Skip to main content

Supportivbehandlung mit medizinischem Cannabis

Höchste Evidenz besteht für die Schmerztherapie

Wenn Patienten trotz etablierter Behandlung etwa mit Opioiden weiter unter Schmerzen oder anhaltend zu starken Nebenwirkungen leiden, kann medizinisches Cannabis eine wirksame und verträgliche ergänzende Therapieoption sein.

Medizinisches Cannabis - als Blüten oder Vollextrakt etwa in CannabiStada® - enthält die Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) in verschiedenen Konzentrationen mit unterschiedlichem Wirkprofil für eine patientenindividuelle Behandlung. Daneben gibt es Dronabinol (THC), Nabilon (vollsynthetisches THC-Derivat) und Nabiximols (Vollextrakt zur Anwendung in der Mundhöhle).

THC als psychotroper Bestandteil von Cannabis wirkt schmerzlindernd, muskelrelaxierend, spastikmindernd und appetitsteigernd; CBD wirkt krampflindernd, antiepileptisch, angstlösend, antiinflammatorisch und antiemetisch. Cannabisblüten eignen sich wegen des schnellen Wirkeintritts nach Inhalation per Vaporisator vor allem für die Behandlung von Schmerzspitzen. Die Wirkung nach oraler Einnahme von Extrakten setzt binnen 30-90 Minuten ein, dauert 4-8 Stunden an und ist besonders geeignet für Patienten, die eine länger anhaltende Symptomkontrolle benötigen [Müller-Vahl K, Grotenhermen F, Dtsch Arztebl 2017; 114(8): A-352/B-306/C-300]. Im Einzelfall kann die kombinierte orale und inhalative Gabe sinnvoll sein. Neben der Indikation chronischer Schmerz kann die Supportivtherapie mit Cannabis auch bei Untergewicht, Kachexie, Appetitlosigkeit, Beschwerden bei Morbus Crohn oder chemotherapiebedingter Übelkeit und Nausea wirksam sein.

"Die höchste Evidenz haben wir für die Schmerztherapie", sagte Prof. Dr. Stefan Lorenzl, Chefarzt Neurologie/Palliativstation Krankenhaus Agatharied. Studien zeigten eine einhellige Wirksamkeit sowohl in der Mono- als auch in der Supportivtherapie [Aviram J et al., Pain Physician 2017; 20(6): E755-E796]. Besonders die schmerzhafte Polyneuropathie spricht offenbar gut auf Cannabis an. Für andere Indikationen - Ausnahme Nabiximols bei MS-Spastik - sei die Studienlage dagegen weniger klar, kontrollierte multizentrische Studien fehlten.

Die Zwischenauswertung einer BfArM-Begleiterhebung zur Anwendung von Cannabisarzneimitteln stützt die Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit in der Schmerztherapie [Schmidt-Wolf G, Cremer-Schaeffer P, Bundesgesundheitsbl 2019;62:845-54]: Schmerz war die häufigste Indikation im Praxisalltag (72 %), gefolgt von Spastik (11 %) und Anorexie/Wasting (7 %). Cannabisblüten besserten Schmerz bei 65 % der Patienten; auch von Dronabinol oder Nabiximols profitierten bis zu 65 % mit deutlicher bis moderater Linderung. Bei Spastik sprechen zwischen 53 % (Blüten) und 77 % (Nabiximols) der Patienten an.

Pressekonferenz "Medizinisches Cannabis - eine patientenindividuelle Therapieoption", 23.6.2021; Veranstalter: Stada

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Michael Koczorek.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Koczorek, M. Höchste Evidenz besteht für die Schmerztherapie. InFo Neurologie 23, 53 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-021-2078-2

Download citation