Fragestellung: Ist der selektive S1P1-Rezeptor-Modulator Ozanimod zur Therapie der schubförmigen Multiplen Sklerose (RRMS) wirksam und Interferon beta-1a überlegen?

Hintergrund: Ozanimod ist ein neuer S1P1-Rezeptor-Modulator, der mit hoher Affinität selektiv an die Rezeptorsubtypen 1 und 5 bindet. Zwei Phase-III-Studien überprüften nun die Sicherheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ozanimod im direkten Vergleich mit Interferon beta-1a über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten (SUNBEAM) beziehungsweise 24 Monaten (RADIANCE).

Patienten und Methodik: Beide Phase-III-Studien untersuchten Ozanimod in einem doppelblinden randomisierten Design direkt gegen Interferon beta-1a i.m. Eingeschlossen wurden Patienten im Alter von 18 bis 55 Jahren mit einem Behinderungsgrad (EDSS-Score) von 0-5,0. Einschlusskriterium war das Vorliegen von mindestens einem Schub im Jahr vor Studieneinschluss oder mindestens einem Schub in den zwei Jahren zuvor und mindestens ein kontrastmittelaufnehmender MS-Herd in der T1-Gewichtung. Alle Patienten wurden in drei Gruppen randomisiert: 0,5 mg oder 1 mg Ozanimod oral täglich oder 30 μg Interferon beta-1a i.m. wöchentlich. Für beide Studien war der primäre Endpunkt die Reduktion der jährlichen Schubrate.

Ergebnisse: Die RADIANCE-Studie wurde über 24 Monate an 1.320 Patienten in 147 MS-Zentren in 21 Ländern durchgeführt, wobei 86,7 % der Patienten die 24 Monate abschlossen. Die jährliche Schubrate betrug unter Ozanimod 0,5 mg 0,22, unter Ozanimod 1,0 mg 0,17 und unter Interferon beta-1a 0,28. Ozanimod war damit in beiden Dosierungen signifikant wirksamer als das Interferonpräparat. Auch die mittlere Zahl der Gadolinium-aufnehmenden Herde in Monat 24 war in beiden Ozanimodgruppen signifikant niedriger als in der Interferongruppe. Desweiteren war die Zahl der berichteten Nebenwirkungen in der Interferongruppe mit 83 % höher als in den Ozanimodgruppen mit 74,3 % und 74,7 % (0,5 mg bzw. 1,0 mg). Im Hinblick auf Infektionen oder andere schwere unerwünschte Wirkungen gab es keine signifikanten Unterschiede. Erstdosis-Bradykardien traten nicht auf.

Die SUNBEAM-Studie wurde über zwölf Monate an 1.346 Patienten in 152 MS-Zentren in 20 Ländern durchgeführt, wobei 93,2 % der Patienten die zwölf Monate abschlossen. Die jährliche Schubrate betrug unter Ozanimod 0,5 mg 0,24, unter Ozanimod 1,0 mg 0,18 und unter Interferon beta-1a 0,35. Beide Dosierungen von Ozanimod waren damit auch in dieser Studie signifikant wirksamer als das Interferonpräparat. Auch die mittlere Zahl der Gadolinium-aufnehmenden Herde in Monat 12 war in dieser Studie in den beiden Ozanimodgruppen signifikant niedriger als in der Interferongruppe. Die berichteten Nebenwirkungen waren in allen Gruppen ähnlich verteilt, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf und auch keine Erstdosis-Bradykardien.

Schlussfolgerung: In zwei Phase-III-Studien konnte eine signifikant höhere Wirksamkeit von Ozanimod im Vergleich zu Interferon beta-1a i.m. bei gutem Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil nachgewiesen werden.

Cohen JA, Comi G, Selmaj K et al. Safety and efficacy of ozanimod versus interferon beta-1a in relapsing multiple sclerosis (RADIANCE): a multicentre, randomised, 24-month, phase 3 trial. Lancet Neurol 2019;18:1021-33

Comi G, Kappos L, Selmaj K et al. Safety and efficacy of ozanimod versus interferon beta-1a in relapsing multiple sclerosis (SUNBEAM): a multicentre, randomised, minimum 12-month, phase 3 trial. Lancet Neurol 2019;18:1009-20