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Zeitschrift für Erziehungswissenschaft

, Volume 7, Issue 2, pp 277–290 | Cite as

Zur Diskussion über die Konvergenz ökonomischer und pädagogischer Prinzipien betrieblicher Personal-und Organisationsentwicklung

  • Christian HarteisEmail author
Allgemeiner Teil

Zusammenfassung

Die These von der Konvergenz ökonomischer und pädagogischer Prinzipien betrieblicher Personal-und Organisationsentwicklung findet in der Erziehungswissenschaft einflussreiche Verfechter. In diesem Beitrag werden vier Kritikpunkte zum Literaturstand bezüglich der Konvergenzdebatte entwickelt und näher erläutert. Um den Diskussionsstand weiter zu entwickeln, wird ein theoretisches Konzept vorgestellt, das die Schwächen der kritisierten Ansätze vermeidet. Die individuelle Kompetenzentwicklung der Beschäftigten wird als Voraussetzung dafür gesehen, dass dem Betrieb ein umfangreiches Kompetenzspektrum zur Verfügung steht. Damit der Betrieb dieses Kompetenzspektrum nutzen kann, müssen Bedingungen gegeben sein, unter denen die Beschäftigten einen Nutzen in der Anwendung ihrer Kompetenz sehen. Sind diese gegeben, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Leistungskraft des Betriebs, was wiederum Voraussetzung dafür ist, dass Beschäftigte im Rahmen ihrer Arbeit individuelle Kompetenz entwickeln und anwenden können. Die Tragweite dieses Ansatzes besteht darin, dass eine Operationalisierung von Konvergenzbedingungen über neuere Theorien aus der Lehr-Lern-Forschung möglich wird.

Summary

On the dispute about a convergence between economic and pedagogical principles for staff and organizational development

The hypothesis of a convergence between economic and pedagogical principles for staff and organizational development has found influential supporters in educational science. This contribution will develop four criticisms regarding literature on the convergence hypothesis and explain their significance. The discussion will be advanced by presenting a theoretical concept which avoids the weaknesses of the criticized approaches. The possibility for employees to develop individual competencies is seen as a necessary pre-condition for a company to profit from the potential spectrum of competencies which employees otherwise provide. A company can only utilize this potential when certain conditions are met by which the employees can see a clear use in the application of their skills. When these are fulfilled, the chances of a permanently high performance in a company increase and this, in turn, is a pre-condition for employees to have the opportunity to develop and apply their individual competencies. The relevance of the described approach lies in its capacity to facilitate an operationalization of conditions for convergence based on new theories of effective teaching and learning.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für PädagogikUniversität RegensburgRegensburgGermany

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