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Bauchfett führt eher zu Diabetes als Triglyzeride

Eine iranische Studie zeigt, dass viszerales Fett — abgelesen am Taillenumfang — eher mit der Entwicklung eines Diabetes assoziiert ist als erhöhte Triglyzeridspiegel im Blut.

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Prof. Dr. med. P. Schwarz Medizinische Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Dresden

_ Subkutanes Fett spielt bei der Entwicklung eines Diabetes eine deutlich geringere Rolle als viszerales und besonders Leberfett. Auch die Triglyzeridlevel und die freien Fettsäuren im Blut spielen mit hinein. Es gibt also viele metabolische Phänotypen. Doch welche Kombination von Parametern hat das höchste Risiko? Eine iranische Studie vergleicht nun den Taillenumfang und erhöhte Triglyzeridwerte.

Unter den 3.500 Probanden der Isfahan Diabetes Prevention Study waren auch 1.865 erwachsene Nicht-Diabetiker, die einen Verwandten ersten Grades mit Typ-2-Diabetes hatten. Sie wurden regelmäßig oralen Glukosetoleranztests unterzogen. Zur Ermittlung des Diabetesrisikos wurden sie in Gruppen eingeteilt nach Taillenumfang (normal und erhöht) — als Surrogatparameter viszeraler Adipositas — sowie nach Triglyzeriden (erhöht, erniedrigt, normal).

Die logistische Regressionsanalyse ergab, dass bei erhöhtem Taillenumfang und erhöhten Triglyzeridwerten das Diabetesrisiko 2,4-fach erhöht war. Personen mit normalem Taillenumfang und erhöhten Triglyzeridspiegeln hatten ein 1,9-fach erhöhtes Risiko. Der Clou: Personen mit erhöhtem Taillenumfang, aber normalen Triglyzeriden hatten ein 2,8-fach erhöhtes Risiko.

KOMMENTAR

Auch in der Bevölkerung des Mittleren Ostens bedeutet mehr Bauchfett mehr Diabetes. Unweigerlich stellt sich die Frage nach den Pathomechanismen. Es sind die gleichen wie hierzulande. Für den Taillenumfang gelten die internationalen Kriterien (Mann oberhalb von 102 cm, Frau oberhalb 88 cm). Ist der Taillenumfang größer, ist das Diabetesrisiko doppelt bis dreifach erhöht.

Wir wissen heute, dass über 200 Hormone aus dem viszeralen Fett stammen. Es ist vermutlich das größte endokrine Organ in unserem Körper. Diese Hormone sind mit prokoagulatorischen Prozessen, mit zentraler Wirkung im Gehirn, v. a. aber mit metabolischen Erkrankungen assoziiert. Je mehr viszerales Fett da ist, desto mehr dieser Hormone werden produziert und desto höher ist wohl das Diabetesrisiko. Vermutlich gilt aber auch der Umkehrschluss — ist das Fett weg, ist auch der Diabetes weg.

Körperliche Aktivität ist das Beste, um es los zu werden. Da dieses Fett so viele Hormone produziert, ist es stoffwechselaktiver als subkutanes Fett und kann durch gesteigerte Verbrauchsprozesse gut reduziert werden.

Literatur

  1. Janghorbani M, Amini M. Utility of hypertriglyceridemic waist phenotype for predicting incident type 2 diabetes: The Isfahan Diabetes Prevention Study. J Diabetes Investig 2016, online 21. März; doi: 10.1111/jdi.12520

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Schwarz, P. Bauchfett führt eher zu Diabetes als Triglyzeride. MMW - Fortschritte der Medizin 158, 54 (2016). https://doi.org/10.1007/s15006-016-8838-0

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