Psychodramatische Arbeit in Selbsterfahrungsgruppen für Menschen mit Diktaturerfahrung in Thüringen

Psychodramatic work in self-awareness groups for people with experience of dictatorship in Thuringia

Zusammenfassung

Dieser Artikel der Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie befasst sich mit den praktischen Gegebenheiten und Möglichkeiten in psychodramatischen Selbsterfahrungsgruppen für Menschen mit Diktaturerfahrung, speziell mit der Etablierung eines sicheren Raumes, dem Umgang mit der Hilfs-Ich-Methode und dem Einsatz von Visualisierungen. Die Erfahrungen und Verletzungen, die die TeilnehmerInnen durch die Diktatur der DDR und deren Akteure erfahren haben, haben in ihrem Leben bis heute auffindbare und nachwirkende Spuren hinterlassen. Es bedarf in ihrem heutigen Alltag oft nur kleiner Anstöße, traumatische Muster zu reaktivieren. Dieses Aufbrechen des Vergangenen, das die Betroffenen als ein erneutes Erleben in der Gegenwart erfahren, einer Neubewertung, einem neu zu erlernenden Muster und damit einem neuen Verhalten zugänglich zu machen, ist für alle Betroffenen die Chance in der Gruppenarbeit.

Abstract

This article in the journal Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie deals with the practical conditions and possibilities in psychodramatic self-awareness groups for people with dictatorship experience, especially with the establishment of a safe space, the use of the auxiliary ego method and the use of visualizations. The experiences and injuries that the participants experienced through the dictatorship of the GDR and its actors have left traces that can be found and have an impact on their lives to this day. In today’s everyday life, it happens easily to reactivate traumatic patterns. This breaking up of the past, which those affected experience as a new experience in the present, to make a re-evaluation, a new pattern to be learned and thus a new behavior accessible, is the opportunity for all those affected in group work.

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Abb. 1
Abb. 2

Notes

  1. 1.

    SED: Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, Produkt aus der Zwangsvereinigung von KPD mit der SPD, 1946–1990.

  2. 2.

    DDR: Deutsche Demokratische Republik, 1949–03.10.1990, politische Bezeichnung der SED-Diktatur.

  3. 3.

    Rehabilitierung: Beinhaltet die Aufhebung politisch motivierter Unrechtsurteile staatlicher deutscher Gerichte in der DDR, des Weiteren die Erklärung der Rechtsstaatswidrigkeit oder die Aufhebung von Verwaltungsentscheidungen in der DDR, etc. in der Folge ist die Zahlung einer Entschädigung möglich.

  4. 4.

    Verfolgte SchülerInnen: In der Regel SchülerInnen, denen die weitere schulische Laufbahn verweigert oder nach Unterbrechung die Wiederaufnahme aus politischen Gründen untersagt wurde.

  5. 5.

    JWH: hier geschlossener Jugendwerkhof Torgau: eine Disziplinierungsanstalt der Jugendhilfe, die dem Ministerium für Volksbildung der DDR direkt unterstand, 1964–1989, 4000 Jugendliche, 14–18 Jahre alt, zur „Anbahnung eines Umerziehungsprozesses“ eingewiesen, ohne vorausgegangene Straftat, ohne richterliche Anordnung für die Einweisung. Methode: Eiserne Disziplin und paramilitärischer Drill.

  6. 6.

    IM: Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit, der im Auftrag seines Führungsoffizier (Hauptamtlicher Mitarbeiter) Informationen über Dritte lieferte.

  7. 7.

    Staatsicherheitsdienst, Stasi: 1950–1989, Geheimdienst bzw. Geheimpolizei, Herrschaftsorgan des SED-Staates, Selbstbezeichnung „Schild und Schwert“ des Einparteienstaates.

  8. 8.

    Bunker: in der Regel eine fensterlose Zelle für die Einzelhaft.

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Sommer, R., Seifert, B. Psychodramatische Arbeit in Selbsterfahrungsgruppen für Menschen mit Diktaturerfahrung in Thüringen. Z Psychodrama Soziom 20, 131–144 (2021). https://doi.org/10.1007/s11620-021-00588-y

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Schlüsselwörter

  • DDR
  • Diktatur
  • Gruppe
  • Hilfs-Ich
  • Psychodrama
  • Selbsterfahrung
  • Traumata

Keywords

  • GDR
  • Dictatorship
  • Group
  • Auxiliary self
  • Psychodrama
  • Self-awareness
  • Trauma