Kriminalität und Kriminalisierung arabischer Familien in Essen

Zwischen Willkommenskommune und Hotspot von rassistisch gefärbtem Verwaltungshandeln

Zusammenfassung

Der Beitrag analysiert am Beispiel der Stadt Essen, wie sich die aufenthalts- und sozialrechtliche Kriminalisierung von Familien, deren Vorfahren in den 80er Jahren aus dem libanesischen Bürgerkrieg mit „ungeklärter Staatsangehörigkeit“ nach Deutschland geflohen sind und in Essen auch noch nach 30 Jahren als Langzeit-Geduldete kein Bleiberecht haben, vor dem Hintergrund der Kriminalität einzelner zur Kriminalisierung als Clan-Angehörige durch bloße Nachnamensgleichheit entwickelt hat und welchen Einfluss kommunale Akteure haben, um rassistisch gefärbtes staatliches Handeln in der lokalen Ausländerbehörde bzw. in der Polizei zu etablieren oder zu überwinden.

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Notes

  1. 1.

    Betroffenen-Interview (2014). Unveröffentlichtes Manuskript im Archiv des Autors.

  2. 2.

    Aufnahmekriterien waren zu Beginn: mindestens fünf Jahre in Essen lebend; Schulabschluss bzw. regelmäßige Teilnahme an berufsorientierenden Maßnahmen oder Ausbildung; keine Straffälligkeiten, die eine Aufenthaltsverfestigung ausschließen; ehrenamtliches Engagement, Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung an der Passbeschaffung durch Eltern oder durch die jungen Erwachsenen selbst (Stadt Essen 2018b).

  3. 3.

    Aus der um 18 Monate verschobenen Veröffentlichung des 1. Zwischenberichts geht hervor, dass trotz intensiver Suche und Begleitung durch das Integrationsmanagement des Jugendamtes nur für 43 von 418 Betroffenen Aufenthaltsverbesserungen erreicht werden konnten (Stadt Essen 2018c).

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Schweitzer, H. Kriminalität und Kriminalisierung arabischer Familien in Essen. Sozial Extra 44, 364–371 (2020). https://doi.org/10.1007/s12054-020-00333-z

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Schlüsselwörter

  • Kriminalität und Kriminalisierung von Geflüchteten
  • Ungeklärte Staatsangehörigkeit
  • Kettenduldung
  • Einwanderung
  • Stadt Essen