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Tab. 4 Bestandteile der Leistungsdifferenz nach Hauptleistungsbereich

From: Das Hamburger Beihilfemodell – Ein Vergleich der internen Renditen von GKV und PKV

Hauptleistungsbereich Geschätzter Preiseffekt (in %) Geschätzter Mengeneffekt (in %) Argumentation und Quellen
Stationärer Bereich 0 100 Das System der DRG-Fallpauschalen gilt für GKV und PKV gleichermaßen. Die Leistungsdifferenz wird daher maßgeblich durch Wahlleistungen für Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung und damit vollständig durch Mengeneffekte beeinflusst
Ambulante ärztliche Versorgung 85 15 Einige Studien (z. B. Wasem et al. (2013)) kalkulieren ein 2,3-faches Preisniveau der PKV gegenüber der GKV. Abgeleitet von Walendzik et al. (2008, S. 50) werden 85 % der Leistungsdifferenz auf den Preiseffekt zurückgeführt
Arznei‑/Verbandmittel 90 10 Einerseits gelten allgemeine Preisregulierungen wie die Arzneimittelpreisverordnung für verschreibungspflichtige Arzneimittel sowie Hersteller- und AMNOG-Rabatte für GKV und PKV gleichermaßen. Andererseits verfügen gesetzliche Krankenkassen über weitere Preisregulierungsinstrumente (Apothekenrabatt (§ 130 SGB V), Festbeträge, aut-idem Regelung, kassenindividuelle Rabattverträge nach § 130a Abs. 8 SGB V). Darüber hinaus enthalten die Rahmenverträge, zwischen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen, Arzneimittelvereinbarungen mit begrenzten Ausgabenvolumina der von Vertragsärzten veranlassten Leistungen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen des Verordnungsverhaltens, die sowohl Preis (durch die Auswahl wirtschaftlicherer Alternativen) als auch Menge beeinflussen. Ein entgegengesetzter Aspekt, der wiederum die Arzneimittelkosten in der PKV senken könnte, ist deren generösere Erstattung von OTC-Arzneimittel, wodurch womöglich verschreibungspflichtige Arzneimittel durch günstige Arzneimittel substituiert werden, die nicht unter die Arzneimittelpreisverordnung fallen. Wild (2015), quantifiziert den reinen durchschnittlichen Preisunterschied zwischen PKV und GKV auf +21,6 %. Insofern ist von einem dominierenden Preiseffekt auszugehen. Im Rahmen der in der PKV generöseren Erstattung von neuen Arzneimitteln, bspw. durch Importe aus dem Ausland, bestehen jedoch sicherlich auch geringfügige Mengeneffekte
Zahnärztliche Versorgung 30 70 Niehaus et al. (2011) schätzen den Unterschied im Vergütungsniveau auf das 1,7-fache. Bei der Erstattung von zahnmedizinischen Leistungen in der GKV gab es in den vergangenen 20 Jahren erhebliche Einschnitte, v. a. die Einführung von Festzuschüssen zum Zahnersatz. Ein Indiz dafür ist auch der überproportional hohe Anteil (23,88 % im Jahr 2015) von out-of-pocket-Zahlungen privater Haushalte zur Finanzierung der Zahnarztpraxen nach der Gesundheitsausgabenrechnung (http://www.gbe-bund.de), die zu einem Großteil aus Eigenleistungen von GKV-Versicherten bestehen dürften
Heil- und Hilfsmittel 50 50 Der grundsätzlich größere Leistungskatalog der PKV (z. B. bei alternativer Heilkunde) spielt ebenso eine Rolle wie Anreize bei den verordnenden Ärzten (Richtgrößenprüfung) sowie Zuzahlungen für gesetzlich Versicherte. Insofern dürften sich Preis- und Mengeneffekte in etwa die Waage halten. Diese Überlegungen lassen sich auch auf den Kontext der Hilfsmittel übertragen