Skip to main content

Deutsch oder Englisch – das ist hier die Frage

German or English - that‘s the question

Die erste Ausgabe der Zeitschrift medizinischegenetik eines Jahres ist – wie seit langem üblich – der Tagungsband unserer anstehenden wissenschaftlichen Jahrestagung, die dieses Jahr in Münster stattfinden wird. Dementsprechend ist der Großteil dieses Heftes reserviert für alle notwendigen Informationen zum Inhalt und Ablauf der Tagung sowie für die (englisch-sprachigen) Abstracts der vielfältigen Plenary Sessions, Symposia, Workshops und Poster-Sessions. Darüber hinaus ist es ebenfalls Usus, dass in einem solchen Tagungsband einzelne Übersichtsartikel und CME-Artikel publiziert werden. Auch in diesem Heft setzen wir diese Gewohnheit fort und können mit einem CME-Artikel zu den genetischen Grundlagen von Hirnfehlbildungen ein Thema von großer klinischer Relevanz präsentieren. Weiterhin sind zwei Übersichts-Artikel zum Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom einerseits und zu genetisch bedingten Störungen der Spermatogenese andererseits in diese Ausgabe mit aufgenommen worden. Diese beiden Artikel stehen in direktem Zusammenhang mit einem der wissenschaftlichen Schwerpunkte des Kongresses und runden somit das Heft inhaltlich ab.

So weit so gut. Warum aber dieses Editorial, wenn alles so ist wie immer? Tatsächlich ist nicht alles business as usual, da die beiden letztgenannten Artikel in einem Aspekt mit den bisher gültigen Gepflogenheiten und Regeln dieser immerhin seit 1989 bestehenden Zeitschrift brechen. Sie sind nicht in deutscher Sprache verfasst, sondern in Englisch! Diesem Schritt sind lange und intensive Diskussionen in der Schriftleitung und im aktuellen GfH-Vorstand mit Abwägungen von möglichen Pros und Contras vorausgegangen. Im Endeffekt herrschte jedoch weitgehende Einigkeit, dass dies nicht nur ein vertretbarer, sondern vielmehr ein wichtiger und notwendiger Schritt für den Fortbestand und die Entwicklung der Zeitschrift medizinischegenetik ist. Ein wesentliches Argument für diesen Schritt steht dabei in direktem Zusammenhang mit einer anderen, grundsätzlichen Veränderung unserer Zeitschrift, die – vielleicht von dem Einen oder Anderen unbemerkt – bereits seit Anfang des letzten Jahres umgesetzt worden ist. Alle wissenschaftlichen Artikel der Zeitschrift medizinischegenetik sind seit der Ausgabe 1/2017 ohne Einschränkung als Open Access-Artikel verfügbar, wobei die Kosten hierfür durch die GfH getragen werden, sofern nicht andere Länder bzw. Einrichtungen die Finanzierung übernommen haben! Dieser nahezu revolutionäre Schritt steht im Einklang mit den aktuellen Empfehlungen aller relevanten wissenschaftlichen und politischen Einrichtungen und Fachgesellschaften. Er bedeutet einerseits den freien Zugang jedes Interessierten weltweit zu unseren wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Andererseits bedeutet er den Verbleib der Verwertungsrechte an den Inhalten des Artikels bei den Autoren, d. h. den eigentlichen Urhebern des Werks. Die Kombination der beiden Neuerungen, d. h. Open Access-Publikation mit der Option, den Artikel in Englisch zu verfassen, resultiert z. B. darin, dass die englisch-sprachigen Artikel in der PubMed Datenbank des NCBI gelistet werden. Damit sind sie weltweit für jeden sichtbar und unmittelbar verfügbar. Dies wird die Bekanntheit der Zeitschrift, den Leserkreis sowie auch den Kreis potentieller Autoren z. T. deutlich erweitern, was aus unserer Sicht ein wichtiger und richtiger Schritt in die Zukunft ist. Dies gilt umso mehr, als eine internationale Vernetzung (in der Regel in Englisch) sowieso für jeden wissenschaftlich und klinisch tätigen Humangenetiker Normalität ist.

Bedeutet dies nun, dass die medizinischegenetik eine englisch-sprachige Zeitschrift wird? Nein, dies ist zum jetzigen Zeitpunkt weder geplant noch gewünscht. Es soll sich „lediglich“ um einzelne englisch-sprachige Artikel der Themenschwerpunkthefte handeln, während der Großteil der Artikel und natürlich auch alle sonstigen Inhalte und Verbandsnachrichten wie auch bisher in deutscher Sprache erscheinen werden. Dass diese Veränderung von einigen Lesern nicht nur positiv aufgenommen werden wird, ist uns bewusst und wurde – wie bereits erwähnt – im Vorfeld auch ausführlich diskutiert. Nichtsdestotrotz ist es aus unserer Sicht eine der wichtigen Aufgaben der Schriftleitung, nicht nur Bestehendes zu erhalten, sondern auch zu versuchen, die Zeitschrift für die Zukunft möglichst gut aufzustellen. Ob der jetzt begonnene Schritt, einzelne englisch-sprachige Artikel zuzulassen, auch von den „Nutzern“ der Zeitschrift überwiegend positiv bewertet wird und wie die zukünftige Gestaltung und Ausrichtung der Zeitschrift medizinischegenetik sein soll, muss jetzt in einer möglichst breiten und aktiven Diskussion der Leser der Zeitschrift und der GfH-Mitglieder erörtert werden – in diesem Sinne freuen wir uns auf Ihre Meinung zu diesem durchaus kontroversen und wichtigen Thema!

Christian Kubisch & Reiner Siebert

(für die Schriftleitung)

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding authors

Correspondence to Christian Kubisch or Reiner Siebert.

Ethics declarations

Interessenkonflikt

C. Kubisch und R. Siebert geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Kubisch, C., Siebert, R. Deutsch oder Englisch – das ist hier die Frage. medgen 30, 1–2 (2018). https://doi.org/10.1007/s11825-018-0182-6

Download citation