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Pharmakologische Interventionen zur Verbesserung alkoholassoziierter neurokognitiver Störungen

Der Nutzen muss weiter abgeklärt werden

Fragestellung: Gibt es Evidenz für den Einsatz von pharmakologischen Interventionen zur Verbesserung neurokognitiver Funktionen bei Patienten mit alkoholassoziierten neurokognitiven Störungen?

Hintergrund: Ein relevanter Teil der Patienten mit einer alkoholassoziierten Störung entwickelt neurokognitive Störungen.Die Schwere dieser Störungen scheint mit der Dauer des Alkoholkonsums und mit der konsumierten Menge in Verbindung zu stehen.

Patienten und Methodik: Das Review beschreibt systematisch die Effekte verschiedener pharmakologischer Interventionen auf die neurokognitiven Funktionen bei Patienten mit alkoholassoziierten neurokognitiven Störungen. Explizit ausgenommen waren Studien zum Effekt von Vitaminen wie beispielsweise Thiamin. Als Endpunkte wurden die studienspezifischen Maße für das neurokognitive Funktionsniveau herangezogen.

Ergebnisse: 24 Publikationen zu 23 Studien wurden identifiziert. Die Studien untersuchten die Effekte von Pharmaka mit primär cholinerger (n = 2), dopaminerger (n = 2), glutamaterger (n = 1), noradrenerger (n = 5), opioiderger (n = 1) serotonerger (n = 4) und gemischter Wirkkomponente (n = 8) bei Patienten mit Wernicke-Korsakow-Syndrom oder alkoholassoziierten mnestischen Störungen (n = 15) und Patienten mit Alkoholabhängigkeit/Alkoholkonsumstörung (n = 8). Die am häufigsten untersuchten Einzelsubstanzen waren Modafinil (n = 5), Clonidin (n = 4) und Fluvoxamin (n = 4). Für Modafinil berichteten drei Studien positive Effekte auf Arbeitsgedächtnisleistung, Aufmerksamkeit oder Verarbeitungsgeschwindigkeit. Zwei weitere Studien zeigten allerdings keinen signifikanten Effekt. Für Clonidin berichteten zwei ältere Studien positive Effekte auf die Arbeitsgedächtnisleistung, wohingegen zwei aktuellere Studien keine positiven Effekte fanden. Für Fluvoxamin berichteten zwei Studien positive Effekte auf die verbale Merkfähigkeit. Zwei weitere Studien konnten die Effekte nicht replizieren. Auch für L-Dopa, Carbidopa, Memantin, Methylphenidat und OSU-6162 (partieller Agonist am D2- und 5-HT2A-Rezeptor) berichteten einzelne Studien positive Effekte auf einzelne Bereiche der neurokognitiven Leistung. Für andere Substanzen (Apomorphin, Cholinchlorid, Citicolin, D-Amphetamin, Ephedrin, Reboxetin, Physostigmin, Rivastigmin, Methysergid und GVAP - ein synthetisches Vasopressinanalogon) fanden sich keine positiven Effekte.

Schlussfolgerungen: Einzelne Studien weisen auf Effekte pharmakologischer Interventionen zur Verbesserung neurokognitiver Funktionsbereiche bei Patienten mit alkoholassoziierten neurokognitiven Störungen hin. Allerdings sind die Befunde über Studien hinweg uneinheitlich.

Mistarz N, Andersen K, Nielsen AS et al. Pharmacological enhancing agents targeting cognition in patients with alcohol-induced neurocognitive disorders: A systematic review. Neurosci Biobehav Rev. 2021; 125: 608-26

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Bach, P., Bumb, M. Der Nutzen muss weiter abgeklärt werden. InFo Neurologie 23, 26 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-021-2058-6

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