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Tab. 5 Datenquellen, Annahmen und Modellierung

From: Das Hamburger Beihilfemodell – Ein Vergleich der internen Renditen von GKV und PKV

Beschreibung Datenquellen und Modellierungen
A) Zusammensetzung und Zahlungsströme der Personen des Beamtenhaushalts im Basisjahr
1) Beihilfeberechtigte Personen im Haushalt EVS mit dem Basisjahr 2013. Eine konkrete Zusammensetzung der Durchschnittshaushalte nach Altersklassen und Geschlecht des Haushaltsvorstands findet sich in Bührer et al. (2017), Tab. 1
2) Leistungen PKV-Beihilfe-System Kopfschadensstatistik der BaFin (2013). Um PKV- und GKV-Leistungen für die Bestimmung der Leistungsdifferenz detailliert vergleichen zu können, werden die BaFin-Kopfschäden der Kategorie „ambulant“ auf Grundlage von Niehaus (2015) nach „ambulante ärztliche Versorgung“, „Arzneimittel“ sowie „Heil- und Hilfsmittel“ aufgeteilt. Den PKV-Leistungsprofilen wird zusätzlich der entsprechende Wert der „Sonstigen Leistungsausgaben“ (vgl. Statistik des Risikostrukturausgleichs [RSA]) auf Grundlage der simulierten GKV-Leistungen (siehe A)4)) zugewiesen
3) PKV-Prämien der einzelnen Haushaltsmitglieder EVS mit dem Basisjahr 2013 und Verband der Privaten Krankenversicherung (2013)a
4) Leistungen der GKV Eigene Berechnungen auf Grundlage des Risikostrukturausgleichs BVA (2013) ergeben die GKV-Leistungsprofile der bisherigen GKV-Versicherten. Diese werden mit einem Morbiditätsfaktor auf die Subpopulation der bisherigen Beihilfeempfänger angepasst. Hierbei wird zum einen den Unterschieden der Kopfschadenprofile von Beihilfeberechtigten und sonstigen PKV-Versicherten als auch einer niedrigeren Morbidität durchschnittlicher PKV-Versicherter gegenüber durchschnittlichen GKV-Versicherten Rechnung getragen. Für letzteres fungiert ein altersbereinigter Morbiditäts-Faktor i. H. v. 0,9, der aus dem RSA-Risikofaktor der Techniker-Krankenversicherung ableitbar ist. Vgl. hierzu auch Bührer et al. (2017). Beamte erhalten dabei kein Krankentagegeld, da dieses als Lohnsubstitut im Falle von Krankheit dient, und dieser Tatbestand bei Beamten aufgrund der erweiterten Fortzahlung der Bezüge nicht eintritt
5) Beiträge zur GKV der Beamtenhaushalte Beitragsrelevantes Einkommen (i.W. Gehälter und Pensionen) aus der EVS mit dem Basisjahr 2013. Weiterhin wird die Beitragsbemessungsgrenze von 2013 und ein Arbeitnehmerbeitrag im Ausgangsjahr i. H. v. 8,2 % unterstelltb
B) Parameterwahl für Diskontrate und Wachstum der Größen
1) Realer Diskontsatz \(r\) im Standardszenario 3 % p. a. im Basisszenario nach Europäische Kommission (2015)
2) Allgemeiner Produktivitätsfortschritt \(g\) 1,5 % p. a. im Basisszenario nach Europäische Kommission (2015)
3) Ausgabendifferential aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts (\(\Updelta \, \text{MTF})\) 0,5 % p. a. Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Leistungen betont Breyer (2015) die ausgeprägte Bedeutung des medizinisch-technischen Fortschritts. Breyer et al. (2015) berechnen ein zwischen den Geschlechtern variierendes Wachstumsdifferential der GKV-Ausgaben zum allgemeinen Produktivitätsfortschritt von 1–2 Prozentpunkten p. a. Die Frage, ob sich dieser Trend insbesondere auch auf die fernere Zukunft übertragen lässt, ist keinesfalls eindeutig zu beantworten. Bei einer langfristigen Fortschreibung erreichen die Gesundheitsausgaben durch das überproportionale Wachstum hypothetisch sehr hohe BIP-Anteile, was einen starken Rationalisierungsdruck auslösen könnte
C) Fortschreibung der Größen auf Haushaltsebene
1) Überlebenswahrscheinlichkeit der Beihilfeberechtigten Generationensterbetafeln nach Statistisches Bundesamt (2011), die an die fernere Lebenserwartung von Beamten nach Altis und zur Nieden (2017) angepasst werden
2) Fortschreibung der Leistungen des PKV-Beihilfesystems \(\text{Leistung}_{\text{PKV},t+1,k}^{j}=\text{Leistung}_{\text{PKV},t,k-\left(s-t\right)}^{j}\left(1+g+\Updelta \, \text{MTF}\right)^{s-t}\) (8)
3) Fortschreibung der PKV-Prämien \(\text{Pr\"amie}_{t+1,k}^{j}=\text{Pr\"amie}_{t,k-\left(s-t\right)}^{j}\left(1+g+\Updelta \, \text{MTF}\right)^{s-t}\) (9)
Nach Owono und Weber (2010) ist in der Prämienkalkulation der medizinisch-technische Fortschritt nicht berücksichtigt. Für die Fortschreibung wird diese Entwicklung daher in Anlehnung an die Annahmen des Modells korrigiert. Die heute mit dem Alter ansteigende Prämienstruktur wird durch die Übertragung ebenfalls berücksichtigt. Die PKV-Prämien steigen durchschnittlich durch die Effekte (g, \(\Updelta \, \text{MTF}\) und ansteigende Prämienstruktur) um ca. 3,5 % p. a.c
4) Fortschreibung der Leistungen der GKV \(\text{Leistung GKV}_{s,k}^{j}=\text{Leistung GKV}_{t,k-\left(s-t\right)}^{j}\left(1+g+\Updelta \, \text{MTF}\right)^{s-t}\) (10)
5) Fortschreibung der GKV-Beiträge \(\text{Beitrag}_{t+1,k}^{j}=\text{Beitrag}_{t,k-\left(s-t\right)}^{j}\left(1+g+\Updelta \, \text{Beitragssatz}_{s-t}\right)^{s-t}\) (11)
\(g\) spiegelt hierbei das Lohnsummenwachstum wider. Im Hinblick auf die Wirkung der demografischen Transition auf die Umlagefinanzierung der GKV wird eine endogene Beitragssatzprognose verwendet. Der GKV-Beitragssatz steigt von 15,5 % im Jahr 2013 auf 20,7 % in 2040 bzw. 24 % in 2060. Die Fortschreibung der GKV-Bevölkerung (nach KM6) orientiert sich hierbei an den Annahmen der 13. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes in der Variante G1_L1_W1, allerdings basierend auf der Ist-Bevölkerung der Jahre 2013 bis 2015 und den Sterbetafeln des Jahres 2015 sowie einer leicht erhöhten Fertilität von insgesamt 1,5 Geburten pro fertiler Frau
  1. aDie zweite neue Hamburger Beihilfevariante, bestehend aus einem Arbeitgeberzuschuss zur PKV-Prämie, wird nicht betrachtet, da sie im Durchschnitt mit einem Verlust der über den PKV-Leistungskatalog hinausgehenden Leistungen einhergeht und daher vermutlich kaum in Anspruch genommen werden dürfte.
  2. bAbweichend vom Szenario der Bürgerversicherung bei Bührer et al. (2017) wird dabei unterstellt, dass die neu hinzukommenden Beamten in der GKV keine Veränderung des Beitragssatzes bewirken.
  3. cWeiterhin ist eine Überdeckung der PKV-Prämien über deren Anteil an den Lebenszyklusausgaben von 10 % gegeben, so dass dieses Vorgehen bei der Fortschreibung sehr nahe einer aktuarisch fairen Prämienkalkulation zzgl. einer Verwaltungs- und Gewinnmarge eines Versicherungsunternehmens kommt.