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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Supplement 1, pp 12–12 | Cite as

Weniger „medizinischer Lärm“

Der Arzt muss den Tod zulassen

  • Peter Stiefelhagen
AKTUELLE MEDIZIN . REPORT

Wann beginnt das Sterben? Diese Frage ist nicht immer einfach zu beantworten. Gibt es konkrete Anzeichen für einen wahrscheinlichen Todeseintritt oder ist die Intuition das Entscheidende?

© KatarzynaBialasiewicz / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen

_ In der S3-Leitlinie Palliativmedizin wird die Sterbensphase als die letzten 3–7 Tage des Lebens definiert. „Das Sterben eines Menschen bleibt als wichtige Erinnerung zurück bei denen, die weiterleben“, so Thomas Montag vom Zentrum für Palliativmedizin an der Uniklinik Köln. Was in den letzten Stunden geschehe, könne Wunden heilen, aber auch in unerträglicher Erinnerung verbleiben. Für die Begleitung Sterbender sei es von herausragender Bedeutung, das Sterben als natürlichen Prozess zu akzeptieren. Alle Maßnahmen sollten darauf abzielen, auch in der letzten Lebensphase die bestmögliche Lebensqualität und ein Sterben in Würde zu erreichen.

Alle sollten beteiligt werden

Die Einschätzung, ob es sich um die Sterbephase handelt, sollte durch ein multidisziplinäres Team erfolgen. Auch sollte die Einschätzung, wenn möglich und angemessen, mit dem Patienten und in jedem Fall mit den Angehörigen besprochen werden. Patienten, Angehörige und Betreuende müssen Gelegenheit bekommen, über ihre Wünsche, Gefühle, Ängste und Werte zu sprechen. Für die fünf wichtigsten Symptome, die sich in der Sterbephase entwickeln können, nämlich Delir, Rasselatmung, Mundtrockenheit, Angst bzw. Unruhe und Atemnot, sollte eine Bedarfsmedikation verschrieben und die Schmerztherapie sollte fortgeführt werden.

Konkrete Anzeichen und ärztliche Intuition

Immer sollte man sich die Frage stellen, ob diagnostische Maßnahmen und die sich daraus ergebenden therapeutischen Konsequenzen indiziert, angemessen, zumutbar und dem Willen des Patienten entsprechen. „Der medizinische Lärm sollte reduziert werden“, so Montag.

Zur Einschätzung der Sterbephase eines Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung können folgende Kriterien herangezogen werden:
  • Veränderung der Atmung, der Emotionen und/oder des Bewusstseins

  • zunehmende Schwäche

  • Hautveränderungen

  • Verwirrtheit

  • Verlust des Interesses an Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr.

„Auf solche Kriterien sollte man achten, aber entscheidend ist doch immer die intuitive Einschätzung der an der Behandlung Beteiligten“, so Montag. Als Arzt solle man sich in solchen Situationen die Frage stellen: Wäre es eine Überraschung, wenn der Patient versterben würde? Die Beantwortung der Frage kann als Grundlage für die Besprechung im multiprofessionellen Team hilfreich sein.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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