COVID-19 und Schlaganfall

Hohes Risiko, schlechte Prognose

Fragestellung: Ist das Schlaganfallrisiko bei COVID-19 erhöht und welche Faktoren tragen zur Prognose bei?

Hintergrund: Es gibt eine Reihe von Fallserien, die einen Zusammenhang zwischen einer durch das SARS-CoV-2 hervorgerufenen COVID-19-Erkrankung und Schlaganfällen berichten. Die Autoren untersuchten die Hypothese, dass Schlaganfälle, die bei Patienten mit COVID-19 auftreten, charakteristische Merkmale aufweisen. Zudem wurden das Schlaganfallrisiko, die klinische Präsentation und die Prognose in dieser Population evaluiert.

Patienten und Methodik: Die Autoren identifizierten im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche zehn Studien, die über die Häufigkeit von Schlaganfällen bei Patienten mit COVID-19 berichteten. Außerdem wurde eine nicht publizierte Serie aus Kanada in die Analyse einbezogen. Die Auswertung der Daten erfolgte metaanalytisch. Zusätzlich wurde eine systematische Suche nach Fallserien bei Patienten mit Schlaganfall und COVID-19-Infektion durchgeführt, in der 125 Patienten gefunden wurden. Berechnet wurden die klinischen Charakteristika und die Sterblichkeit im Krankenhaus, stratifiziert nach Altersgruppen (< 50, 50-70 und > 70 Jahre).

Ergebnisse: Der Anteil der Patienten mit COVID-19 und Schlaganfall betrug 1,8 %, mit einem 95 %-Konfidenzintervall (KI) von 0,9-3,7 % und einer Sterblichkeit im Krankenhaus von 34,4 % (95 %-KI: 27,2-42,4 %). Die Sterblichkeit war bei den über 50-jährigen Patienten um 67 % niedriger als bei den Patienten im Alter über 70 Jahren (Odds Ratio [OR]: 0,33; 95 %-KI: 0,12-0,94; p = 0,039). Verschlüsse großer hirnversorgender Gefäße waren doppelt so häufig (46,9 %) wie zuvor berichtet. Die Rate war in allen Altersgruppen erhöht. Ein klinischer Phänotyp, der durch ein höheres Lebensalter, mehr Komorbiditäten und schwere COVID-19-Atemwegssymptome gekennzeichnet war, war mit der höchsten Krankenhaussterblichkeit (58,6 %) und einem dreifach höheren Sterberisiko als der Rest der Kohorte assoziiert (OR: 3,52; 95 %-KI: 1,53-8,09; p = 0,003).

Schlussfolgerungen: Schlaganfälle sind bei Patienten mit COVID-19 relativ häufig und haben über alle Altersgruppen hinweg verheerende Folgen. Die Kombination aus höherem Alter, Komorbiditäten und schwer ausgeprägten Lungensymptomen der COVID-19-Erkrankung ist mit einer stark erhöhten Sterblichkeit verbunden.

Fridman S, Bres Bullrich M, Jimenez-Ruiz A et al. Stroke risk, phenotypes, and death in COVID-19: Systematic review and newly reported cases. Neurology 2020; 95: e3373-85

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Diener, HC. Hohes Risiko, schlechte Prognose . InFo Neurologie 23, 23 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-021-1985-6

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