MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 154, Issue 6, pp 46–46

Rifaximin beim Colon irritabile auch wiederholt effektiv

  • H. S. Füeßl
AKTUELLE MEDIZIN KRITISCH GELESEN

DOI: 10.1007/s15006-012-0392-9

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Füeßl, H.S. MMW - Fortschritte der Medizin (2012) 154: 46. doi:10.1007/s15006-012-0392-9
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Der günstige Effekt von Rifaximin beim Reizdarmsyndrom bleibt auch bei bis zu fünfmaliger Wiederholung nachweisbar, ohne dass sich der Grad oder die Dauer der Symptomenerleichterung abnutzen.

Prof. Dr. med. H. S. Füeßl Isar-Amper-Klinikum, Kl. München-Ost, Haar

_ Für das Reizdarmsyndrom gibt es mindestens so viele Therapievorschläge wie es Namen gibt. Nachdem die genaue Ätiopathogenese unbekannt ist und es sich wahrscheinlich um einen großen Topf mit vielfältigen Ursachen handelt, gibt es auch keine einheitliche Therapie für alle Patienten. Ein wichtiges Prinzip der möglichen Entstehung des Reizdarmsyndroms ist die bakterielle Überwucherung der Dünndarmflora, die unter dem Akronym SIBO (small intestinal bacterial overgrowth) in die Literatur eingegangen ist.

Diese Hypothese hat zur durchaus erfolgreichen Anwendung des nicht resorbierbaren Antibiotikums Rifaximin bei Patienten mit Reizdarmsyndrom geführt. Nachdem eine Besserung der Symptomatik durch eine Behandlung bis zum Zeitraum von drei Monaten in kontrollierten Studien gezeigt werden konnte, stand nun die Frage im Raum, ob sich eine Wiederholung dieser Therapie bei einem prinzipiell chronischen Leiden weiterhin als erfolgreich erweisen würde. In einer retrospektiven Studie wurden die Krankenakten von 522 Patienten, die zwischen 2007 und 2011 in einem einzigen Zentrum wegen eines Reizdarmsyndroms mit Rifaximin behandelt worden waren, im Hinblick auf den Erfolg weiterer Behandlungszyklen ausgewertet.

71 Personen mit einem Reizdarmsyndrom vom nicht obstipierten Typ und hatten nach der Ersttherapie mindestens eine erneute Behandlung erhalten. Bei 48 dieser Patienten wurde ein zweiter, bei 22 ein dritter, bei sieben ein vierter und bei vier Patienten ein fünfter Behandlungszyklus angeschlossen. Mehr als 75% der Patienten, die auf die erste Therapie mit Rifaximin gut ansprachen, wiesen auch nach den weiteren Behandlungszyklen eine Besserung der Symptomatik auf. Das Ausmaß und die Dauer dieses Effekts nutzte sich im Verlauf der weiteren Behandlungen nicht ab.

Reizdarm: Abnorme Zusammensetzung der Darmflora schuld?

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Kommentar

Der günstige Effekt eines nicht resorbierbaren Antibiotikums auf die Symptomatik von Patienten mit Reizdarmsyndrom bestätigt indirekt die Hypothese, wonach zumindest ein Teil der Patienten mit diesem Syndrom tatsächlich eine abnorme Zusammensetzung ihrer Darmflora hat. Die Notwendigkeit weiterer Therapien in der hier untersuchten Kohorte belegt allerdings auch, dass offensichtlich die Normalisierung der Darmflora nicht dauerhaft gelingt und sich nach deren „Erholung“ die alten Symptome wieder einstellen. Für diesen harten Kern von Patienten gibt es nun die tröstliche Botschaft, dass die Wiederholung der Behandlung offensichtlich immer wieder den gleichen günstigen Effekt aufweist.

Wie es zur erneuten Besiedelung des Dünndarms mit entsprechenden Erregern kommt, muss vorläufig offen bleiben. Am wahrscheinlichsten ist es, dass es auch mit dem Antibiotikum nie ganz gelingt, die individuell für diesen Patienten pathogenen Stämme vollständig zu beseitigen. Denkbar wäre allerdings auch eine Neuinfektion durch aufgenommene Nahrung bei diesen Patienten, deren Darm möglicherweise ein besonders günstiges Biotop für diese Erreger darstellt.

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© Urban & Vogel 2012

Authors and Affiliations

  • H. S. Füeßl

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