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Der Freie Zahnarzt

, Volume 62, Issue 4, pp 44–44 | Cite as

GOZ Tipp

Maximal sechseinhalb Minuten werden vergütet

  • Peter H. G. Esser
Praxismanagement
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Berechnungsbestimmungen für Beratungen in der GOZ. In die novellierte Fassung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) wurde eine von der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abweichende „Allgemeine Bestimmung“ in den Teil „A. Allgemeine Leistungen“ aufgenommen.

Diese Novelle lautet im Unterschied zu einer ähnlichen Bestimmung in der GOÄ: „Eine Beratungsgebühr nach Nummer drei des Gebührenverzeichnisses für ärztliche Leistungen ist nur berechnungsfähig als einzige Leistung oder im Zusammenhang mit einer Untersuchung nach Nummer 0010 oder einer Untersuchung nach den Nummern 5 oder 6 des Gebührenverzeichnisses für ärztliche Leistungen. Andere weitere Leistungen dürfen neben der Leistung nach Nummer 3 nicht berechnet werden.“

Diese spezielle Berechnungsbestimmung zur Nummer Ä3 ist Bestandteil der Gebührenordnung für Zahnärzte geworden. Wortlaut und Inhalt der Berechnungsbestimmung unterscheiden sich von der in der GOÄ gültigen Berechnungsbestimmung für Ärzte. Jetzt kann einerseits die Ä3 nur als einzige Leistung oder können andererseits Ä3 und Untersuchung nach Ä5, Ä6 oder 0010 GOZ jeweils nur als alleinige Leistungen sitzungsgleich erfolgen: Weitere sitzungsgleiche ärztliche oder zahnärztliche Gebühren sind neben der Ä3 nicht berechnungsfähig.

Eine derartige Bestimmung gibt es in der GOÄ nicht; Zahnärzte müssen sich aber nach der GOZ richten und können nicht wählen, ob sie Teile der GOZ nicht beachten und dafür die günstigeren Bestimmungen der GOÄ heranziehen wollen.

Neu gegenüber der Formulierung der GOÄ ist unter anderem, dass in der GOZ nun ausdrücklich auch GOZ-Leistungen bis auf die Nummer 0010 neben einer sitzungsgleichen Ä3 („eingehende Beratung“) ausgeschlossen sind.

EIN PROBLEM FÜR ALLE ZAHNÄRZTE

Die Berechnungsbestimmung zur Ä3, zu finden unterhalb der Leistungsbeschreibung in der GOÄ, lautet: „Die Leistung nach Nummer Ä3 (Dauer mindestens 10 Minuten) ist nur berechnungsfähig als einzige Leistung oder im Zusammenhang mit einer Untersuchung nach den Nummern 5, 6, …“

Dagegen lautet die Berechnungsbestimmung zur Ä3 in den Allgemeinen Bestimmungen der GOZ: „Eine Beratungsgebühr nach Nummer 3 des Gebührenverzeichnisses für ärztliche Leistungen ist nur berechnungsfähig als einzige Leistung oder im Zusammenhang mit einer Untersuchung nach Nummer 0010 oder einer Untersuchung nach den Nummern 5 oder 6 des Gebührenverzeichnisses für ärztliche Leistungen.“

In der GOZ ist von einer „Dauer mindestens 10 Minuten“ keine Rede.

Der speziell für Zahnärzte gültige Wortlaut der GOZ steht in einem gewissen Gegensatz zu den Bestimmungen für Ärzte in der GOÄ. Dazu sagen die „GOZ-Novellierungsbegründungen der Bundesregierung bzw. des BMG“: „Abgebildet wird damit die bisher übliche Anwendungspraxis der Berechnung der zahnärztlichen Beratungen nach den Nummern 1 und 3 des Gebührenverzeichnisses der GOÄ.“

FAZIT

Die Bestimmungen der GOZ sind also spezielle Berechnungsbestimmungen für zahnärztliche Beratungen durch Zahnärzte (Fachzahnärzte). Sie unterscheiden sich demnach von den ursprünglichen Berechnungsbestimmungen für ärztliche Beratung durch Ärzte.

Was bedeutet das? Zumindest bietet § 10 (2) Punkt 2 GOZ dazu beachtenswerte Erkenntnis: „Eine in der Leistungsbeschreibung oder einer Abrechnungsbestimmung gegebenenfalls genannte Mindestdauer“ muss auf der Rechnung ausgewiesen werden. Aber in der originalen Leistungsbeschreibung der Ä3 in der GOÄ werden diese zehn Minuten nicht erwähnt. Und auch nicht in der für Zahnärzte vorrangigen, von der GOÄ abweichenden Berechnungsbestimmung der GOZ.

§ 6 Abs. 2 GOZ verweist auf die Berechnung der Vergütung (Gebühr) nach GOÄ, nicht darauf, dass eine GOÄ-Berechnungsbestimmung, die von der GOZ-Bestimmung abweicht, zusätzlich zu beachten wäre. Sei es wie es sei: Zur betriebswirtschaftlichen Wertung der Vergütung für die Leistung nach Ä3 ist festzuhalten, dass mit dem Höchstsatz der Gebührenspanne dem Zahnarzt maximal sechseinhalb Minuten Zeiteinsatz vergütet werden, keine zehn Minuten und mehr! Das bedeutet, Berechnung für zahnärztliche Beratung nach Ä3 unterhalb des 3,5-fachen Satzes ist immer unzureichend!

Leistungsinhalt der Ä3 ist eine das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung durch Zahnärzte beziehungsweise Ärzte. Das „gewöhnliche Maß“ ist sicher unterschritten, wenn eine Leistung so weit unterhalb der nötigen Vergütungshöhe erbracht werden soll.

Dr. Peter H. G. Esser

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Authors and Affiliations

  • Peter H. G. Esser
    • 1
  1. 1.

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