Skip to main content

Nagelveränderung

Aus den Daumen werden Löffelchen

figure1

Schüsselförmig eingedellte Nägel an beiden Daumen.

© T. Jansen

_ Eine 38-jährige, ansonsten gesunde Patientin hatte seit dem 30. Lebensjahr eine eigentümliche Veränderung der Fingernägel entwickelt. Die Daumennägel zeigten eine dünne, biegsame, brüchige Nagelplatte mit einer konkaven, schüsselförmigen Eindellung, die glanzlos, geriffelt und am freien Nagelende teilweise aufgesplittert erschien. Subungual bestanden gering ausgeprägte Keratosen. Das übrige Integument, die anderen Hautanhangsgebilde und die sichtbaren Schleimhäute zeigten keinen pathologischen Befund. Vergleichbare Nagelveränderungen bestanden auch bei der 12-jährigen Tochter, jedoch in geringerer Ausprägung.

Die Diagnose lautete Koilonychie (von „koilos“, griechisch: hohl), auch als Löffel-, Hohl-, Napf- oder Eierschalennägel bezeichnet. Sehr dünne, abgeflachte Nägel ohne Schüsselbildung (Platonychie) werden vielfach als Vorstufe der Koilonychie angesehen. Die Veränderung kann alle oder nur einzelne Nägel betreffen. Sie ist die Folge einer gestörten Synchronisation der an der Nagelproduktion beteiligten Gewebe, d. h. der Nagelmatrix und der Nagelplatte. Eine Koilonychie der Großzehennägel bei Kleinkindern gilt als physiologisch und bildet sich spontan zurück.

Als angeborene Störung kommt sie als isoliertes autosomal-dominant vererbtes Symptom sowie bei Monilethrix, Trichothiodystrophie, Nagel-Patella-Syndrom, Palmoplantarkeratosen und ektodermalen Dysplasien vor. Als erworbene Störung wird sie bei Eisenmangel, Psoriasis, Durchblutungsstörungen (Raynaud-Syndrom), hämatologischen (Polycythaemia vera, Hämochromatose) und endokrinologischen Erkrankungen (Diabetes mellitus, Akromegalie, Hypo- und Hyperthyreose), Mangelzuständen (Zöliakie, Skorbut, Pellagra), Infektionen (Mykosen, Lues) oder mechanisch-beruflicher Belastung (Feuchtarbeit, Lösungsmittel, Chemikalien) beobachtet. Therapiert wird die zugrunde liegende Ursache.

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Thomas Jansen.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Jansen, T. Aus den Daumen werden Löffelchen. MMW - Fortschritte der Medizin 158, 9 (2016). https://doi.org/10.1007/s15006-016-8925-2

Download citation