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Gastrointestinale, urologische und Hautveränderungen

Neue prodromale Symptome bei Parkinson-Patienten identifiziert

Fragestellung: Es wurde das Auftreten von gastrointestinalen, urologischen und Hautveränderungen in der prämotorischen Phase bei Patienten mit Parkinson-Syndrom untersucht.

Hintergrund: Es ist akzeptiert, dass Symptome wie REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, Hyposmie, Depression und Obstipation dem Auftreten der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung um viele Jahre vorausgehen. Erklärt wird diese Beobachtung durch das frühe Auftreten von α-Synuclein-Aggregationen und damit störender Neurotransmitterfunktion in Strukturen wie dem Darm, dem Bulbus olfactorius und dem motorischen Kern des N. vagus. Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe widmete sich nun in einer ungewöhnlich großen Population der Frage, inwiefern diese Zeichen und möglicherweise weitere Zeichen dem Auftreten der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung vorausgehen.

Patienten und Methodik: Insgesamt wurde eine Kohorte von 1,5 Millionen Teilnehmern, die sich in dem Veterans Affairs Corporate Data Warehouse befanden, für die Untersuchung der Prodromalsymptome herangezogen. Dieses riesige Register US-amerikanischer Exsoldaten und -soldatinnen erlaubte es den Autoren, 303.693 Patienten mit Parkinson-Syndrom mit 1.214.772 Kontrollpersonen zu vergleichen. Parkinson-Patienten wiesen im Schnitt ein Alter von etwa 75 Jahren auf, es handelte sich um 5.419 Frauen und 298.274 Männer. Interessant ist dabei, dass sehr viele ethnische Gruppen in diese Analysen eingeschlossen wurden. Die Autoren untersuchten retrospektiv in den Krankenunterlagen dieser unglaublichen Anzahl an Personen Symptome wie Hypersalivation, Übelkeit, Geschmacks- und Riechstörung, Dysphagie, gastroösophagealer Reflux, Gastroparese, Obstipation, Stuhlinkontinenz, Pilzerkrankungen der Zehennägel, Seborrhoe, Hyperhidrose, erektile Dysfunktion, sexuelle Störungen, Prostatahypertrophie, Nykturie, Harndrang und vieles mehr.

Ergebnisse: Viele der oben genannten Symptome waren bereits Jahre vor Auftreten der motorischen Parkinson-Symptome nachweisbar. Das früheste Zeichen war ein gastroösophagealer Reflux, der im Schnitt 17 Jahre vor den motorischen Symptomen auftrat. Sexuelle Dysfunktionen waren 16 Jahre davor nachweisbar, eine Seborrhoe 15 Jahre, eine benigne Prostatahypertrophie 14 Jahre, Geschmacks- und Riechstörungen 13 Jahre, Obstipation zwölf Jahre, Inkontinenz zehn Jahre, Gastroparese sechs Jahre vor Auftreten der motorischen Symptome. Neu ist die Entdeckung der Autoren, dass auch ein sehr hoher Anteil der Parkinson-Patienten vor Auftreten der motorischen Symptome an einer Dermatophytose (Pilzerkrankung der Nägel) sowie einer benignen Prostatahypertrophie litt.

Schlussfolgerungen: Gastrointestinale, urogenitale und Hauterkrankungen treten Jahrzehnte vor der Diagnose einer Parkinson-Erkrankung auf. Diese Zusammenhänge könnten potenziell zur frühen Diagnostik herangezogen werden sowie zu einem verbesserten pathogenetischen Verständnis der Parkinson-Erkrankung beitragen.

Scott GD, Lim MM, Drake MG et al. Onset of skin, gut, and genitourinary prodromal parkinson's disease: A study of 1.5 million veterans. J Mov Disord 2021; https://doi.org/10.1002/mds.28636

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Reichmann, H. Neue prodromale Symptome bei Parkinson-Patienten identifiziert. InFo Neurologie 23, 27 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-021-2062-x

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