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COVID-19-Pandemie

Psychische Gesundheit während des Lockdowns

Viel wird über Kollateralschäden der Maßnahmen während der COVID-19-Pandemie spekuliert und es liegen auch erste Zahlen zu Suiziden und Kindesmisshandlungen vor. Eine britische Forschergruppe interessierte sich für die psychologischen und sozialen Effekte des Lockdowns in der Bevölkerung.

Die COVID-19 Social Study, die am University College in London koordiniert wird, erfasst die psychische Gesundheit von freiwilligen Teilnehmern während der COVID-19-Pandemie und insbesondere auch nach dem Lockdown in Großbritannien am 21. März 2020 [1]. Sie ist Teil des internationalen COVID-MINDS-Netzwerks von longitudinalen Studien zur psychischen Gesundheit während der Pandemie. Wie Dr. Daisy Fancourt vom University College in London berichtete, nehmen über 70.000 Menschen an der Studie teil und berichten wöchentlich in einer zehnminütigen Online-Umfrage über ihre Erfahrungen mit den Social-Distancing-Maßnahmen. Zusätzlich werden auch Telefoninterviews durchgeführt.

Ängste, depressive Symptome und Todesgedanken

Schon vor dem Lockdown war eine Zunahme von Stress und Sorgen im Rahmen der Pandemie berichtet worden, die nach dem Lockdown nicht weiter anstiegen. Depressive Gefühle und Ängste verringerten sich nach dem Lockdown nur langsam. Diese Entwicklung wurde nicht wesentlich von den nach und nach eintretenden Lockerungen verändert [2]. Besonders schlechte Werte bei der Abfrage von Angst, Depression, Gedanken an Tod oder Selbstverletzung und Lebenszufriedenheit hatten über die gesamte Zeit hinweg jüngere Menschen, Menschen mit einem unterdurchschnittlichen Haushaltseinkommen (< 30.000 £) und - besonders ausgeprägt - Menschen mit selbst berichteter Diagnose einer psychischen Erkrankung. Oft einsam fühlten sich vor dem Lockdown 8,5 %, danach 18,5 % der Menschen - und das über einen längeren Zeitraum und über die ersten Lockerungen der Beschränkungen des sozialen Miteinanders hinweg. Die größte Einsamkeit gab die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen an (Abb. 2), außerdem Alleinlebende und Menschen mit niedrigem Haushaltseinkommen. Die Angst vor dem Virus bezeichnete Fancourt als überraschend gering ausgeprägt, aber es wurde verbreitet ein Gefühl von Kontrollverlust angegeben, der sich auf die Zukunft, die Finanzen, die Arbeit und die psychische Gesundheit bezog.

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Jüngere Erwachsene gaben besonders häufig an, einsam zu sein (mod. nach [3]).

Was kann psychisch Kranken helfen?

Positive psychische Faktoren, beispielsweise Resilienz, sind für Menschen mit vorbestehenden psychischen Erkrankungen besonders wichtig. Prof. Dr. Sara Siblett vom Maudsley Biomedical Research Centre am Kings College in London führte strukturierte Interviews mit Menschen mit psychischen Problemen und ihren Angehörigen durch, die eine psychologische Beratungsstelle aufsuchten. Häufig wurde berichtet, dass der eigene protektive Faktor, beispielsweise der Kontakt mit nahestehenden Menschen, durch den Lockdown weggefallen sei. Hinzu kommen Angst und Unsicherheit, gerade im Hinblick auf eine nicht planbare Zukunft. Als hilfreich berichteten Menschen den Vergleich mit anderen persönlichen Krisen, die sie gemeistert haben, oder auch die Erkenntnis, dass man mit der eigenen psychischen Erkrankung sowieso ständig in einer Krisensituation lebt. Als positiv wurde auch genannt:

  • mehr Zeit zur positiven Selbstreflexion zu haben,

  • mit jemandem über die eigenen Probleme offen zu sprechen,

  • Achtsamkeits- und Meditationstechniken anzuwenden,

  • an Routinen festzuhalten.

Aktuell erhebt Siblett mithilfe des Onlinefragebogens COPE, wie Menschen in der Covid-19-Pandemie für ihr Wohlbefinden und ihre psychische Gesundheit sorgen. Von den bislang 1.402 Antwortenden im Alter über 16 Jahren wiesen 46,8 % Kriterien einer Angststörung, 40,3 % Kriterien einer Depression und 45,3 % eine geringe Resilienz auf. Drei Viertel gaben als Coping-Strategie an, sich der Religion oder Spiritualität zugewandt zu haben, zwei Drittel nutzten Gesundheits- und Wellness-Apps.,

Virtueller 28. European Congress of Psychiatry 2020, Symposium: The Impact of COVID-19 in Public Health, Wellbeing and Mental Health, 6.7.2020

Literatur

  1. 1.

    www.covidsocialstudy.org

  2. 2.

    UCL. COVID-19 Social Study, Results Release 12, https://b6bdcb03-332c-4ff9-8b9d-28f9c957493a.filesusr.com/ugd/3d9db5_ba131d192faa4d249cde0914be4189dd.pdf, Online abgerufen am 23.07.2020

  3. 3.

    UCL. COVID-19 Social Study, Results Release Week 16, https://b6bdcb03-332c-4ff9-8b9d-28f9c957493a.filesusr.com/ugd/3d9db5_dc64263647624fd3842e6521c186aa69.pdf, Online abgerufen am 27.07.2020

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Klein, F. Psychische Gesundheit während des Lockdowns. InFo Neurologie 22, 59–60 (2020). https://doi.org/10.1007/s15005-020-1433-z

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