Erst Clostridien, dann Reizdarmsyndrom

Nach einer Clostridieninfektion haben Patienten ein erhöhtes Risiko für funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen. Das gilt insbesondere für das Reizdarmsyndrom.

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Prof. Dr. med. A. Madisch Medizinische Klinik I, KRH Klinikum Siloah, Hannover

_ Schon länger ist bekannt, dass gastrointestinale Infektionen das Risiko für die Entwicklung eines Reizdarmsyndroms (RDS) erhöhen. Metaanalysen zahlreicher Studien beziffern das Risiko eines solchen postinfektiösen RDS auf zwischen 10% und 20%. Parallel haben Häufigkeit und Krankheitsschwere der Clostridium(C.)-difficile-assoziierten Infektion in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Inwieweit auch eine solche Infektion zu einem RDS führen kann, war bisher nicht bekannt.

In einer retrospektiven Kohortenanalyse wurden 891 Patienten mit nachweisbarer Clostridieninfektion in der Vergangenheit mit 3.231 Kontrollpatienten hinsichtlich der Entwicklung eines RDS verglichen. In der Analyse zeigte sich die Clostridieninfektion als signifikanter Risikofaktor für die Entwicklung eines RDS (relatives Risiko [RR] 6,1; 95%-Konfidenzintervall [KI] 2,9–12,9), einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (RR 1,9; KI 1,4–2,6), einer Dyspepsie (RR 3,3; KI 1,4–7,7) und einer Obstipation (RR 2,2; KI 1,3–3,7). Von den Patienten mit Clostridieninfektion entwickelten 14,1% ein RDS, in der Kontrollgruppe nur 6%.

KOMMENTAR

Die C.-difficile-assoziierte Infektion ist eine der häufigsten nosokomialen Infektionen, wobei Häufigkeit und Krankheitsschwere in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Die Krankheit stellt somit eine echte Herausforderung im klinischen Alltag dar. Es ist mittlerweile durch zahlreiche Studien und Metaanalysen belegt, dass eine gastrointestinale Infektion das Risiko für die Entwicklung eines RDS erhöht. Das Keimspektrum der zurückliegenden Infektion umfasst dabei sowohl Viren als auch Bakterien. Die vorliegende Analyse zeigt, dass dieses Risiko auch für bei Clostridien besteht.

Einschränkend muss man jedoch anmerken, dass diese Infektion häufig Folge einer Antibiotikatherapie ist, und dass auch sie antibiotisch behandelt wird. Antibiotika selbst sind wiederum ein Risikofaktor für die Entstehung eines RDS im Sinne eines postantibiotischen RDS, sodass letztlich unklar bleibt, welcher Faktor in dieser Patientengruppe entscheidend ist. Ein Summationsrisiko ist ebenfalls denkbar, hat jedoch für den klinischen Alltag keine Relevanz. Dagegen kann es durchaus im Einzelfall schwierig sein, zwischen einem Clostridienrezidiv und einem RDS zu unterscheiden

Literatur

  1. Gutiérrez RL, Riddle MS, Porter CK . Increased risk of functional gastrointestinal sequelae after Clostridium difficile infection among active duty United States military personnel (1998-2010). Gastroenterology. 2015;149:1408–14

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Madisch, A. Erst Clostridien, dann Reizdarmsyndrom. MMW - Fortschritte der Medizin 158, 44 (2016). https://doi.org/10.1007/s15006-016-8954-x

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