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Politische Vierteljahresschrift

, Volume 59, Issue 4, pp 655–657 | Cite as

Editorial

  • Kai-Uwe SchnappEmail author
Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das vorliegende Heft 4 des 59. Jahrgangs der Politischen Vierteljahresschrift (PVS) widmet sich in einem Forum dem Thema „Normativität in der Hochschullehre“. Das Forum stellt sich die Frage, ob und wenn ja wie Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler in der Lehre normative Theorien nicht nur diskutieren, sondern sich selbst normativ positionieren sollen. Für die Redaktion der PVS steckt hinter diesem Forum selbst eine normative Positionierung: Die Zeitschrift will sich aktiv für das Thema „Hochschullehre“ öffnen. Gründe hierfür gibt es viele: Erstens ist die Lehre zusammen mit der Forschung unsere Hauptaufgabe als Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler an den Hochschulen. Wenn, zweitens, gegenwärtig vermehrt über Wissenstransfer zwischen der Universität und „der Gesellschaft“ sowie über das Wirksamwerden der Politikwissenschaft in der und für die Gesellschaft gesprochen wird, dann bleibt immer klar, dass eine unserer Haupttransferleistungen die Ausbildung junger Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler ist, die mit neuesten Forschungsergebnissen und -methoden die Universität verlassen, und das, was erforscht und systematisiert wurde, „in die Welt“ tragen. Drittens ist die Lehre der Bereich unserer Tätigkeit, für den wir am wenigsten systematisch vorbereitet werden (auch wenn sich inzwischen an erfreulich vielen Universitäten wissenschaftsdidaktische Aus- und Weiterbildungsprogramme etabliert haben). Viertens ist die Lehre einer der Orte, an dem unser Fach, das sich in der Forschung immer weiter ausdifferenziert, wieder zusammenkommen kann und an dem nach wie vor die großen Fragen gestellt und diskutiert werden können. Somit verdient die Lehre auch einen Platz in unserem publizistischen Schaffen und in der PVS. Um zu berichten, wie Lehrveranstaltungen zeitgemäß und interessant gelingen können, um zu fragen, wie wir politikwissenschaftliche Lehre in dieser Zeit und in diesem Land gestalten wollen und schließlich auch, um systematisch Forschungsergebnisse über Lehre und Lernen vorzutragen. All das sollte nach Überzeugung der PVS-Redaktion nicht nur in didaktisch orientierten Zeitschriften geschehen, sondern auch in zentralen Blättern des Faches. Damit wird zum einen, so unsere Hoffnung, der Zugang zu entsprechender Literatur erleichtert, denn man muss sie nicht mehr suchen, sie kommt „von allein“ auf einen zu. Gleichzeitig wird die Reputation der Lehre auf zweierlei Weise gesteigert. Erstens dadurch, dass sie über den eigenen Standort hinaus überhaupt sichtbar gemacht und ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt wird, zweitens aber auch dadurch, dass Lehre als eine Währung tauschbar gemacht wird, die in einem Wissenschaftlerinnenleben hohe Bedeutung hat: in Form von Publikationen begutachteter, zentraler Zeitschriften des Faches.

Ein erster lehrbezogener Beitrag erschien als „Pilotprojekt“ in Heft 3 des 58. Jahrgangs der PVS. Im Rahmen eines Forums zur Bundestagswahl 2017 berichtete Volker Best (2017. Studierende im Wahl-Werber-Fieber. Die Erstellung von Wahlplakaten zur Bundestagswahl 2017 im „Praxisseminar Wahlkampagne“. Politische Vierteljahresschrift 58(3): 452–472) über ein Praxisseminar zu Wahlkampagnen in Bonn, das mit vielen innovativen Ideen Studierenden das Thema „Wahlkampf“ sowohl theoretisch als auch praktisch nahebrachte. Im vorliegenden Heft diskutieren in einem gesammelten Forum mehrere Kolleginnen und Kollegen normativ und konzeptionell über Lehre, ein für Heft 1 des kommenden Jahrgangs geplanter Forumsbeitrag von Friedrich Plank et al. (2018. Standortübergreifende Lehre in der Politikwissenschaft: Nutzen und Beitrag eines innovativen Ringseminars. Politische Vierteljahresschrift, published online first) wird erneut ein Erfahrungsbericht sein, der diesmal ein internetbasiertes Lehrformat vorstellt, das mehrere Standorte zu einer gemeinsamen virtuell unterstützten Lehrveranstaltung zusammengebracht hat. Für weitere Forumsbeiträge, vor allem für solche, die sich forschend mit der Lehre auseinandersetzen, sind wir auf Ihre Ideen und Vorschläge – liebe Leserinnen und Leser – angewiesen. Wir freuen uns, Sie bald als Autorinnen und Autoren auch zum Thema „Hochschullehre“ bei uns wiederzufinden. An dieser Stelle und abschließend geht unser herzlicher Dank an die Gutachterinnen und Gutachter, die sich bislang schon auf das Wagnis eingelassen haben, lehrbezogene Beiträge zu begleiten. Die Kriterien dafür überlappen sich mit den gängigen für gute wissenschaftliche Publikationen, aber sie sind nicht identisch. Sie müssen in Teilen überhaupt erst entwickelt werden. Redaktion sowie Gutachterinnen und Gutachter sind also noch auf der Suche nach sinnvollen Maßstäben für gute Lehrtexte. Wir freuen uns daher auch sehr über Rückmeldungen zu den lehrbezogenen Artikeln. Dabei sind uns vor allem kritische Rückmeldungen wichtig, denn wir wollen die Lehre in einer Art und Weise thematisieren, die uns allen weiterhilft.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit dem letzten Heft des aktuellen Jahrgangs und interessante Einblicke in das erste gesammelte PVS-Forum zum Thema „Hochschullehre“.

Ihre PVS-Redaktion

Hamburg und Darmstadt, den 10. Oktober 2018

Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp (Universität Hamburg)

Copyright information

© Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.HamburgDeutschland

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