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Pulstherapie bei Multipler Sklerose

Gute Wirksamkeit im Alltag über bis zu vier Jahre

Aufgrund der Verfügbarkeit von vielen neuen, hochwirksamen Medikamenten wird in der Therapie der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) heute eine vollständige Freiheit von klinischer und paraklinischer Krankheitsaktivität angestrebt (NEDA: No Evidence of Disease Activity). Ein modernes Konzept, um dieses Ziel zu erreichen, ist die Pulstherapie. Hierzu liegen erste Langzeitdaten aus dem deutschen Alltag vor.

Bei dem klassischen Konzept wird die MS-Therapie laut Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz kontinuierlich fortgeführt und bei Bedarf stufenweise eskaliert. Bei dem moderneren, progressiveren Ansatz erfolge eine Pulstherapie, etwa mit Cladribin (Mavenclad®), führte der Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen fort. Durch eine frühe hocheffektive, zeitlich begrenzte, aktivitätsadaptierte Therapie werde längerfristig eine Immunrekonstitution und damit eine dauerhaftere Krankheitsfreiheit angestrebt, erläuterte Kleinschnitz.

Große direkt vergleichende Studien zu den beiden Konzepten fehlen zwar, doch in einer retrospektiven Kohortenstudie, in der die Patienten bis zu 16 Jahre nachverfolgt wurden, war die Akkumulation von krankheitsbedingter Behinderung in dieser Zeit unter einer frühen intensiven Therapie (überwiegend Pulstherapie) geringer als unter einer Eskalationstherapie [Harding K et al. JAMA Neurol 2019;76(5):536-41]. Ergänzend stellte Kleinschnitz die Daten von knapp 160 Patienten aus Essen vor, die bis zu vier Jahre mit Cladribin behandelt wurden. Unter der Therapie mit dem oralen Nukleosid-Analogon, das eine Apoptose von B- und T-Lymphozyten bewirkt und für je zwei Behandlungswochen pro Jahr über zwei Jahre verabreicht wird, fiel die mittlere jährliche Schubrate bereits im ersten Jahr signifikant um knapp 90 % ab. Dieser Effekt blieb über bis zu vier Jahre erhalten. Knapp 80 % der Patienten hatten über drei Jahre einen stabilen EDSS-Score (Expanded Disability Status Scale). Schübe, die in der Zeit auftraten, waren laut Kleinschnitz meist mild bis moderat.

Ähnlich gute Effekte zeigte die Auswertung einer Kohorte von knapp 250 Patienten unter Cladribin aus Essen und Münster, die bislang bis zu drei Jahre beobachtet wurden. Bei ihnen waren gemäß Kleinschnitz keine opportunistischen Infektionen aufgetreten. Als wichtigste Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Tabletteneinnahme nannte er haut- und haarassoziierte Nebenwirkungen sowie Kopfschmerz und Fatigue.

NeuroLive "Neuro News MS", 22.6.2021; Veranstalter: Merck Serono

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Eiden, P. Gute Wirksamkeit im Alltag über bis zu vier Jahre. InFo Neurologie 23, 52 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-021-2080-8

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