MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Supplement 1, pp 20–20 | Cite as

Neu im EBM: Diagnostika zur Antibiotikatherapie

  • Springer Medizin
AUS DER PRAXIS VON HAUSARZT ZU HAUSARZT

Dr. Gerd W. Zimmermann Facharzt für Allgemeinmedizin Kapellenstraße 9 D-65719 Hofheim

_ Ab dem 1. Juli 2018 wird die neue Kennnummer 32 004 in den EBM aufgenommen. Mit ihr wird die Diagnostik zur Bestimmung von Dauer, Dosierung und Art einer Antibiotikatherapie von der Steuerung durch den Wirtschaftlichkeitsbonus ausgenommen. Sie wird vor dem Therapiestart oder bei persistierender Symptomatik vor einer erneuten Verordnung angesetzt.

Gleichzeitig weden auch neuere technologische Entwicklungen im EBM abgebildet. Der Biomarker Procalcitonin zur Reduktion der Antibiotikaverordnungen bei Infektionen der Atemwege erhält die Nr. 32 459. Für die MALDI-TOF-Massenspektrometrie zur schnelleren Differenzierung von in Reinkultur gezüchteten Bakterien oder Pilzen kommen die Nrn. 32 759 bzw. 32 692.

Einige neue Laboruntersuchungen werden zum Standard.

© vitranc / Getty Images / iStock

Die Empfindlichkeitsprüfungen nach den bisherigen Nrn. 32 766 und 32 767 werden als Nrn. 32 772 und 32 773 neu gefasst. Ergänzend kommen die Nrn. 32 774 und 32 775 zur phänotypischen Bestätigung einer Multiresistenz für grampositive und gramnegative Bakterien hinzu.

Die neuen Laborparameter werden für drei Jahre extrabudgetär vergütet. Zur Finanzierung wird die Gesamtvergütung um 6 Millionen Euro erhöht. In den folgenden vier Jahren wird anhand der tatsächlichen Entwicklung des Leistungsbedarfs, der der Kennnummer 32 004 unterliegt, jährlich basiswirksam nachgesteuert.

MMW-KOMMENTAR

Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses ist brandaktuell. Sowohl die genauen Beschlusstexte als auch die Begründungen sind noch in der Endabstimmung. Insbesondere die Aufteilung der 6 Millionen Euro zum 1. Juli 2018 auf die einzelnen KVen muss noch nachgetragen werden.

Die Tendenz ist aber klar — und sollte in der hausärztlichen Praxis spätestens ab dem 1. Juli zu mehreren Maßnahmen führen. Künftig sollte man vor einem Antibiotikaeinsatz zunächst die genannten Laborparameter bestimmen. Da es durchweg Leistungen des Speziallabors aus dem EBM-Abschnitt 32.3 sind, geht das nur per Überweisung an Laborärzte oder vergleichbar qualifizierte Vertragsärzte. Die Leistungen werden mit der Kennziffer 32 004 versehen und belasten daher nicht den Wirtschaftlichkeitsbonus nach Nr. 32 001.

Da die Leistungen extrabudgetär vergütet werden, wird der budgetierte „Labortopf“ in der Gesamtvergütung nicht tangiert. Es gibt also keine Ausgleichszahlung aus dem hausärztlichen Honorarbudget. Der breite Einsatz ist somit einerseits kostenneutral und schützt andererseits vor Arzneimittelregressen im Rahmen der Antibiotikaverordnung.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Springer Medizin

There are no affiliations available

Personalised recommendations