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Orthopädie & Rheuma

, Volume 21, Issue 2, pp 3–3 | Cite as

Pflege der Pflegekräfte: mangelhaft!

  • Springer Medizin
Editorial
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„Überlastungsanzeigen der Pflegekräfte haben mittlerweile traurige Tradition in den privatisierten Krankenhäusern.“

Dr. med. Michael Pieper (Chefredakteur) Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie, Rheumatologie

Erstaunlich, dass Politiker, die sich als Verteidiger der sozialen Gerechtigkeit anbiedern, mit ihrem Tun und Handeln dem nicht entsprechen. Um sich der Verantwortung öffentlicher Investitionen zu entledigen wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, privatisiert. Wenn fortan der Renditegedanke dominiert, mimen die Auguren dieser Initiative die erstaunten Laien oder gerieren sich klassenkämpferisch als Rächer der Werktätigen (einige Dogmatiker eliminieren sich selbst, andere reüssieren als Gesundheitsexperten).

Hohe Renditen sind wichtiger als angemessene Personalschlüssel

Besonders in der Gesundheitspolitik haben Regulierungen primär finanziellen Druck auf die Medizintätigen und Krankenhäuser ausgeübt. Kliniken wurden reihenweise privatisiert mit dem Ergebnis, dass die Reduktion der Personalkosten in den Fokus der gewinnorientierten Gesellschafter und Aktionäre rückte. Die Erwartungen der Konzerne liegen bei circa 15 % Rendite pro Jahr. 2016 betrugen die Gewinne der Klinikgruppe Sana 90 Millionen Euro, bei Asklepios waren es 192 und bei Helios 543 Millionen Euro. Wen wundert es, dass angeblich bei Helios deutlich mehr Patienten von einer Pflegekraft betreut werden, als in anderen Kliniken.

Überlastungsanzeigen haben mittlerweile traurige Tradition in den privatisierten Krankenhäusern. Von den Kapitalgebern werden sie mit Abmahnungen beantwortet. Die Krankenkassen haben längst die Mittlerrolle zwischen den Pflichtbeitragszahlern und denen, die Dienst am Kranken tun, verlassen und buhlen unter rein ökonomischen Gesichtspunkten um Mitglieder. Die Politik hält sich zurück und macht den Kliniken die Patientensicherheit betreffend keine Vorgaben zur Relation Pflegepersonal pro Patient.

Die jüngst bei den Koalitionsverhandlungen erzielte Einigung, in einem Sofortprogramm 8.000 neue Stellen in der Pflege zu schaffen, bezeichnet der Dekan der Universitätsmedizin Göttingen als „totalen Unsinn“. Um den Pflegenotstand zu beeinflussen, seien wesentliche finanzielle und strukturelle Fragen zu beantworten.

Die Politik versäumte es, die Pflege als Selbstverwaltungspartner direkt und aktiv zu beteiligen und so wurde sie in vielen Krankenhäusern aus den Leitungsteams verdrängt und der Ökonomie freier Lauf gelassen.

Fazit: Die für die pflegerische Versorgung der Patienten ermittelten DRG-Mittel flossen selten vollständig der Pflege zu. Nun planen Städte wie Berlin und Hamburg 1.300 beziehungsweise 530 Betten mehr in den Krankenhausplan aufzunehmen. Kein Wort zu den monetären Voraussetzungen. Die hierfür erforderlichen Pflegekräfte müssen die sehr hohen Lebenskosten in diesen Großstädten finanzieren können.

Anerkennung und Aufwertung des Pflegeberufs sollen zudem helfen, Nachwuchs zu gewinnen. Das „Pflegeberufegesetz“ soll durch Professionalisierung und Akademisierung des Pflegeberufs mit institutionalisierter Ausbildung und Aufstiegschancen Abhilfe schaffen. Allerdings erst 2020.

Gefragt sind konstruktive gesundheitspolitische Maßnahmen — und nicht die Klassenkampfparolen von Harvard-Fliegenträgern oder Buchhändlern.

Ihr

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