Extremismus und Radikalisierung

Das vorliegende Heft hat den Schwerpunkt Extremismus/Radikalisierung. Straftaten von politischen Extremisten haben erhebliche Bedeutung. Diese Delikte richten sich nicht nur gegen einzelne Personen, sondern auch gegen die rechtsstaatliche und demokratische Ordnung. In den letzten Jahren haben insbesondere schwere Straftaten islamistischer und rechtsextremistischer Täter zu starker Beunruhigung in der Bevölkerung geführt. Derartige Delikte werfen zahlreiche Fragen auf. Es geht u. a. um die Ursachen dieser Straftaten, eine angemessene Reaktion auf die begangenen Delikte und um Möglichkeiten der Prävention. Die Thematik ist komplex, es können in diesem Heft nur einzelne Aspekte behandelt werden. Zunächst stellen Jonas Knäble, Lisanne Breiling und Martin Rettenberger Theorien und Erklärungsmodelle von Radikalisierungsprozessen im Kontext des Rechtsextremismus dar. Hierbei wird sowohl auf die Radikalisierung von Einstellungen als auch auf die Radikalisierung von Verhalten eingegangen. Im Zusammenhang mit Extremismus werden häufig Verschwörungstheorien vertreten. Diese sind Gegenstand des Artikels von Jerome Endrass, Marc Graf und Astrid Rossegger. Sie erörtern u. a. Entstehung und Auswirkungen von Verschwörungstheorien und die Persönlichkeit der durch sie ansprechbaren Menschen. Die folgenden Beiträge befassen sich mit Möglichkeiten der Prävention von Radikalisierung und der Intervention bei Radikalisierungsprozessen. Leonardo Vertone stellt das in Zürich entwickelte psychotherapeutische Radikalisierungs-Interventionsprogramm in der Jugendforensik (RADIP-JF) vor, mit dem das Fortschreiten von Radikalisierungsprozessen bei Jugendlichen verhindert werden soll. Whitney Hatton, Martin Rettenberger und Axel Dessecker schildern Befunde des Forschungsprojekts „Islamistische Radikalisierung erkennen und vermeiden – Präventionsmöglichkeiten im Justizvollzug“ der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden. Dieses Projekt hat zu einem Praxishandbuch für den Justizvollzug geführt. Schließlich berichten Johannes Lauterbacher et al. über die Evaluation des Teilmoduls „Straftaten und Gewalt“ des computerbasierten Trainings „OHA – Online Hass Abbauen“ eines Jenaer Bildungs- und Jugendhilfeträgers.

Neben den Beiträgen zum Schwerpunkthema enthält dieses Heft eine Reihe von Artikeln zu anderen Bereichen. Stefanie Schmidt und Tony Ward entwickeln mit dem Cultural Agency Model of Criminal Behavior ein Rahmenmodell, das es ermöglicht, Delinquenz kultursensibel zu erklären. Dana Rösch et al. legen eine Untersuchung zu der Frage vor, ob die verschiedenen Begriffe in der alten und der neuen Fassung des § 20 StGB (Schwachsinn/Intelligenzminderung, seelische Abartigkeit/seelische Störung) als unterschiedlich stigmatisierend wahrgenommen werden und zu unterschiedlichen Einaschätzungen u. a. der Schuldfähigkeit führen. Die folgenden beiden Beiträge betreffen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach § 64 StGB. Dörte Berthold und Christian Riedemann berichten über eine Untersuchung, in der Prognosefaktoren für den Erfolg einer Behandlung in einer Entziehungsanstalt ermittelt wurden, und Norbert Schalast legt Vorschläge für eine Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen des Maßregelvollzugs gemäß § 64 StGB vor. Sodann befassen sich Natalie Martschuk und Siegfried Sporer mit der Richtigkeit von Personenidentifizierungen durch ältere Augenzeugen.

Im „Blitzlicht“ setzt sich Hans-Ludwig Kröber anhand des Buches Die Verunglückten von Matthias Bormuth damit auseinander, wie sich die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs in der Lebensgeschichte von vier Schriftstellern niedergeschlagen hat, wobei die Lebenswege teilweise im Suizid und im Terrorismus endeten. Der „Journal Club“ enthält einen psychiatrischen Beitrag von Jan Pellowski und Alexander Voulgaris über Risikofaktoren für Gefängnissuizide und einen kriminologischen Beitrag von Marleen Gräber und Barbara Horten zu der Frage, ob das „Catcalling“, also die sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt, unter Strafe gestellt werden sollte. Der „Kongresskalender“ zeigt schließlich, dass im Jahr 2021 trotz „Corona“ eine Reihe interessanter Tagungen angeboten wird.

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Dölling, D. Extremismus und Radikalisierung. Forens Psychiatr Psychol Kriminol 15, 97–98 (2021). https://doi.org/10.1007/s11757-021-00663-y

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