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Wozu Schule? – Antworten aus der Sicht der frühen Sozialpädagogik

Why school?—Answers from the perspective of early social education

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Zusammenfassung

Karl Mager erfindet 1844 den Begriff „Social-Pädagogik“. Weniger bekannt ist, dass K. Mager Schulpädagoge und Schulpolitiker war. Der vorliegende Artikel skizziert K. Magers Sozialpädagogik und schließt daran seine liberale Schultheorie an. Ziel – auch für heute – ist, Schule als sozialpädagogischen Ort zu bestimmen.

Abstract

Karl Mager invented the term “Social-Pädagogik” (social pedagogy) in 1844. It is less well known that K. Mager was a school teacher and school politician. This article outlines K. Mager’s social pedagogy and connects it with his liberal school theory. The goal—also for today—is to designate the school as a socio-pedagogical place.

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Notes

  1. 1.

    K. Mager stirbt nach langer Krankheit 1858 in Wiesbaden. Zur ausführlichen Biografie siehe Müller und Kronen (2010).

  2. 2.

    Mager übernimmt diese Einsicht möglicherweise vom Sprachwissenschaftler Jean Joseph Jacotot, bei dem er u. a. in Löwen und Paris studiert.

  3. 3.

    Zum Begriff des Pöbels in der frühen Sozialpädagogik siehe Müller (2018).

  4. 4.

    Es wird nach der von Kronen in den Jahren 1984 bis 1991 herausgegebenen Gesamtausgabe zitiert (MGW; hier: Mager 1991).

  5. 5.

    Kronen (1968) beschäftigt sich zunächst mit Magers Schulpädagogik, insbesondere mit seiner Didaktik. Die Entdeckung der Sozialpädagogik-Textstelle ist gewissermaßen ein Nebenfund.

  6. 6.

    Insofern Sozialpädagogik in der Engführung mit Sozialarbeit ein Teil Sozialer Arbeit sein soll.

  7. 7.

    Ob, wann und inwieweit sich K. Mager von G. F. W. Hegel abwendet, soll hier nicht Thema werden. Noch 1841 bekennt er: „Wir haben Hegel nicht genannt, weil es sich bei Allem, was wir schreiben können, von selbst versteht, dass es in dessen Weltanschauung wurzelt“ (MGW III, S. 404, Fußnote; Hervorhebung im Original). Auch K. Magers Geschichtsphilosophie folgt Hegel: „Was vom Vernünftigen noch nicht wirklich ist, das wird die Zeit schon ins Werk setzen […]“ (MGW III, S. 97).

  8. 8.

    K. Mager hat vor allem Männer im Blick. Insgesamt muss die frühe Sozialpädagogik unter dem Gesichtspunkt implizierter Geschlechterkonstruktionen kritisch betrachtet werden (gleiches gilt für latenten Antislawismus u. ä.).

  9. 9.

    Angesicht des Scheiterns der 1848-Revolution hat K. Mager wahrscheinlich das zugrundeliegende umfassendere Manuskript vernichtet. Auch legt er die Redaktion der Pädagogischen Revue (PR) nieder.

  10. 10.

    Die immer wieder von K. Mager geäußerte Skepsis hat zum Missverständnis geführt, dass er Monarchist gewesen sei. Zur politischen Position K. Magers siehe u. a. auch C. Müller (2014).

  11. 11.

    Zum Schulsystem bei K. Mager siehe R. Weßler (1969); auch bei Kronen findet sich auch eine schematische Übersicht des Schulsystems (Kronen 1981, S. 89). Beachtenswert ist, dass Magers dreigliedriges Schulsystem (Gymnasium, Bürgerschule, Volksschule bzw. deutsche Schule) von einer allgemeinen Grundschule untermauert und nicht an den alten Ständen, sondern vielmehr an den Bedürfnissen einer modernen Gesellschaft orientiert ist.

  12. 12.

    Genannt sind Adolf Diesterweg und Karl Friedrich Wilhelm Wander.

  13. 13.

    Zur genaueren Ausgestaltung der Schulverwaltung bei Mager siehe Zimmermann (1912) und Weßler (1969).

  14. 14.

    Andere haben hierfür später den Terminus Schulgemeinde geprägt.

  15. 15.

    K. Magers Bürgerschule ist, wie M. Schabdach (o.J.) zeigt, in einen umfassenden Diskurs um Bürgerschulen im 19. Jahrhundert eingebunden.

  16. 16.

    Auf sozialpädagogischem Gebiet tritt ein umfassendes Verständnis von Sozialpädagogik, wie es bei K. Mager angelegt ist, erst wieder um 1900 und hier vor allem mit Paul Natorp zu Tage.

Literatur

    Verwendete Literatur

    1. Gall, L. (1993). Von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft. München: Oldenbourg.

    2. Jenkner, S. (1985). Staatsschule – Gemeindeschule – Schulgemeinde. Die staats- und erziehungswissenschaftliche Diskussion zum Verhältnis von Schule und Staat im 19. Jahrhundert. Pädagogische Rundschau, 39, 333–347.

    3. Kronen, H. (1968). Das Prinzip der Genese und der genetischen Methode in Pädagogik, Didaktik, Scholastik (Schultheorie) bei Karl Wilhelm Eduard Mager. Ratingen: Henn.

    4. Kronen, H. (1980). Sozialpädagogik. Geschichte und Bedeutung des Begriffs. Frankfurt am Main: Haag & Herchen.

    5. Kronen, H. (1981). Wem gehört die Schule? Karl Magers liberale Schultheorie. Frankfurt am Main: Haag & Herchen.

    6. Kronen, H. (1986). Karl Wilhelm Eduard Mager – ein Anwalt der Bürger‑/Realschule. Die Realschule, 44, 62–64.

    7. Kronen, H. (1989). Karl Mager als politischer Pädagoge im Vormärz. Bildung und Erziehung, 3(42), 319–330.

    8. Mager, K. W. E. (1991). Gesammelte Werke in zehn Bänden (MGW). Baltmannsweiler: Burgbücherei Schneider.

    9. Müller, C. (2014). „Tote Hunde, Wanzen und Knoblauch“ – Rekonstruktion eines Streites zwischen Lehrern der Kantonsschule Aarau (CH) in den Jahren 1842–44 zur weiteren Klärung des Begriffes Sozialpädagogik bei Karl Mager. Zeitschrift für Sozialpädagogik, 2(12), 190–209.

    10. Müller, C. (2018). Der Pöbel – Dekonstruktion einer eigentümlichen Figur (nicht nur) in der Sozialpädagogik. Zeitschrift für Sozialpädagogik, 3(16), 263–273.

    11. Müller, C., & Kronen, H. (2010). Sozialpädagogik nach Karl Mager. Quellen und Diskussion. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

    12. Schabdach, M. (2010). Karl Magers (Sozial‑)Pädagogik im Kontext des vormärzlichen Liberalismus. In C. Müller & H. Kronen (Hrsg.), Sozialpädagogik nach Karl Mager (S. 399–421). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

    13. Schabdach, M. (o. J.). Die Bürgerschule: Sozialpädagogik in der Mitte des 19. Jahrhunderts. https://www.ph-freiburg.de/fileadmin/dateien/fakultaet1/ew/ew2/Sozialpaedagogik/sozpaed_dokumente/Buergerschule.pdf. Zugegriffen: 4. Jan. 2019.

    14. Weßler, R. (1969). Karl Mager und seine Strukturtheorie des Bildungswesens. Weinheim: Beltz.

    15. Zimmermann, H. (1912). Magers Gesellschafts- und Schulverfassungslehre. Weida: Thomas & Hubert.

    Weiterführende Literatur

    1. Müller, C. (2005). Sozialpädagogik als Erziehung zur Demokratie. Ein problemgeschichtlicher Theorieentwurf. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

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    Correspondence to Prof. Dr. Carsten Müller.

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    Müller, C. Wozu Schule? – Antworten aus der Sicht der frühen Sozialpädagogik. Soz Passagen 11, 191–197 (2019) doi:10.1007/s12592-019-00310-8

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    Schlüsselwörter

    • Karl Mager
    • Sozialpädagogik und Schule
    • Schultheorie und Schulpolitik

    Keywords

    • Karl Mager
    • Social pedagogy and school
    • Theory and politics of school