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Minimalinvasive ästhetische Verfahren

Minimally invasive aesthetic procedures

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

wie so oft macht Amerika es uns vor: Spätestens seit der Jahrtausendwende werden in den USA mehr nichtinvasive als invasive ästhetische Behandlungen durchgeführt. Und in den letzten 5 Jahren stieg die Zahl der nichtinvasiven ästhetischen Behandlungen um 44 %, die der ästhetisch-plastischen Operationen hingegen nur um 17 % [1]. Zwar fehlen für Deutschland ähnlich genaue Daten wie jene der US-amerikanischen Fachgesellschaft, die verfügbaren Eingriffsstatistiken und Patientenbefragungen zeigen aber, dass wir dem Trend folgen: Langsam aber sicher etablieren sich auch hier nichtchirurgische Verfahren – allen voran die Injektionstherapien – an der Spitze der beliebtesten ästhetischen Korrekturen.

Warum das so ist, lässt sich leicht beantworten. Die sog. sanften Verfahren versprechen schnelle Effekte, kürzere Ausfallzeiten und weniger Blut. Und nicht zuletzt sind sie oft deutlich günstiger als eine ästhetisch-plastische Operation, was die Entscheidung für Patienten, die noch keinen Kontakt zur ästhetischen Medizin hatten, merklich erleichtert. Dabei gilt es, 2 Punkte hervorzuheben: Nicht alles, was in den Medien als Trend der ästhetischen Medizin angepriesen wird, ist auch wirklich eine vielversprechende Methode. Und: Nicht jedes nichtinvasive Verfahren kann als „sanft“ bezeichnet werden.

Bei aller Vorsicht, was angebliche Trends angeht: Neue minimalinvasive Verfahren erweitern in vielen Fällen unsere therapeutischen Möglichkeiten. In der Regel bieten sie uns neue Optionen, ohne dabei bewährte Techniken und Methoden zu verdrängen, weshalb sich auch der passionierteste Chirurg nicht scheuen sollte, sich mit den nichtinvasiven Methoden auseinanderzusetzen. Bei der Debatte um den Bedeutungszuwachs der nichtinvasiven Verfahren sollte man zudem nicht aus dem Blick verlieren, dass sie in einigen Fällen auch eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Operationen darstellen können. Beispiele dafür sind etwa Lasertherapien oder leichte bis mitteltiefe Peelings, die jeweils gut mit einem Facelift kombiniert werden können. Zu guter Letzt sollten wir im Sinne einer individualisierten Beratung und Behandlung unserer Patienten ohnehin die ideologischen Scheuklappen ablegen und versuchen, immer die jeweils beste Therapieoption auszuwählen.

Neue minimalinvasive Verfahren erweitern unsere therapeutischen Möglichkeiten

Daher freue ich mich sehr über die Vielseitigkeit der Beiträge, die wir für diese Ausgabe gewinnen konnten, und bin mir sicher, dass sie zu einem unverstellten Blick auf unser vielfältiges Fachgebiet beitragen.

Das Fadenlifting, die Methode des „nahezu unblutigen Liftings“, hat in den letzten Jahren für viel Aufsehen gesorgt, da auf vermeintlich einfache Weise der Wunsch nach einem Gesichtslifting erfüllt werden soll. Ich selbst beschäftige mich seit einigen Jahren intensiv mit diesem Thema, war in Singapur und Südkorea, um von Koryphäen dieser Technik zu lernen, und bin am Ende doch nicht weniger kritisch als zuvor. Möglicherweise eröffnen sich mit den Fäden ja wirklich neue Perspektiven, aber so einfach, wie die Anpreisungen es vermuten lassen, ist es bestimmt nicht. Die Möglichkeiten sind sehr begrenzt und die Risiken höher, als allgemein gedacht wird. Daher bin ich sehr dankbar für den Beitrag von Daniela Greiner, die sachlich und mit viel Kompetenz das Thema beleuchtet.

Seit etwa 10 Jahren wird mithilfe von Fett auflösenden Substanzen nun schon eine Behandlungsform angeboten, die das Bedürfnis nach einer unblutigen Korrektur störender Fettansammlungen bedienen soll. Dass die Methode funktioniert, daran gibt es längst keine Zweifel mehr, und das Stadium des Experimentierens haben wir auch schon längst hinter uns. Es ist ein großes Verdienst von Ärzten wie Michael Weidmann, dass sie sich innerhalb des „Netzwerks Lipolyse“ sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, eine Behandlungssystematik entwickelten und interessierten Ärzten die Möglichkeit des Lernens und Wissensaustausches ermöglichten. Damit ist es wirklich gelungen, die Injektionslipolyse als seriösen Bestandteil in den Werkzeugkasten der ästhetischen Medizin zu integrieren.

Auch bei der Kryolipolyse geht es um die Korrektur unerwünschter Fettansammlungen, diesmal mithilfe von Kälte. Mittlerweile stehen verschiedene, sehr ausgereifte und weltweit erprobte Geräte zur Verfügung, die durch eine lokale Kälteapplikation Fett zum Schmelzen bringen. Das Thema stößt naturgemäß auf enormes Interesse. Es gibt weltweit einen regelrechten Kryolipolyse-Boom! Markus Steinert hat uns einen sehr fundierten Beitrag hierzu zur Verfügung gestellt und hilft uns damit, das Wirkprinzip besser zu verstehen und die genauen Einsatzgebiete in unserer Praxis herausfinden zu können.

Nach wie vor zählen die Fillerbehandlungen ebenso wie die Botulinumtoxin-Anwendungen zu den häufigsten minimalinvasiven Leistungen der ästhetischen Medizin weltweit. Daher soll auch an dieser Stelle auf das Thema eingegangen werden – diesmal aber nicht, um die unbestrittenen Vorzüge der Filler anzupreisen, sondern um auf die Gefahren hinzuweisen. Zugleich werden aber auch von Berthold Rzany wertvolle Tipps gegeben, wie Komplikationen vermieden oder behandelt werden können.

Ebenfalls um Filler geht es in dem Beitrag von Marianne Wolters, der sich mit den Möglichkeiten der Volumenaugmentation bei HIV-Patienten befasst. Die beschriebene minimalinvasive Technik erlaubt es, auf relativ einfache und sichere Weise das große Problem der HIV-assoziierten Wangenfettatrophie mithilfe von Fillern zu korrigieren. Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass Ästhetik und Medizin in unserem Fachgebiet nicht scharf voneinander zu trennen sind.

Neben dem Schwerpunktthema der nichtinvasiven Verfahren behandeln wir in dieser Ausgabe natürlich auch andere wichtige Themen des Praxisalltags. Der Beitrag von Herrn Rechtsanwalt Hesse bietet uns sehr wertvolle Informationen über die aktuelle juristische Situation der Werbemöglichkeiten und nicht zuletzt Einschränkungen. Inhaltlich ist vieles davon für uns praktizierende Ärzte kaum nachvollziehbar. Insbesondere das Verbot der Nutzung von Vorher-Nachher-Bildern scheint völlig anachronistisch zu sein und wirft Fragen nach der Meinungsfreiheit und der freien Selbstbestimmung auf. Im Alltag müssen wir uns aber an den aktuellen rechtlichen Vorgaben orientieren, wobei uns dieser informative Beitrag hilft.

Das vorliegende Journal bietet damit wieder eine umfassende und aktuelle Übersicht relevanter Themen. Den Lesern wünsche ich bei der Lektüre wertvolle Erkenntnisse.

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Dr. Dr. F. Muggenthaler

Literatur

  1. American Society for Aesthetic Plastic Surgery Statistics 2015; http://www.surgery.org/sites/default/files/ASAPS-Stats2015.pdf

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Muggenthaler, F. Minimalinvasive ästhetische Verfahren. J Ästhet Chir 9, 151–152 (2016). https://doi.org/10.1007/s12631-016-0066-z

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