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Der MKG-Chirurg

, Volume 10, Issue 2, pp 72–73 | Cite as

Das erste umfassende kraniomaxillofaziale Klassifikationssystem

  • Florian M. Thieringer
  • Joachim Prein
Einführung zum Thema

The first comprehensive craniomaxillofacial classification system

Ohne eine gemeinsame Sprache herrscht Verwirrung. Was schon in der Bibel als babylonische Sprachverwirrung thematisiert wurde, führte bekanntlich zum Kommunikationschaos der Bauleute und Scheitern des Turmbaus. Terminologische Konfusion als Folge von mangelndem Konsens und Fehlen einer Traumaklassifikation kennzeichnet unser Fachgebiet bis heute. Obwohl zahlreiche Klassifikationssysteme für Frakturen einzelner Gesichtsskelettkomponenten existieren, gibt es immer noch keine umfassende und international anerkannte kraniomaxillofaziale (CMF-)Dokumentationsmethode.

In anderen chirurgischen Fachbereichen haben sich längst Standards etabliert. So entwickelte Maurice E. Müller, ein Schweizer Orthopäde und AO-Gründungsmitglied, in den 1980er Jahren federführend ein Klassifikationssystem für Frakturen der langen Röhrenknochen, das sich durch 3 Präzisionsstufen auszeichnet und den Schweregrad der Frakturmuster erfasst. Diese Einteilung setzte sich international durch, wird heute in allen Grundkursen der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) gelehrt und führt zu einer gemeinsamen Sprache.

Grundsätzlich haben alle Traumaklassifikationssysteme gleichartige Ziele: Einordnung der Frakturen in klar definierte Kategorien, einheitliche Terminologie zur verlässlichen Kommunikation, Prädiktion von Schweregrad bzw. Behandlungskomplexität und damit Therapierelevanz. Daneben sind sie als Grundlage zur klinischen Dokumentation in elektronischen Datenbanken, zum Benchmarking sowie zur Forschung und wissenschaftlichen Auswertung von Frakturdaten gefragt.

Eine nicht mehr wegzudenkende Klassifikation von Gesichtsschädelfrakturen ist die Einteilung in 3 Le-Fort-Typen. Sie ist weltweiter Prototyp und Engramm bei jedem, der näher mit Medizin in Berührung gekommen ist.

Hauptziel bei der Erstellung der AO-CMF-Klassifikation war es, unter Verwendung objektivierbarer Schichtbildgebung und multiplanarer Auswertung (Computertomographien) etablierte Einteilungen in ein umfassendes System für das gesamte Schädelskelett zu integrieren.

Das Resultat nach über einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit anhand einer Sammlung realer Traumafälle ist die hier vorgestellte validierte AO-CMF-Trauma-Klassifikation inklusive der Software AO Comprehensive Injury Automatic Classifier (AOCOIAC). Damit ist etwas Entscheidendes entstanden: eine intuitive Bildsprache (Ikonographie) zur detaillierten Erfassung von Frakturen in Regionen und Subregionen des Schädelskeletts samt einer automatisierten Codierung, die Worte überflüssig macht und die internationale und multikulturelle Kommunikation und Kooperation vereinfacht.

Damit allein ist es jedoch nicht getan. Jetzt steht ein Umsetzungsprozess mit kontinuierlicher Optimierung in einer wachsenden Benutzergruppe bevor.

Wir danken allen bisher an der Entwicklung der AO-CMF-Klassifikation Beteiligten und hoffen auf Engagement und Enthusiasmus bei den künftigen Anwendern.

Dr. med. et med. dent. F. M. Thieringer

Prof. Dr. med. et med. dent. J. Prein

Notes

Interessenkonflikt

F.M. Thieringer und J. Prein geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Mund-, Kiefer- und GesichtschirurgieUniversitätsspital BaselBaselSchweiz
  2. 2.AOCMF/AO FoundationDübendorfSchweiz

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