Der Freie Zahnarzt

, Volume 62, Issue 4, pp 38–38 | Cite as

G — Grenzwerte für GWG

  • Barbara Mertens
Praxismanagement
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Buchhaltungs-ABC. Für die Anschaffung und Buchung der geringwertigen Wirtschaftsgüter gelten ab 2018 neue Wertgrenzen.

Die Anschaffung großer Anlagegüter einer Praxis wird lange und detailliert geplant, und es werden die Vor- und Nachteile von Kauf und Leasing gegeneinander abgewogen. Selbstverständlich werden diese Güter bei einem Kauf im Anlagevermögen aktiviert und über mehrere Jahre abgeschrieben.

Anders sieht es mit den sogenannten geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) aus. Diese werden im Laufe eines Jahres oft in großer Zahl in einer Praxis angeschafft. Um als GWG verbucht zu werden, muss es sich bei der Anschaffung um ein selbstständig nutzbares und bewegliches Wirtschaftsgut des Anlagevermögens handeln.

Bereits hier gibt es oft Deutungsspielraum. Selbstständig nutzbar ist ein Gegenstand jedenfalls immer dann, wenn er seinen Bestimmungszweck ohne notwendige Verwendung eines anderen Apparates oder Gerätes erfüllen kann. Ein PC-Bildschirm, der ohne angeschlossenen Rechner nicht betrieben werden kann, ist somit kein GWG. Ein Laptop, welcher aufgeklappt und sofort genutzt werden kann, ohne dass andere Geräte damit verbunden werden müssen, ist dagegen klar als GWG anzusehen. In Zweifelsfällen sollte man den Rat eines Steuerfachmannes einholen. Immer wieder beschäftigt sich die Rechtsprechung der Finanzverwaltung hierzu mit Festlegungen, beispielsweise bei einem Beamer, der sowohl verbunden mit dem signalgebenden Gerät als auch in modernerer Ausführung mit WLAN-Empfang eingesetzt werden kann.

Bisher lagen allerdings gerade diese technischen Geräte häufig über der seit 1964 geltenden Preisobergrenze für GWG, die bis zur Euro-Einführung bei 800 Mark festgesetzt und dann auf 410 Euro umgerechnet wurde. Der Gesetzgeber wollte jetzt hier für die Unternehmen Vereinfachung herbeiführen und hat zum 31.12.2017 den Grenzbetrag für den Kaufpreis geringwertiger Wirtschaftsgüter angehoben auf 800 Euro netto. Damit entfällt die mehrjährige Abschreibung für viele Güter, die preislich über dem bisherigen Grenzwert liegen, sofern die Aktivierung von GWG als Einzelposition gewählt wird.

Je nach Höhe der enthaltenen Mehrwertsteuer darf ein geringwertiges Wirtschaftsgut dann bei einem Steuersatz von 19 Prozent bis zu 952,00 Euro und bei sieben Prozent bis zu 856 Euro kosten. Alternativ gibt es noch die Bildung eines Sammelpostens für GWG bis zu einem Preis von 1.000 Euro netto. Hier werden alle GWG pro Anschaffungsjahr in einem Pool erfasst und als geschlossener Pool über fünf Jahre abgeschrieben.

Es ist für jedes Wirtschaftsjahr festzulegen, welche Art der Verbuchung und somit Abschreibung von GWG die Praxis wählt. Es ist nicht möglich, in einem Jahr beide Arten der Abschreibung anzuwenden. Gleichzeitig wurde der Grenzwert für die sogenannten „kleinen Werkzeuge“ von bisher 150 Euro auf 250 Euro angehoben. Dabei handelt es sich um kleine Wirtschaftsgüter, deren Kaufpreis 250 Euro netto nicht übersteigt. Diese können als Sofortaufwand direkt in die Kosten verbucht werden.

Nachzulesen sind diese Änderungen im Bundesgesetzblatt vom 27.06.2017 (BGL 2017, 2074) unter den Änderungen zum Einkommensteuergesetzt, EKStG § 6.

Unser Tipp: Selbstbucher sollten im Zweifelsfall mit ihrem Steuerbüro klären, ob es sich um ein aktivierungspflichtiges Anlagegut oder GWG handelt. Ob GWG dann direkt oder als Sammelposten abgeschrieben werden, soll der Steuerberater im Rahmen der Jahresabschlussarbeiten entscheiden.

Barbara Mertens

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