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Orthopädie & Rheuma

, Volume 21, Issue 2, pp 14–14 | Cite as

Endoprothetische Operationen: Keimbelastung von Elektrokautern unerwartet hoch

  • Elke Oberhofer
Literatur kompakt

Trotz Antibiotikaprophylaxe und routinemäßiger antiseptischer Maßnahmen kommt es in der Gelenkendoprothetik immer wieder zu postoperativen Infektionenk. Wie eine deutsche Studie nahelegt, hat der Gebrauch des Elektrokauters daran womöglich einen nicht unerheblichen Anteil.

Dr. Hussein Abdelaziz von der Helios ENDO-Klinik in Hamburg hat mit seinem Team zwischen April und Juli 2017 insgesamt 150 Kauterspitzen, die bei Total-Arthroplastien an Hüfte oder Knie im Einsatz waren, unmittelbar nach den Eingriffen gesammelt und mikrobiologisch untersucht. Jeweils 50 Stück stammten von primären Kunstgelenkimplantationen, von aseptischen Revisionen beziehungsweise von (einzeitigen) Revisionen wegen einer periprothetischen Gelenkinfektion.

Insgesamt waren knapp 15 % der untersuchten Kauterspitzen mit pathogenen Keimen besiedelt. Bei den Instrumenten, die bei einer septischen Revisionsoperation verwendet worden waren, lag die Kontaminationsrate bei 34 % nach Hüft-TEP respektive 20 % nach Knie-TEP. Nach nicht septischen Eingriffen betrug sie 7 %.

Am häufigsten fand sich Staphylococcus epidermidis, gefolgt von Propionibacterium acnes — beides Erreger, die bei periprothetischen Infektionen häufig eine Rolle spielen Bei Patienten mit septischer Revision war der gefundene Keim zu 80 % identisch mit dem Erreger der Gelenkinfektion. Gerade dieser Befund spricht nach Meinung der Autoren gegen die These, es könnte sich bei den mikrobiologischen Befunden um Laborartefakte handeln. Zudem hatten die Forscher beim Transfer der Proben größte Sorgfalt walten lassen: Die Kauterspitzen hatte man noch im Operationssaal in ein Röhrchen mit Thioglycolsäure-Bouillon verbracht und bis zum Transport ins Labor im Dunkeln bei Raumtemperatur aufbewahrt.

Die beim Kautern erzeugte Hitze von 100 °C hatte den Bakterien offenbar in vielen Fällen nichts anhaben können, so die Autoren.

Fazit: Aufgrund ihrer Studienbefunde raten die Autoren bei Revisionseingriffen an Kunstgelenken dringend zum Austausch der Kauterspitzen unmittelbar vor der Implantation der neuen Endoprothese. „In unserem Zentrum“, so Abdelaziz, „werden intraoperativ vor der Reimplantation einer Endoprothese die Handschuhe des Operations-Teams, die Lampengriffe sowie die Spitzen von Saugern und Elektrokautern routinemäßig durch sterile Materialien ersetzt.“ Zusätzlich werde die Haut des Patienten erneut desinfiziert und die Abdecktücher ausgetauscht.

Literatur

  1. Abdelaziz H et al. High bacterial contamination rate of electrocautery tips during total hip and knee arthroplasty. Int Orthopaedics 2018; online 12. Februar; https://doi.org/10.1007/s00264-018-3822-1Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

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