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Warum Putin wie ein Revolverheld läuft

Das Gangbild russischer Spitzenpolitiker führt holländische Neurologen zu einer bisher unbekannten Diagnose und zu ätiologischen Vermutungen.

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Prof. Dr. med. H. S. Füeßl Privatpraxis für Integrative Innere Medizin, München

_ Das Gangbild kann schnelle Hinweise auf neurologische Erkrankungen liefern. Das einseitig verringerte Mitschwingen eines Arms etwa lässt nach Ausschluss orthopädischer Ursachen an eine Erbsche Lähmung, einen Zustand nach Apoplex und vor allem einen Morbus Parkinson denken.

In Kenntnis dieser Tatsachen fiel den Neurologen in YouTube-Videos auf, dass der russische Präsident Wladimir Putin den rechten Arm beim Gehen wenig mitschwingt und so an einen Revolverhelden erinnert. Alle Verdachtsdiagnosen wurden aber nach der Lektüre des Trainingsmanuals des sowjetischen Geheimdienstes KGB verworfen. Hier wird Agenten empfohlen, die rechte Hand immer nahe am Brustkorb zu halten und sich mit leichter Körperdrehung unter Betonung der linken Körperhälfte nach vorn zu bewegen — um schnell die in der linken Brusttasche steckende Pistole ziehen zu können!

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Typischer Putin-Gang mit steifem rechtem Arm.

© Dmitry Astakhov / dpa / picture alliance

Putin hat bekanntlich eine KGB-Ausbildung durchlaufen. Tatsächlich erkannten die Forscher den typischen Gang auf drei zeitlich weit auseinander liegenden Aufnahmen, was ein akutes Schulterproblem praktisch ausschließt. Als Positivbeweis für das Nichtvorliegen eines Morbus Parkinson fand man Videos von Putin beim Judo-, Schwimm- und Gewichttraining mit völlig symmetrischen Armbewegungen.

Auch die beiden früheren Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow und Sergej Iwanow sowie der hochrangige Kommandeur Anatoli Sidorow zeigen einen deutlich reduzierten Armschwung rechts. Sie alle sind Rechtshänder.

Schwierig erscheint der Fall des ebenfalls wie ein Revolverheld gehenden Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew, der nie Beziehungen zu Militär oder Geheimdienst hatte. Vielleicht imitiert er schlicht seinen Chef, was in Russland eine ausgeprägte Tradition hat.

KOMMENTAR

Den Autoren kommen zwei Verdienste zu. Zum einen haben sie durch ihre subtile Video-Analyse eine neue neurologische Diagnose in die Literatur eingeführt: den Revolverhelden-Gang. Zum anderen haben sie auf die Bedeutung des Gangbildes für die neurologische Untersuchung hingewiesen. Ein Problem ist noch die ICD-10-Kodierung. Zur Debatte stehen U50 (motorische Funktionseinschränkung) oder F42.1 (Zwangsrituale).

Literatur

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Füeßl, H.S. Warum Putin wie ein Revolverheld läuft. MMW - Fortschritte der Medizin 158, 32 (2016). https://doi.org/10.1007/s15006-016-7742-y

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