gezielte neurologische Gleichgewichts- und Koordinationsprüfung, in der gleichen Sitzung aus. Der einfache Grund: Diese Prüfung ist bereits eine Teilleistung der Nr. 801. Später, also in einer anderen Sitzung, kann die Nr. 826 dann wieder abgerechnet werden.

Viele Epileptiker brauchen eine intensive Betreuung.

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Die Nr. 816 steht speziell für die neuropsychiatrische Behandlung eines Anfallkranken. Sie umfasst die Kontrolle der Anfallaufzeichnung und ggf. die medikamentöse Ein- oder Umstellung sowie die Einschaltung von Kontaktpersonen. Weder neben der Nr. 801 noch neben der Nr. 826 gibt es einen Ausschluss. Wichtig ist allerdings, die Kontrolle der Anfallaufzeichnung unbedingt in der Praxis-EDV zu dokumentieren! Die BG lässt sich nämlich gerne den Nachweis übermitteln. Ohne die Aufzeichnung ist die Leistung nicht vollständig erbracht — mit der Folge, dass die Vergütung entfällt!

Infrage kommt auch noch die Nr. 835. Sie steht für die einmalige Erhebung der Fremdanamnese über einen psychisch Kranken, wenn sie nicht in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer eingehenden Untersuchung steht. Diese Formulierung in der Legende zeigt schon, dass auch diese Nr. neben der eingehenden Untersuchung nach Nr. 801 ausgeschlossen ist.

Für die Verrechnung von Kopien gibt es die Nr. 191, mit der pro Kopie 18 Cent berechnet werden. Allerdings bezieht sich das nur auf Kopien, die die BG verlangt hat! Für Porto gibt es hingegen keine eigene Nr. Es wird daher als Auslage deklariert, die in der tatsächlich angefallenen Höhe angesetzt wird.

? Dr. J. G., Anästhesist, Nordrhein: Ein Patient hat ein Schmerzmittelrezept verloren. Es war kein BtM-Rezept. Kann ich es einfach ein zweites Mal ausstellen?

! MMW-Experte Walbert: Zunächst einmal: Geht eine Originalverordnung verloren, ist eine Zweitschrift nur in seltenen Einzelfällen möglich! Wenn der Patient glaubhaft versichern kann, dass das Rezept verloren oder besser fälschlicherweise vernichtet wurde, kann das Rezept erneut ausgestellt werden. Zur Absicherung sollte der Zusatz „Zweitschrift“ und der Vermerk „Original vom Patienten verloren oder vernichtet“ angebracht werden. Dies verhindert Nachfragen vonseiten der Kassen, falls das Original doch noch von Dritten eingelöst werden sollte.

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