Die entspannende und schmerzlindernde Wirkung von Fangopackungen und -bädern ist seit Jahrhunderten bekannt. Der Effekt scheint jedoch nicht nur auf die Wärmeentwicklung zurückzuführen zu sein, wie eine In-vitro-Studie nahelegt [Lukanov J et al. Phys Med Rehab Kuror. 2022;32:300-5]. Darin wurden glatte Muskelzellen aus dem Magen von Meerschweinchen in einer Lösung mit Vulkanitfango gebadet. Die Zellen wurden durch die Fangobeigabe nachweislich aktiviert, und zwar offenbar über die Stimulierung von α2-Adreno- und D2-Dopaminrezeptoren. Den indirekten Beweis lieferte die Zugabe entsprechender Rezeptorblocker, durch die sich der stimulierende Effekt unterdrücken ließ. Laut PD Dr. Christian Sturm, Medizinische Hochschule Hannover, legen die Ergebnisse nahe, dass im Fango biologisch aktive Substanzen enthalten sein müssen. Diese förderten vermutlich über die Rezeptoraktivierung die Freisetzung von Noradrenalin, das über seinen vasodilatatorischen Effekt die Gewebsdurchblutung verbessere. Mit der Studie sei erstmals wissenschaftlich nachgewiesen worden, dass die Wirkung des Fango über physikalisch-thermische Effekte hinausgehe. Für Sturm ein Argument dafür, das Naturheilmittel aus seinem "Kurschatten-Image" herauszuholen und die Indikation in den orthopädischen Bereich auszuweiten.