Advertisement

Der Freie Zahnarzt

, Volume 62, Issue 4, pp 64–64 | Cite as

Möglichkeiten der Pulpaüberkappung

  • Felix P. Koch
Aus der Wissenschaft
  • 72 Downloads

Offene Pulpa. Neben der Wiederherstellung von Form und Funktion eines Zahnes gewinnt die Bewahrung der Pulpafunktion in der restaurativen Zahnheilkunde eine immer größere Bedeutung. Die Pulpa besitzt wichtige Funktionen, wie etwa die Bildung von Dentin und dessen Ernährung.

© akubovAlim / Getty Images / iStock

Immer wenn die Pulpa — durch Traumata oder auch Karies — freigelegt wird, rekrutiert sie odontoblastäre Zellen, um Dentin zu bilden und den Defekt zu decken. Die Pulpaüberkappung dient dem dichten Abschluss gegen Bakterien. Bislang wurde eine Vielzahl von Materialien eingeführt, um diesem Anspruch zu genügen. In einigen Studien erwiesen sich Calciumhydroxid (Ca[OH]2) und das mineralisierte Tricalciumaggregat (MTA) als der Goldstandard, wobei MTA dem Calciumhydroxid überlegen sein soll, da Calciumhydroxid zu einer Obliteration des Pulpencavums führen und in Speichel lösbar sein soll. Zudem besitzt es nicht das gleiche Haftvermögen am Dentin wie MTA und wird durch eine Schmelzätzung degradiert.

In einer histologischen Studie an entsprechend überkappten Zähnen nach Pulpadefekt konnte in der MTA-Gruppe verglichen mit der Calciumhydroxid-Gruppe eine signifikant dickere Dentinschicht gemessen werden (Eskandarizadeh et al. 2011).

In neuerer Zeit wurden dem MTA weitere Substanzen zugefügt, wie das Emdogain, das Simvastatin oder beispielsweise die Kombination von Betamethason/Gentamicin.

Die im Emdogain enthaltenen Amelogenin und Enamelin sollen die Cementogenese aktivieren und scheinen daher zur Überkappung von Pulpadefekten geeignet zu sein. In der Untersuchung von Bollu et al. 2016 an humanen Zähnen jedoch zeigt sich in einigen Fällen neben der Bildung einer Dentinschicht auch eine mäßige bis schwere Entzündung, was mit der im Emdogain vorhandenen Essigsäure erklärt werden könnte. In Kombination mit MTA konnten diese Entzündungsreaktionen allerdings nicht nachgewiesen werden. Auch in einer Studie, die den Zusatz von Simvastatin untersuchte, konnte die Kombination vom Simvastatin und MTA dickere Dentinschichten bewirken als Simvastatin oder MTA alleine (Dianat et al. 2018). Bei dem Versuch, die Pulpa mit Betamethason/Gentamicin zu überkappen, zeigte sich eine dickere Dentinogenese mit MTA alleine (Al Shwaimi et al. 2016).

Zusammenfassend scheint MTA bislang der Goldstandard bei der Pulpaüberkappung zu sein.

Prof. Dr. Dr. Felix P. Koch

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Uniklinik Frankfurt, Praxisklinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie in WiesbadenWiesbadenDeutschland

Personalised recommendations