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Gastrointestinale Nebenwirkungen von Antidepressiva

Risiken schwanken je nach SSRI

Fragestellung: Wie hoch sind die Risiken gastrointestinaler Nebenwirkungen unter den üblichen Antidepressiva?

Hintergrund: Aufgrund der Rolle von Serotonin, Noradrenalin und Acetylcholin im Magen-Darm-Trakt sind gastrointestinale Effekte durch SSRI oder SNRI erwartbar.

Patienten und Methodik: Die Autoren suchten randomisierte Studien mit einer Dauer von mindestens sechs und maximal zwölf Wochen mit einer vergleichenden Aufstellung zu gastrointestinalen Symptomen. Das Risiko, unter einem Antidepressivum eine Nebenwirkung zu entwickeln, wurde als Odds Ratio (OR, Erhöhung des Risikos) extrahiert. Die Ergebnisse zu den Einzelsubstanzen wurden metaanalytisch zusammengefasst.

Ergebnisse: In die Metaanalyse konnten 273 publizierte Studien sowie 31 Studiendokumentationen von zwei Zulassungsbehörden und einem pharmazeutischen Unternehmen einfließen. Für Übelkeit und Erbrechen bestand das höchste Risiko bei Duloxetin und Vortioxetin (OR 4,3) sowie Levomilnacipran (OR 3,5). Für Durchfälle war das Risiko unter Sertralin und Fluvoxamin (jeweils OR 2,3) am größten. Das Risiko einer Verstopfung war unter Levomilnacipran (OR 3,5), Desvenlafaxin (OR 3,4) und Duloxetin (OR 2,6) am höchsten. Eine Anorexie trat um ein Vielfaches häufiger unter Fluvoxamin (OR 6,3), Desvenlafaxin (OR 4,8) und Venlafaxin (OR 4,7) auf. Mundtrockenheit wurde häufig unter Duloxetin (OR 2,8) und Desvenlafaxin (OR 2,7) beobachtet. Von den modernen Antidepressiva war Mirtazapin das einzige mit einer Appetitsteigerung (OR 6,4).

Schlussfolgerungen: Die Autoren folgern, dass gastrointestinale Nebenwirkungen unter einer Therapie mit Antidepressiva erkannt und in das Nebenwirkungsmanagement einbezogen werden müssen.

Oliva V, Lippi M, Paci R et al. Gastrointestinal side effects associated with antidepressant treatments in patients with major depressive disorder: A systematic review and meta-analysis. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry 2021; 109: 110266

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Hüll, M. Risiken schwanken je nach SSRI. InFo Neurologie 23, 15 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-021-2059-5

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