Skip to main content

Was brauchen wir in ländlichen Räumen? Erreichbarkeitsmodellierung als strategischer Ansatz der regionalen Standort- und Verkehrsplanung

What do we need in Rural Areas? How to use Accessibility Modelling as a Strategy in Transport Planning

Zusammenfassung

Die Sicherung von Erreichbarkeiten ist ein zentraler Aspekt der Daseinsvorsorge und stellt ländliche Kommunen zunehmend vor große Herausforderungen. Eine zentrale planerische Aufgabe besteht darin, aktuelle und zukünftige Erreichbarkeitssituationen kleinräumig im regionalen Kontext zu erfassen und Räume mit Handlungsbedarf zu identifizieren. Vor allem um die Auswirkungen veränderter Standorte und Verkehrsangebote auf die Erreichbarkeiten abzuschätzen, fehlen bislang geeignete Planungsinstrumente. Für den Landkreis Calw wurde daher im Auftrag des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz des Landes Baden-Württemberg ein solches Instrument erarbeitet. Neben der Operationalisierung einer regionalen Erreichbarkeitsanalyse wurde auf Basis lokaler Mobilitätsverhaltensdaten ein Index für die praxisnahe Verwendung entwickelt, der die Erreichbarkeit zu unterschiedlichen Einrichtungen der Daseinsvorsorge zu einem Gesamtindikator zusammenführt und visualisiert. Durch die modellierte Schließung oder Hinzunahme von Einrichtungen bzw. der Veränderung der Reisezeiten können in Szenarien Kennzahlen zur Erreichbarkeit berechnet werden und dadurch als objektive Entscheidungsgrundlage dienen. Dies kann einen wichtigen Beitrag im Abwägungsprozess zur strategischen Daseinsvorsorge leisten. Insbesondere der Erreichbarkeitsindex, der in das hier vorgestellte modular aufgebaute Planungsinstrument zur Erreichbarkeitsmodellierung integriert ist, stellt einen neuen methodischen Ansatz in der Raum- und Standortplanung dar.

Abstract

Ensuring accessibility to public services and facilities is one of the biggest challenges for rural communities. Thus, planners need to locate spaces with problems in accessibility. It is necessary to estimate the impact of shifts in supply of social infrastructure or public transport. In this particular case, instruments are missing to visualize those shifts. Consequently, such an instrument was developed on behalf of the Ministry of Rural Affairs and Consumer Protection of the federal state of Baden-Württemberg (Germany) in the rural district of Calw. Along with using tools to operationalize a regional analysis of accessibility, an indexing model was developed, which combines in one indicator the accessibilities of public services and facilities providing everyday commodities. Furthermore, the instrument allows removing or adding facilities. It is thus possible to calculate operating figures, which can be used for objective decisions. Valuable for planners developing strategies for organizing services of public interest, the indexing model as part of the developed instrument describes a new method in spatial planning.

This is a preview of subscription content, access via your institution.

Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 4
Abb. 5
Abb. 6
Abb. 7
Abb. 8
Abb. 9
Abb. 10
Abb. 11
Abb. 12

Notes

  1. Vgl. z. B. Erreichbarkeitsatlas Metropolregion Hamburg (http://geoportal.metropolregion.hamburg.de (12.07.2018)) und Erreichbarkeitsatlas für die Europäische Metropolregion München (https://www.sv.bgu.tum.de/forschung-und-beratung/projekte/projekte/ein-erreichbarkeitsatlas-fuer-die-europaeische-metropolregion-muenchen-emm/ (12.07.2018)).

  2. https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Home/Topthemen/nahversorgung_land.html (15.07.2018)

  3. Die Daten wurden vom Landkreis Calw zur Verfügung gestellt.

  4. http://ec.europa.eu/eurostat/documents/4311134/4350174/ESSnet-project-GEOSTAT1A-final-report_0.pdf/fc048569-bc1c-4d99-9597-0ea0716efac3 (16.07.2018).

  5. http://www.ioer-monitor.de (16.07.2018) des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung.

  6. Die Widerstandsfunktion stellt den zu überwindenden Raumwiderstand dar (vgl. Schwarze 2005: 11), die in dieser Ausarbeitung aus den kumulierten Wegzeitaufwandsverteilungen gebildet wird.

  7. SPNV und ÖPNV werden zu öffentlichem Verkehr zusammengefasst, zudem wird im Modell nicht zwischen Selbstfahrern und Mitfahrern beim motorisierten Individualverkehr unterschieden.

Literatur

  • ARL – Akademie für Raumforschung und Landesplanung (2016): Daseinsvorsorge und gleichwertige Lebensverhältnisse neu denken. Perspektiven und Handlungsfelder. Hannover. = Positionspapier aus der ARL 108.

  • BBSR – Bundesinstitut für Bau‑, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) (2017): Raumordnungsbericht 2017. Daseinsvorsorge sichern. Bonn.

  • Bertolini, L.; Le Clercq, F.; Capoen, L. (2005): Sustainable accessibility: a conceptual framework to integrate transport and land use plan-making. Two test-applications in the Netherlands and a reflection on the way forward. In: Transport Policy 12, 3, 207-220. https://doi.org/10.1016/j.tranpol.2005.01.006

  • BMVBS – Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung; BBSR – Bundesinstitut für Bau‑, Stadt-, und Raumforschung (Hrsg.) (2009): Handbuch zur Planung flexibler Bedienungsformen im ÖPNV. Bonn.

  • BMVBS – Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung; BBSR – Bundesinstitut für Bau‑, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) (2011): Regionalstrategie Daseinsvorsorge – Denkanstöße für die Praxis. Berlin.

  • BMVI – Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) (2015a): Anpassungsstrategien zur regionalen Daseinsvorsorge. Berlin = MORO Praxis 2/2015.

  • BMVI – Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) (2015b): Kennzahlen in der Daseinsvorsorge. Berlin. = BMVI-Online-Publikation 01/2015.

  • BMVI – Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) (2016): Integrierte Mobilitätskonzepte zur Einbindung unterschiedlicher Mobilitätsformen in ländlichen Räumen. Berlin. = BMVI-Online-Publikation 04/2016.

  • Canzler, W.; Karl, A. (2010): Mit der Subjektförderung zur Mobilitätssicherung? Chancen und Barrieren für einen innovativen Landverkehr. In: Informationen zur Raumentwicklung 7, 505-515.

  • Dinkel, M. (2014): Der Einfluss der Nahmobilität auf Immobilienpreise in urbanen Räumen. Dissertation, Technische Universität Kaiserslautern.

  • FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (2006): Hinweise zu verkehrlichen Konsequenzen des demografischen Wandels. Köln. = FGSV 144.

  • FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (2010): Empfehlungen für Planung und Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs. Forschungsprojekt des Forschungsprogramms Stadtverkehr (FoPS) FA-Nr. 70.837/2009 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Köln.

  • Frank, L. D.; Sallis, J. F.; Saelens, B. E.; Leary, L.; Cain, K.; Conway, T. L.; Hess, P. M. (2010): The development of a walkability index: application to the Neighborhood Quality of Life Study. In: British Journal of Sports Medicine 44, 13, 924-933. https://doi.org/10.1136/bjsm.2009.058701

  • Friedrich, M.; Siedentop, S.; Ahlmeyer, F.; Wittowsky, D.; Rönsch, S.; Hartl, M.; Petzold, M. (2016): Erreichbarkeitssicherung im ländlichen Raum – Entwicklung und Erprobung eines Werkzeugs zur Bewertung der Wirkungen von Standortentwicklungen der sozialen Infrastruktur und Angebotsveränderungen des IV/ÖV (Abschlussbericht). Stuttgart/Dortmund.

  • Gather, M.; Kagermeier, A.; Lanzendorf, M. (2008): Geographische Mobilitäts- und Verkehrsforschung. Berlin/Stuttgart.

  • Geurs, K. T.; van Wee, B. (2004): Accessibility evaluation of land-use and transport strategies: review and research directions. In: Journal of Transport Geography 12, 2, 127-140. https://doi.org/10.1016/j.jtrangeo.2003.10.005

  • Gölz, H. (2007): Aufbau eines Verkehrsmodells für die Radverkehrsplanung in Stuttgart. Diplomarbeit, Lehrstuhl Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik, Universität Stuttgart.

  • Halden, D. (2002): Using accessibility measures to integrate land use and transport policy in Edinburgh and the Lothians. In: Transport Policy 9, 4, 313-324. https://doi.org/10.1016/S0967-070X(02)00017-3

  • Kemper, F‑J. (2004): Regionale Bevölkerungsentwicklung zwischen Wachstum und Schrumpfung. In: Geographische Rundschau 56, 9, 20-25.

  • Kickner, S. (1998): Kognition, Einstellung und Verhalten – Eine Untersuchung des individuellen Verkehrsverhaltens in Karlsruhe. Karlsruhe. = Schriftenreihe des Instituts für Verkehrswesen, Universität Karlsruhe (TH) 56.

  • Kilper H.; Müller, B. (2005): Demographischer Wandel in Deutschland. In: Geographische Rundschau 57, 3, 36-41.

  • Neumeier, S. (2013): Modellierung der Erreichbarkeit öffentlicher Apotheken. Untersuchung zum regionalen Versorgungsgrad mit Dienstleistungen der Grundversorgung. Braunschweig. = Thünen Working Paper 14.

  • Neumeier, S. (2014): Modellierung der Erreichbarkeit von Supermärkten und Discountern. Untersuchung zum regionalen Versorgungsgrad mit Dienstleistungen der Grundversorgung. Braunschweig. = Thünen Working Paper 16.

  • Neumeier, S. (2017): Haus- und Facharzterreichbarkeit in Deutschland. Regionalisierte Betrachtung auf Basis einer GIS-Erreichbarkeitsanalyse. In: Raumplanung 192, 4, 30 -37.

  • Ottmann, P. (2010): Abbildung demographischer Prozesse in Verkehrsentstehungsmodellen mit Hilfe von Längsschnittdaten. Karlsruhe. = Schriftenreihe des Instituts für Verkehrswesen, Karlsruher Institut für Technologie 69.

  • Proske, M. (2011): Demographischer Wandel und Daseinsvorsorge. Auswirkungen kommunaler Angebote auf die Wohnortwahl. Dissertation, Technische Universität Kaiserslautern.

  • Rauch, S.; Rauh, J. (2016): Verfahren der GIS-Modellierung von Erreichbarkeiten für Schlaganfallversorgungszentren. In: Raumforschung und Raumordnung 74, 5, 437-450. https://doi.org/10.1007/s13147-016-0432-5

  • Rode, P.; Floater, G. (2014): Accessibility in Cities: Transport and Urban Form. London. = NCE Cities Paper 03.

  • Schwarze, B. (2005): Erreichbarkeitsindikatoren in der Nahverkehrsplanung. Dortmund. = Arbeitspapier 184 des Instituts für Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.

  • Walk Score (2011): Walk Score Methodology. Seattle.

  • Wittowsky, D. (2008): Dynamische Informationsdienste im ÖPNV – Nutzerakzeptanz und Modellierung. Karlsruhe. = Schriftenreihe des Instituts für Verkehrswesen, Karlsruher Institut für Technologie 68.

  • Wulfhorst, G.; Büttner, B.; Ji, C. (2017): The TUM Accessibility Atlas as a tool for supporting policies of sustainable mobility in metropolitan regions. In: Transportation Research Part A: Policy and Practice 104, 121-136. https://doi.org/10.1016/j.tra.2017.04.012

  • Yigitcanlar, T.; Sipe, N.; Evans, R.; Pitot, M. (2007): A GIS-based land use and public transport accessibility indexing model. In: Australian Planner 44, 3, 30-37. https://doi.org/10.1080/07293682.2007.9982586

Download references

Author information

Authors and Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Florian Ahlmeyer.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Ahlmeyer, F., Wittowsky, D. Was brauchen wir in ländlichen Räumen? Erreichbarkeitsmodellierung als strategischer Ansatz der regionalen Standort- und Verkehrsplanung. Raumforsch Raumordn Spat Res Plan 76, 531–550 (2018). https://doi.org/10.1007/s13147-018-0558-8

Download citation

  • Received:

  • Accepted:

  • Published:

  • Issue Date:

  • DOI: https://doi.org/10.1007/s13147-018-0558-8

Schlüsselwörter

  • Erreichbarkeit
  • Ländliche Räume
  • Daseinsvorsorge
  • Verkehrsmodellierung

Keywords

  • Accessibility
  • Rural space
  • Public services
  • Transport modeling