MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Supplement 1, pp 22–22 | Cite as

Sex mit 20, 50, 70 — das soll’s alles geben!

  • Benita Martin
AUS DER PRAXIS WAS MMW-LESER ERLEBEN
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_ Eine Patientin betrat mein Sprechzimmer. Für mich war sie eine typische Sächsin: hübsch, sehr gute Figur, irgendwie alterslos. Ich schaute auf ihr Geburtsdatum. Sie war 42 Jahre alt.

Frauen haben doch kein Ablaufdatum!

© Lightfield Studios / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen

Ich kannte sie schon gut. Sie war als Einzelkind aufgewachsen, der Liebling eines großen Bäckermeisters. Meistens wünschte sie einen Krankenschein, da sie viele wiederkehrende Beschwerden hatte: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magenprobleme etc. Sie führte das alles auf ihre Nerven, ihre Seele, ihre Partnerschaftsprobleme zurück. Das stimmte sicherlich auch, aber trotzdem bin ich in solchen Fällen besonders aufmerksam, damit mir ja kein schwerwiegender Befund entgeht.

Eigentlich sind das die schwierigsten Patienten. Fängt man bei ihnen nicht ständig von vorn zu diagnostizieren an? Zu viel ist aber auch nicht gerade gut für diese Patientenklientel. Man riskiert eine Arztfixierung.

Heute nun schaute sie mich irgendwie verletzlich an, ungeschminkt, geradeheraus. Wie fast jedes Mal war ich es, die das Gespräch eröffnete. „Wie kann ich Ihnen helfen? Was fehlt Ihnen?“, fragte ich. Sie berichtete, dass sie sich besser fühle. Ihr Partner war endlich zur Tür hinaus, die Trennung vollzogen! „Er lässt mir zwar keine Ruhe und liebt mich noch immer, aber ich fühle mich jetzt besser“, sagte sie.

„Das ist gut“, meinte ich, und konnte mich kaum bremsen: „Vielleicht ein bisschen Zeit vergehen lassen, dann eine neue Liebe? Allein durch’s Leben ist eventuell doch langweilig?“ Sie winkte ab. „Dann wäre ich doch fast 50!“

Sex mit FÜNFZIG? Oh neiiiin! Wie eklig! — Ich dachte, ich höre nicht recht, und musste laut losprusten. Dann antworte ich: „Hey, Moment mal: Ich bin 56!“ Sie schaute mich verdattert an. Ihre Wangen röteten sich, bis sie fast einer Tomate glich. Nach einem Moment musste sie auf einmal auch laut lachen.

Die darauffolgende Sonografieuntersuchung wurde ständig von unserem beiderseitigen Gekicher unterbrochen. Vielleicht habe ich ihr Bild der angehenden Rentner erschüttert.

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Authors and Affiliations

  • Benita Martin
    • 1
  1. 1.ChemnitzDeutschland

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