Einsatzarmee Bundeswehr. Fortsetzung der deutschen Außenpolitik mit anderen Mitteln?

Deployment Force Bundeswehr: Continuation of Germany Foreign Policy with Other Means?

So sehen wir also, daß der Krieg nicht bloß ein politischer Akt, sondern ein wahres politisches Instrument ist, eine Fortsetzung des politischen Verkehrs, ein Durchführen desselben mit anderen Mitteln.

(Clausewitz, Vom Kriege)

Zusammenfassung

Die Bundeswehr hat seit Ende des Kalten Krieges einen dramatischen Wandel von der Abschreckungs- zur Einsatzarmee durchlaufen. Der Beitrag zeichnet diese Entwicklung nach und zeigt, wie die Beteiligung Deutschlands an internationalen Militäreinsätzen sukzessive ausgeweitet wurde. Er zeigt aber auch, inwiefern die Rolle des Militärischen in der (neuen) deutschen Außenpolitik von Inkonsistenzen und Widersprüchlichkeiten geprägt ist und wirft insofern einen kritischen Blick auf die Entwicklung der letzten 25 Jahre.

Abstract

Since the end of the Cold War, the Bundeswehr (German Federal Armed Forces) has undergone a dramatic change, from a deterrent force to a deployment force. The article retraces this development and shows how the participation of German soldiers in military operations abroad has gradually been extended. However, the article also offers a critical view on this development by highlighting that the role of the military in (the new) German foreign policy is still characterized by many inconsistencies.

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Abb. 1

Notes

  1. 1.

    Für ihre Kommentare zu früheren Versionen dieses Beitrags danken wir Frank Sauer, Konstantinos Tsetsos, Frank Adler und Sebastian Weise.

  2. 2.

    Vgl. hierzu auch Enskat (2014, S. 74–80). Nicht nur an dieser Stelle werden Überlegungen, Formulierungen und auch Textpassagen verwendet, die von den Autoren bereits in anderen Kontexten publiziert worden sind. Alle entsprechenden Publikationen finden sich im Literaturverzeichnis. Darüber hinaus wird aber um der Lesbarkeit willen in der Regel auf das Kenntlichmachen solcher Stellen verzichtet.

  3. 3.

    Für eine deutlich ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Thema vgl. von Krause (2013).

  4. 4.

    Vgl. hierzu ausführlich Masala (2013) sowie Seiffert und Heß (2012).

  5. 5.

    Was im Folgenden nur angerissen wird, kann detailliert nachgelesen werden bei Hilpert (2014) und Noetzel (2011).

  6. 6.

    Vgl. zur Anfangszeit Noetzel und Schreer (2009) und Münch (2010).

  7. 7.

    In einem eher breiten Sinne lässt sich force posture wie folgt definieren: “Current force capabilities, where the forces are and how they’re postured, military actions taken (whether in exercises or in conflict), infrastructure […] and declaratory policy about all of the above” (Bunn 2004).

  8. 8.

    Zu diesem Entwicklungsprozess gehört auch eine sich allmählich herausbildende militärische Erinnerungs- und Anerkennungskultur. Angestoßen durch das Bedürfnis heimgekehrter Soldaten nach Möglichkeiten des Gedenkens und Formen der Anerkennung manifestiert sie sich inzwischen beispielsweise im Ehrenmal der Bundeswehr, dem Ehrenkreuz für Tapferkeit und der Einsatzmedaille Gefecht.

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Enskat, S., Masala, C. Einsatzarmee Bundeswehr. Fortsetzung der deutschen Außenpolitik mit anderen Mitteln?. Z Außen Sicherheitspolit 8, 365–378 (2015). https://doi.org/10.1007/s12399-014-0441-9

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Schlüsselwörter

  • Bundeswehr
  • Auslandseinsätze
  • Strategie
  • Militär
  • Außenpolitik

Keywords

  • Bundeswehr
  • Deployments abroad
  • Strategy
  • Military
  • Foreign policy