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Beruf(en) im Verkauf – Soziale Positionierung und subjektive Bedeutung von Arbeit

Vocations for sale—Social positioning and subjective significance of work

Zusammenfassung

Seit einigen Jahren wächst der Niedriglohnsektor in Deutschland und es häufen sich Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen im unteren Dienstleistungssegment. In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie sich Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel gesellschaftlich positionieren und welche subjektive Bedeutung ihre Arbeit hat. Es handelt sich somit um einen Beitrag zur sozialen Ungleichheitsforschung unter Einbeziehung des Habitus-Konzepts von Bourdieu. Mithilfe von Leitfaden-Interviews wurden 18 Beschäftigte, darunter zwei Ausbilderinnen, zu ihrem Lebensweg, ihrer Ausbildung und Beschäftigung befragt und ihre Erzählungen in tiefergehenden Einzelfallanalysen ausgewertet. Im Ergebnis werden drei Thesen vorgestellt, die zentrale Befunde zusammenfassen: Die Beschäftigten haben ein hohes Arbeitsethos, sie verinnerlichen die Unternehmenserwartung von Effizienz, Produktivität und Wirtschaftlichkeit und erfahren kollegiale Wertschätzung. Das bedeutet, dass Menschen auch unter schlechten Arbeitsbedingungen gute Arbeit leisten und dass sie ihren sozialen Status durch Bezug auf kapitalistisch orientierte Leistungsfähigkeit aufzuwerten versuchen.

Abstract

In Germany, the low-wage sector rises since several years. Reports mount evidences on bad working conditions in the lower service sector. This paper enquires how retail clerks position themselves in society and what the subjective significance of work consists in. Thus, this is a contribution to social inequality research using Bourdieu’s concept of habitus. 18 employees among them two vocational educators were interviewed with a guideline and their narrations about their life histories, education and employment were analyzed as case studies. As a result, three hypotheses, which sum up key findings of this study, are presented: Employees obtain a high working ethos, they internalize corporations’ expectations of efficiency, productivity and cost-effectiveness and enjoy collegial esteem. This means that people perform good work also under bad working conditions. They try to upgrade their social status by referring to capitalist oriented performance criteria.

Einleitung

Der World Inequality Bericht (Alvarado et al. 2018) beschreibt die drastische Zunahme sozialer Ungleichheit. Bezogen auf die Einkommensverteilung werden Polarisierungen (die Reichen werden reicher, die Armen ärmer) und Reallohnverluste auch für Deutschland verzeichnet (Brenke und Grabka 2011). Trotz der Diagnose „Wissensgesellschaft“ (Drucker 2001) wuchs der Niedriglohnsektor stark an (Huster et al. 2012). Nicht nur die Einkommen vieler Beschäftigter, sondern auch die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich. Besonders dramatische Berichte beziehen sich dabei auf die Branche des Lebensmitteleinzelhandels (exemplarisch Bauer 2017). Wie positionieren sich nun die Beschäftigten selbst innerhalb der Gesellschaft und inwiefern ist ihre Sicht auf ihre Arbeit relevant für ein Verständnis sozialer Ungleichheit in unserer Gesellschaft? Auf diese Frage geben wir mithilfe empirischer Daten, gewonnen aus Interviews mit Beschäftigten im Lebensmitteleinzelhandel, der zu den Branchen mit einem hohen Anteil an Niedriglohnbezieher_innen gehört, drei Antworten in Form von Thesen (nicht Postulaten), die von Spannungen geprägt sind. So zeigen wir, dass Beschäftigte trotz sich verschlechternder Arbeitsbedingungen gut und gerne und mit einem hohen Arbeitsethos arbeiten. Das Arbeitsethos der „kleinen Leute“ deuten wir als lang tradierte Reaktion auf ebenfalls zeitlich lang andauernde gesellschaftliche Abwertung von Berufen und Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich, die mit Lehr- und ohne Universitätsabschlüssen zugänglich sind. Das Arbeitsethos der „kleinen Leute“ ist zusätzlich auch eine Abwehr gegen ihre Instrumentalisierung, die sie gleichwohl nicht vor Ausbeutung schützt (These 1). Die Beschäftigten übernehmen Unternehmensziele von Effizienz und Wirtschaftlichkeit, ohne daran zu verdienen. Sie beanspruchen damit einen achtbaren sozialen Status, den ihnen ihr Beruf (des Einzelhandelskaufmanns/-frau) und ihre Tätigkeiten aufgrund kontinuierlicher Abwertungen wie lean retailing nicht mehr bescheren (These 2). Während die Beschäftigten außerhalb ihrer Betriebe eher kaum Anerkennung für ihre Arbeit erfahren, findet in Betrieben eine kollegiale Wertschätzung statt (These 3). Insgesamt verlaufen die sozialen Verortungen bezogen auf Erwerbsarbeit der von uns befragten Beschäftigten mehrdeutig, spannungsreich und ambivalent.

Unser Erkenntnisinteresse richtet sich auf die soziale Positionierung der Beschäftigten. Damit verorten wir unseren Beitrag im Bereich der sozialen Ungleichheitsforschung im Gebiet der Arbeitssoziologie. Mit unserer Beschäftigtenbefragung bewegen wir uns im Bereich der „subjektiven Bedeutung von Arbeit“ (Knapp 1981, S. 22), die wir in der Tradition der Arbeiterbewusstseinsforschung immer auch als einen Beitrag zur Erforschung der sozialen Positionierung der Befragten verstehen, die über ein reines Erfassen von Wahrnehmungen, Haltungen sowie Beurteilungen von Arbeitsinhalten und -bedingungen hinausgeht und das „Gesellschaftsbild der LohnarbeiterInnen“ (vgl. Dörre, Holst, Matuschek 2013a) miteinschließt. In den Aussagen der Beschäftigten stoßen wir auf Dimensionen wie Arbeitssinn, die vor allem im Bereich der Diskussion um die „Subjektivierung von Arbeit“ (Baethge 1991, Moldaschl und Voß 2003) zentral sind, aber unser Fokus richtet sich auf die soziale Positionierung der Beschäftigten und damit verstehen wir diesen Beitrag nicht als einen zur Debatte „Subjektivierung von Arbeit“.

Unser Fokus auf soziale Positionierung bestimmt auch unseren theoretischen Rahmen für die Diskussion unserer Thesen. Der theoretische Rahmen besteht vor allem in der sozialen Ungleichheits-Perspektive Bourdieus, wobei sein Habitus-Konzept zentral ist, was wir im nächsten Abschnitt erklären werden. In Ergänzung zum Habitus-Konzept nutzen wir das Konzept der Subjektkonstitution von Knapp (1981) und Becker-Schmidt (1983a) als Hintergrundfolie für ein Verständnis der Beschäftigtenaussagen, was wir ebenfalls im nächsten Abschnitt näher erläutern werden. Uns ist durchwegs die gesellschaftliche Vermittlung von Subjektivität und der dadurch ermöglichte Erkenntnisgewinn über Ungleichheit in der Gesellschaft wichtig, sodass wir weniger in eine subjektorientierte Arbeitssoziologie (vgl. Bolte und Treutner 1983) oder stark biografisch orientierte Richtung (vgl. Giegel 1989) gehen, auch wenn diese selbstverständlich (makro-)strukturelle Dimensionen sozialer Ungleichheit berücksichtigen.

Nach dem Abschnitt zur Erläuterung des theoretischen Rahmens wollen wir mit einer Darstellung des Arbeitsbereiches Lebensmitteleinzelhandel im Spiegel der Medien und Forschung den Leser_innen einen illustrativen Einblick in das Beschäftigungsfeld geben, aus dem die Daten gewonnen wurden. Diese werden dann nach einer Darstellung der Methode und des Samples in der bereits angekündigten Thesenform bezogen auf ihre Bedeutung für soziale Ungleichheit vorgestellt. Aus Platzgründen werden wir dabei auf wichtige Dimensionen wie der Frage nach dem Stellenwert des Wandels der Erwerbsarbeit in eine post-fordistische Wirtschaftsweise (Dörre und Matuschek 2013) und der Bedeutung neo-liberaler Gouvernementalitätsstrukturen (Bröckling 2007) sowie normativ-philosophischer Anerkennungsdebatte (Honneth et al. 2013) verzichten müssen.

Theoretischer Rahmen

Um soziale Ungleichheit im Sinne Kreckels (2004) als eine ungleiche Verteilung von Lebenschancen unter vernunftbegabten und mit Eigensinn ausgestatteten Menschen zu verstehen, ist es notwendig, Strukturen und Handlungen gleichermaßen fassen zu können. Dafür eignet sich Bourdieus (1982) Habitus-Konzept vorzüglich, weil es soziale Positionierung als einen Prozess der gegenseitigen Konstitution von Strukturen und Handeln fasst: „der Habitus ist Erzeugungsprinzip objektiv klassifizierbarer Formen von Praxis und Klassifikationssystem (principium divisionis) dieser Formen“ (Bourdieu 1982, S. 277). So ist der Habitus ein unbewusst erlerntes und inkorporiertes Prinzip des Wahrnehmens, Denkens und Handelns, das an das soziale Umfeld, in dem es eingeübt wird, gebunden ist. Der Habitus unterscheidet sich daher nach sozialen Gruppen wie Klassen und Schichten. Im Verlauf des Heranwachsens ist der Habitus immer bedeutender als ein System von Dispositionen zur Ausübung von Handeln, das soziale Wirklichkeit formt. Mithilfe des Habitus-Konzepts ist es also möglich, beides, die soziale Position eines Menschen als auch seine Positionierung, also sein aktives Herstellen seiner eigenen sozialen Verortung, zu beschreiben und zu erklären. Dabei verhilft uns das Konzept des Habitus, die Aussagen und Sichtweisen der Befragten selbst als ein Element sozialer Ungleichheit zu verstehen (vgl. Voswinkel 2018). Damit ermöglicht es uns aus den Sichtweisen der Beschäftigten beides, ihre soziale Verortung (als Konsequenz sozialer Strukturen) als auch ihren aktiven Beitrag zu ihrer eigenen sozialen Positionierung (als Handlung, die durch eine bestimmte Disposition „gelenkt“ wird, also strukturiert ist), zu verstehen. In diesem Sinne werden wir später die Aussagen der Beschäftigten sowohl als Produkt ihrer sozialen Herkunft als auch als Herstellungsmodus ihrer sozialen Position in einer Gesellschaft, die durch soziale Ungleichheit geprägt ist, deuten.

Da in unserem Beitrag die Sichtweise der Beschäftigten im Zentrum steht und wir mit Knapp (1981) unter subjektiver Bedeutung von Arbeit mehr als Einstellungen zur Arbeit verstehen, ist ein klarer Begriff von „Subjekt“ wichtig. Bourdieu hat selbst kein Subjekt-Konzept entwickelt. Wir lehnen uns daher an ein Verständnis von Subjekt als Subjektkonstitution von Knapp (1981) und Becker-Schmidt (1983a) an, das das Habitus-Konzept ergänzt. Demnach wird Subjektivität als Individuation und als Vergesellschaftung sowohl hervorgebracht als auch gehemmt (Becker-Schmidt 1983a, S. 34 f.), sodass immer zugleich eine Freisetzung und eine Fesselung von Potenzialen vorhanden ist (Knapp 1981, S. 159). Sozialisation wird nicht als einfacher „Sedimentierungsvorgang“ (Becker-Schmidt 1983a, S. 35) verstanden, sondern äußere Realität wird immer in Umstrukturierungen verinnerlicht. Damit kann nicht einfach von äußeren Verhältnissen auf innere Zustände geschlossen werden. Stattdessen beinhaltet das Konzept der Subjektkonstitution die Möglichkeit, dass das Subjekt „der Gesellschaft verändernd gegenübertreten kann“ (Becker-Schmidt 1983a, S. 35).

Ähnlich wie Dörre und Matuschek (2013) es mit ihrer Anlehnung an Gramscis Subjektkonzept als geschichtlichen Block tun, gebrauchen wir das Verständnis von Subjektkonstitution als Hintergrundfolie für ein Verständnis und die Deutung der Beschäftigtenaussagen (ohne selbst vertiefend in eine Debatte um Konstitution von Subjekt einzusteigen). Wichtig ist uns ein Verständnis von Subjekt als Akteur, um komplexe Prozesse sozialer Positionierungen verstehen zu können, womit wir uns (wie Dörre et al. 2013b, S. 241 und Hürtgen und Voswinkel 2016, S. 511) von Subjektivierungsthesen in Gouvernementalitätsperspektive abgrenzen. Bevor wir jedoch zu den Aussagen der Beschäftigten und unseren Deutungen in Thesenform gelangen, folgt eine Illustration des Beschäftigungsfeldes.

Arbeitsbereich Lebensmitteleinzelhandel im Spiegel der Medien und Forschung

„Nimm eine Ibuprofen und mach weiter!“ So wird eine Verkäuferin bei Edeka zitiert, die von ihrem Abteilungsleiter aufgefordert wurde, trotz Krankheit weiterzuarbeiten (Bauer 2017). Im Artikel der BuzzFeed News, der sich auf Gespräche mit Mitarbeiter_innen bei Rewe, Edeka und Penny bezieht, werden Arbeitsbedingungen im Lebensmitteleinzelhandel skandalisiert. Neben dem Druck von Vorgesetzten, die ihre Mitarbeiter drängen, auch bei Krankheit zu arbeiten, ist von regelmäßigen unbezahlten Überstunden die Rede. Auch im Fernsehen und Radio wurde in letzter Zeit über schlechte Arbeitsbedingungen im Lebensmitteleinzelhandel informiert. So berichtete der Südwestrundfunk über unbezahlte Überstunden und die zunehmende Anzahl von Beschäftigten, die von Rewe und Edeka unter Tariflöhnen bezahlt werden (Verheyen und Schillig 2017). Der Deutschlandfunk weist auf den Rückgang der Tariflöhne auf Kosten der Beschäftigten hin, die immer flexibler eingesetzt werden, um Kosten zu sparen (Koch 2017). Die Ausbeutung beschränkt sich nicht auf Beschäftigte im unteren Segment; es sind durchaus auch Bereichsleiter betroffen, die zwar gut verdienen, aber dafür bis zu hundert Stunden in der Woche arbeiten und demütigend behandelt werden (Der Spiegel 2016). Dabei floriert der Einzelhandel, die Umsätze befinden sich auf Rekordniveau, so Koch (2017). Der Umsatz des Lebensmitteleinzelhandels lag laut Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (2017) bei 195,5 Mrd. € und macht nach dem EHI Retail Institute (2017) einen Anteil von 5 % des Bruttoinlandsprodukts Deutschlands im Jahr 2016 aus. Kurzum, es handelt sich um eine bedeutsame volkswirtschaftliche Größe, die zugleich ein etabliertes Ausbildungs- und Beschäftigungssegment (Krause und Kupfer 2017) bildet. Dabei machen die führenden Unternehmen Edeka, Rewe, Schwarz Gruppe und Aldi letztlich mehr als drei Viertel der jährlichen Umsätze im deutschen Lebensmitteleinzelhandel unter sich aus.

Der Blick in die Forschung zeigt, dass die Schaffung eines Niedriglohnsektors im traditionellen Hochlohnland Deutschland seit Mitte der 1990er-Jahre zu großen Teilen im Einzelhandel stattfand (Bosch und Kalina 2008). Dieser neue Niedriglohnsektor kommt wesentlich durch die staatliche Bezuschussung geringfügiger Beschäftigung zustande, der als niedrigschwelliger Einstieg in den Arbeitsmarkt ausgegeben wurde (Voss-Dahm 2003). Die Entwicklung hin zu niedrigen Löhnen verstärkte sich nach 2000, als die rot-grüne Bundesregierung den Arbeitgebern erlaubte, aus der Tarifbindung zu gehen. Im Januar 2016 teilte die Bundesregierung als Antwort auf die Anfrage der Fraktion DIE LINKE mit, dass jede/r Dritte im Einzelhandel zu Niedriglohn beschäftigt sei (Bundesregierung 2017). Seit zwanzig Jahren findet eine zunehmende Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten statt, sodass die Beschäftigten auch an Abenden (oft bis 22 Uhr) und an Wochenenden (samstags und an einigen Sonntagen) arbeiten müssen. Diese ungünstigen Arbeitszeiten werden durch einen hohen Anteil an Teilzeitarbeit, die im Lebensmitteleinzelhandel besonders weit verbreitet ist, abgedeckt (Voss-Dahm 2008). Dabei entpuppt sich die Teilzeitstrategie zusätzlich als kostengünstig, da sie den Unternehmen ermöglicht, die Beschäftigten besonders flexibel einzusetzen, indem das Arbeitsvolumen funktional aufgeteilt wird (besonders an der Kasse und in der Warenverräumung) und damit insgesamt die Anzahl der Arbeitsstunden zu reduzieren, da Leerlaufzeiten entfallen (Voss-Dahm 2002; Voss-Dahm und Lehndorff 2003). Hinzu kommen Millionen unbezahlter Überstunden, da es mittlerweile als normal gilt, früher zur Arbeit zu kommen und später zu gehen, ohne dass diese Arbeitszeiten erfasst geschweige denn bezahlt würden (vgl. Zeit online vom 10. Juli 2017; Tagesschau vom 30.05.2017). Lean retailing, also automatisierte Warenbestellsysteme mit einhergehenden Skaleneffekten und Self-checkout-Kassen führen zu Personaleinsparungen (Voss-Dahm 2003, 2008). In Zeiten des zunehmenden Wettbewerbs findet auch im Einzelhandel eine Kennziffernsteuerung statt. Diese Kennziffern werden zunehmend von oben und unabhängig von zu erwartender Geschäftstätigkeit und auch ohne Verhandlungen diktiert (Voss-Dahm 2002). Neben der Kennziffernsteuerung gehören auch Kundenbewertungen zur Marktsteuerung, womit sich das, was als Leistung gilt, als das, was vom Markt anerkannt bzw. gefordert wird, verschiebt (Voss-Dahm 2003). Dabei ist das Leistungsniveau unerheblich, denn es werden lediglich Steigerungsraten berücksichtigt (ebd.). Insgesamt bedeutet der Wandel der Arbeitswelt auch im Lebensmitteleinzelhandel eine Zunahme des Leistungsdrucks.

So nimmt der Wettbewerbsdruck nicht nur unter den herkömmlichen Handelskonzernen (Edeka, Netto, 25,3 %) Rewe-Gruppe (Rewe, Penny, 15,1 %), Aldi (12 %), Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland, 15 %) mit zusammen über 60 % Marktanteil für Lebensmittel in Deutschland (vgl. Bundeskartellamt 2014; BVE 2016) zu. Zugleich tragen die Unternehmen den Wettbewerb und Preiskampf offenkundig auch auf dem Rücken der Hersteller aus (vgl. Zeit online 2005), während sie gleichzeitig vom wachsenden Markt der biologischen, fairen und nachhaltigen Lebensmittel unter Druck gesetzt werden. Immerhin hat dieses Segment im Jahr 2017 die 10-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze überschritten und weist eine steigende Wachstumstendenz auf, wodurch die Produkte und Angebote zunehmend auch von den herkömmlichen Vollsortimentern und Discountern adaptiert werden (vgl. BÖLW 2018). Dies hat zu einem Verdrängungswettbewerb unter den Unternehmen geführt, bei dem Umsatzsteigerungen auf Kosten der Konkurrenten und nicht mehr mengenmäßig stattfinden (vgl. Warich 2011). Im Zuge dessen bleiben einige wie die Spar AG und die Kaiser’s Tengelmann GmbH auf der Strecke. In diesem Zusammenhang ist in den letzten Jahren bei den beiden Marktführern, Edeka und Rewe, ein Trend zu Umstrukturierung zu beobachten – in die ursprünglich genossenschaftliche Struktur wird der selbstständige Handel eingeführt, damit steigt der Anteil der Märkte, die privatisiert wurden. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Beschäftigten in den Einzelhandelsmärkten. Die Märkte sind damit nicht nur aus der Tarifbindung entlassen, sondern ihre Mitarbeiter_innen werden auch aus der Interessenvertretung durch Betriebsräte der Regionalgesellschaften in „mitbestimmungsfreie Zonen abgedrängt“ (Warich 2011, S. 13). Gleichzeitig steigt in den Märkten der Leistungsdruck, und die Arbeitsorganisation wird stetig formalisiert.

Insgesamt zeigt sich hier ein sehr düsteres Bild des Lebensmitteleinzelhandels als Beschäftigungsfeld: geringer Lohn, ungünstige Arbeitszeiten, hoher Leistungsdruck und unbezahlte Überstunden kennzeichnen die Arbeitsbedingungen vieler Beschäftigter. Derartige Arbeitsbedingungen legen die Vermutung einer demotivierten und frustrierten Belegschaft nahe, die Opfer des Wettbewerbs sind. Diesem Bild widersprechen aber überraschenderweise die Befunde unserer Studie. In unseren Interviews mit Beschäftigten sind wir auf ein ausgesprochen positives Arbeitsethos und positive Haltungen zur eigenen Arbeit gestoßen, die wir in drei Thesen vorstellen möchten. Zunächst werden wir jedoch die Methode und das Sample unserer empirischen Untersuchung knapp umreißen.

Methode und Sample

Im Zeitraum von Juni 2015 bis Dezember 2018 haben wir Interviews mit achtzehn Beschäftigten – zwölf Frauen und sechs Männern im Lebensmitteleinzelhandel sowie mit zwei Ausbilderinnen – durchgeführt. Bei der Auswahl der Untersuchungspersonen wurde darauf geachtet, möglichst unterschiedliche Funktionen und Tätigkeitsfelder innerhalb der Lebensmittelmärkte zu berücksichtigen. Bei den Beschäftigten handelt es sich um Voll- und Teilzeit Arbeitende sowie um ausgebildete Einzelhandelsverkäufer_innen (von der Position Filialleiter über Abteilungsleiter_innen bis zu Beschäftigten ohne Leitungsaufgaben), Verkäufer_innen und Aushilfen. Die Geburtsjahrgänge erstrecken sich von 1968 bis 1995. Die Eltern der Interviewten sind keine Akademiker_innen und arbeiten meist mit Haupt- oder mittlerem Schulabschluss in unteren und mittleren Positionen. Die Interviewten kommen meist aus Ostdeutschland und haben auch überwiegend dort gearbeitet. Die Lebensmittelmärkte, in denen sie arbeiten, schließen Märkte der sogenannten Vollsortimenter wie Edeka (Simmel), Rewe und Kaufland als auch Filialen der Discounter Aldi, Netto und Lidl mit ein sowie einen Laden für biologische und lokale Lebensmittel. Die Gespräche wurden mithilfe eines Leitfadens geführt. Dieser enthielt Fragen nach ihrem Lebensweg, ihrer Ausbildung, Beschäftigung und vor allem auch nach Erfahrungen und Erleben der konkreten Arbeitsorganisation und Tätigkeit. In den Erzählaufforderungen wurden die Interviewpersonen angeregt, Geschichten eigener Erfahrungen und Erlebnisse ihres Arbeitsalltags zu berichten, um so allgemeine Schilderungen zu vermeiden, ein Erinnern zu aktivieren und eine konkrete Bewertung ihrer Situation sowie Praxisbezug zum Erlebten herstellen zu können (Flick 1998; Helfferich 2011).

Die Interviews selbst wurden in einer tiefergehenden Einzelfallanalyse und unter Rückbezug auf Erwerbs- und Ausbildungsbiografie sowie die konkrete Arbeitssituation weiter thematisch aufgebrochen, um generelle Sinn- und Anspruchsmuster an Erwerbsarbeit zu erfassen (Nohl 2009; Bohnsack 2007; Hürtgen und Voswinkel 2014). Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie erleben und bewerten die Beschäftigten ihre Arbeit? Dazu wurde das Material auf Episoden und konkrete Erlebnisse hin gelesen und codiert, die nachvollziehbar und deutlich machen, was konkrete Arbeitsbedingungen sind und wie diese erfahren und bewertet werden. Die identifizierten Passagen wurden im Vergleich der Einzelfälle zu Kategorien verdichtet, genauer sequenziell gelesen und miteinander verglichen. Die rekonstruierten latenten Bedeutungsgehalte (Bohnsack 2007) wurden in ihren Ähnlichkeiten zusammengefasst und unter Theoriebezug zu Thesen verdichtet. Diese Befunde geben eine Situationsbeschreibung des Lebensmitteleinzelhandels und einen Eindruck über das Verhältnis der Sinnansprüche an Arbeit und die alltäglichen Erfahrungen unter den gegenwärtigen Markt- und Wettbewerbsbedingungen in diesem Arbeits- und Beschäftigungssegment, das im Allgemeinen als „einfache Dienstleistungsarbeit“ bezeichnet wird.

Arbeitsethos, unternehmerische Haltung und kollegiale Wertschätzung

Von außen betrachtet bietet das Beschäftigungsfeld des Lebensmitteleinzelhandels denkbar ungünstige Arbeitsbedingungen, vor allem der hohe Leistungsdruck und die unbezahlten Überstunden verdeutlichen eine hohe Ausnutzung der Arbeitskraft der Beschäftigten. Wie sehen nun die Beschäftigten selbst ihre Arbeit und wie verorten sie sich sozial?

Die folgende Darstellung der empirischen Befunde erfolgt in drei Thesen, die unterschiedliche Aspekte der sozialen Positionierung der Beschäftigten in den Vordergrund stellen. Die erste These „Arbeitsethos“ zeigt mit der Sicht der Beschäftigten auf ihre Arbeit insgesamt eine schichtspezifische und damit eine gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse reflektierende Verortung einer großen sozialen Gruppe. These zwei „verinnerlichte Unternehmerhaltung“ bezieht sich sodann auf eine diskursive soziale Verortung, indem die Beschäftigten einen respektablen Status (Vester et al. 2015) über mit ihrer Arbeit verwirklichte und weithin unangefochtene kapitalistische Werte wie Effizienz und Profit beanspruchen. Schließlich fokussiert die dritte These „kollegiale Wertschätzung“ den Ort und damit das gesellschaftlich eng begrenzte Ausmaß der erfahrenen Anerkennung für ihre Leistungen. In diesem Abschnitt wollen wir hauptsächlich den Sichtweisen der Beschäftigten Raum geben und im Fazit spitzen wir die Bedeutung ihrer Äußerungen für soziale Ungleichheit zu.

Erste These, Arbeitsethos:

„geil, haste geschafft, ist ordentlich.“ (Andreas Meiners)

In diesem Beschäftigungsfeld, so unsere erste These, vertreten die Beschäftigten im Lebensmitteleinzelhandel ein Arbeitsethos, das sich im Anspruch, qualitätsvolle Arbeit zu leisten, manifestiert. Mit Arbeitsethos bezeichnen wir eine Gesamthaltung zur eigenen Arbeit, diese verantwortlich, zuverlässig, sorgfältig und genau zu erledigen, oder kurz gesagt: gut zu arbeiten. Die Pfeiler dieser qualitätsvollen Arbeit sind Fachlichkeit und Kundenorientierung, die sich die Beschäftigten sowohl über ihre berufliche Ausbildung und Sozialisation als auch über konkrete Arbeitserfahrungen angeeignet haben. Wir konnten in unserer Studie feststellen, dass mit dem Arbeitsethos sowohl ein Anspruch an die eigene Arbeitsleistung als auch ein Anspruch an die Arbeitsbedingungen gestellt wird. Letztere sollten so gestaltet sein, dass qualitätsvolle Arbeit auch praktizierbar ist:

Also ich guck da nach Daten, mach’ Kontrolle, füll’ den Tresen auf und füll’ die Sondertruhe auf und mach’ Bestellung. Und wenn ich das alles, und das, organisiere das so, dass ich das in meiner Zeit schaffe. Und wenn ich das abends dann alles geschafft habe, bin ich zufrieden. (Kerstin Jansen, Einzelhandelskauffrau, Edeka, 49 Jahre)

Das von den Beschäftigten vertretene Arbeitsethos drückt eine Werthaltung aus und wird als ein Anspruch an die eigene Arbeit praktisch verfolgt:

Man kann mich im Markt, wenn ich rumrenne, selbst wenn ich auf dem Weg zur Pause bin, kann man mich immer ansprechen. Ich versuche die Firmenphilosophie von Rewe umzusetzen. Geh mit den Kunden an’s Regal, zeig’ ihnen die Produkte, sage aber nicht, Reihe 7, Platz 35, sondern gehe mit hin. Ja, also ich versuche wirklich, mit dem Kunden zusammen oder wenn eben Probleme sind, das zusammen zu lösen, immer auch im Sinne des Kunden. (Stefanie Moser, angelernte Verkäuferin, Rewe, 50 Jahre)

Das Arbeitsethos ist umfassend und nicht an einzelne Arbeitsinhalte gebunden. So wird immer wieder betont, wie ausschlaggebend es sei, den „Durchblick“ zu haben und ein Grundverständnis für die Prozesse und Abläufe im Markt selbst zu entwickeln. Vorausgesetzt wird ein Verantwortungsgefühl und über das eigene Tun hinaus mitzudenken. So kritisiert Max Heinemann, ein nicht ausgebildeter, aber fest angestellter Verkäufer in einem Bioladen, seinen Bereichsleiter, der drei Wochen krank war:

Und seitdem arbeitet er halt ganz viel im Büro. Und bestellt nur noch und packt halt nicht mehr mit aus, ist sozusagen gar nicht mehr wirklich am Geschehen dran, und das, da hab ich zumindest Kopfschmerzen bekommen, als das angefangen hat, weil, es kann meiner Meinung nach nicht jemand bestellen, der nicht, nicht weiß, was im Laden so wirklich vor sich geht. (Max Heinemann, fest Angestellter in einem Bioladen, 23 Jahre).

Lässt sich die mit dem Arbeitsethos verbundene Vorstellung von der täglichen Arbeit verwirklichen, so schöpfen die Beschäftigten Zufriedenheit aus dem erledigten Tagewerk und ihrer Arbeitstätigkeit insgesamt. Die Bewältigung und Bewährung, dem Druck Stand zu halten, also auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen qualitätsvoll zu arbeiten, führt dann zu Arbeitsstolz. So erzählt die Einzelhandelskauffrau Nicole Binz, die in einem Rewe Markt arbeitet, von der Bedeutung der „Warengrundsätze“ und „Verräumgrundsätze“, wie sie in der Ausbildung gelehrt werden. Was dem Blick des Kunden verborgen bleibt, sind immer recht komplexe Tätigkeiten, die Genauigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortung, Überblick und Erfahrung im Arbeitshandeln erfordern. Greifbar wird diese Zufriedenheit an einer Geschichte von Frau Binz, die uns von ihrem Stolz und ihrer Zufriedenheit erzählt, als sie nach mehreren Wochen endlich ein Drei-Meter-Backregal nach dem neu vorgegebenen Spiegelplan bzw. Layout fertig umsortiert hatte:

Und gestern hab ich’s geschafft. Gestern hab ich gesagt: Okay, ich bin jetzt fertig, ich hab’s jetzt fertig (lacht). Also da war ich wirklich mal stolz (lacht). Weil ich es wirklich nach so langer Zeit mal geschafft habe. Das sind dann halt die Momente, wo man sagt, okay, wieder was geschafft. Wenn man nach Hause geht und sagt: ‚Ich hab’s.‘ Das sind so schöne Momente (lacht). (Nicole Binz, Einzelhandelskauffrau bei Rewe, 20 Jahre)

Hier sprechen Beschäftigte, die keine instrumentelle Einstellung zu ihrer Arbeit haben (vgl. Hürtgen und Voswinkel 2012). Es sind Beschäftigte, die morgens aufstehen, weil sie ein Tageswerk vor sich haben, das sie für nützlich halten und das ihnen Leistung, die – anders als es Neckel et al. (2005) sehen – über eine reine Pflichterfüllung hinausgeht, abverlangt. Können diese Beschäftigten entsprechend ihrem Arbeitsethos arbeiten, sind sie zufrieden und stolz. Dabei lassen sich keine Gruppenunterschiede zwischen Beschäftigten in leitenden und nicht-leitenden Positionen ausmachen. Auch nicht ausgebildete Beschäftigte, deren Hauptbeschäftigung die Verkaufsarbeit ist, vertreten dieses Arbeitsethos. Damit finden wir auch im unteren Dienstleistungsbereich die „Hartnäckigkeit“, mit der an qualitativen Arbeitsansprüchen festgehalten wird, die Dörre et al. (2013b, S. 242 f.) in den untersten Segmenten der Industriearbeiterschaft fanden. Dieser Befund zeigt etwas anderes als Bahl (2018), die im einfachen Dienstleistungssegment nicht von Arbeitsstolz, sondern Routinestolz spricht, der nicht auf explizitem Wissen, sondern eher auf individueller Optimierung der Arbeitssituation beruht.

Gleichwohl haben wir auch die Verletzung des Arbeitsethos durch Arbeitsbedingungen angetroffen. Diese betrafen vor allem die Beschneidung von Entscheidungsspielräumen vor Ort durch zentrale VorgabenFootnote 1. So berichtet Frau Koch über ihre Arbeit an der Fleischtheke, die eigentlich zu „supergutem Umsatz“ führte, über „jemand oben, der keine Ahnung von Fleisch hat“ und ihre Entscheidung, „Rindergehackte mit ins Angebot nehmen“, zunichtemachte, sodass sie sich sagte:

Hu, musst du langsam mit dir kämpfen, weil für dich das nicht mehr nachvollziehbar war!’ […] Also die haben eigentlich alles, was du mal in der Berufsschule gelernt hast, falsch gemacht. (Simone Koch, Einzelhandelskauffrau bei Netto, 37 Jahre)

Doch Beschäftigte finden auch Wege, sich subversiv gegen bevormundende Vorschriften, die ihr Arbeitsethos und ihren Anspruch an fachlich richtiges Arbeitshandeln verletzten, durchzusetzen. Beispielsweise berichtet Herr Meiners, ein Aldi-Filialleiter, dass er sich nicht an alle Vorschriften für das Bestellen von Gemüse hält, weil er seine Kunden kennt und weiß, dass darunter Gemüse wäre, das er „für die Tonne“ bestellen würde, da es schlicht von den spezifischen Kunden am Standort nicht abgenommen würde:

Kleines Beispiel, Süßkartoffeln, die gehen in meinem Laden nicht. Ich bestell die immer einfach nicht (leiser sprechend), das kriegt mein Chef immer nicht so wirklich mit. (Andreas Meiners, Filialleiter bei Aldi, 26 Jahre)

Das Arbeitsethos der Beschäftigten zeigt sich insbesondere in Situationen, in denen es nicht umgesetzt werden kann, weil die Arbeitsbedingungen es nicht erlauben. Menz und Nies (2016) sprechen hier von der Verletzung von Rationalitätsansprüchen, die durchaus auch, wie die Verletzung von Gerechtigkeitsansprüchen, Aktivierungspotenzial für Beschäftigte darstellen, wenn sie auch vergleichsweise geringere politische Bezugnahme beinhalten. Nies und Sauer (2012) machen darauf aufmerksam, dass die Unternehmen auf das Wollen, die Ansprüche, das Arbeitsethos der Beschäftigten angewiesen sind und dies zugleich instrumentalisieren und negieren. Die von uns befragten Beschäftigten tragen ihr Arbeitsethos nicht als etwas Besonderes vor sich her, sondern halten es für selbstverständlich, und beginnen erst in Erzählungen über Arbeitsbedingungen, die ihnen nicht erlauben, es zu realisieren, das vehement zu vertreten. So ähneln einerseits die von uns Befragten den ‚Normalarbeiter_innen‘, über die Hürtgen und Voswinkel (2014) berichten, in ihren arbeitsinhaltlichen Ansprüchen. Aber im Unterschied zur genannten Studie konnten wir keine Verunsicherungen im eigenen Arbeitsethos durch Wirtschaftskrise und Prekarisierung feststellen. Bemerkenswert ist, dass sich gleichzeitig handfeste Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen wie z. B. Erhöhung der Arbeitsverdichtung durch Leistungspolitik und flexible Arbeitszeittrends (Voss-Dahm 2003, Voss-Dahm und Lehndorff 2003) und hohe Arbeitsansprüche beobachten lassen. Dies bestätigen Knapp (1981) und Becker-Schmidt (1983a) insofern, als dass subjektive Bedeutung von Arbeit nicht als linearer Reflex objektiver Arbeitsbedingungen zu verstehen sei und somit auch eine gesellschaftliche Positionierung nicht ungebrochen verlaufe.

Zweite These, verinnerlichte Unternehmerhaltung:

„was ist wichtig für den Betrieb“ (Christine Wagner)

Wir haben gezeigt, dass die Beschäftigten trotz der schlechten Arbeitsbedingungen grundsätzlich gerne arbeiten und Ansprüche an ihre eigene Arbeitsleistung und an die Arbeitsbedingungen stellen. Schauen wir nun näher auf den von den Beschäftigten hergestellten Zusammenhang zwischen der inhaltlichen Ausrichtung ihrer Tätigkeiten und ihrer sozialen Stellung, so zeigt sich, dass die Unternehmenserwartung von Effizienz, Produktivität und Wirtschaftlichkeit auch ohne Gewinnbeteiligung zur Legitimierung eines respektablen Sozialstatus dient – so unsere zweite These.

Die Beschäftigten thematisieren immer wieder den Punkt, wie wichtig es ist, „Verantwortung“ zu übernehmen, die Dinge richtig zu machen und umsichtig zu arbeiten. Handlungsleitend verinnerlichte Referenz ist für sie dabei die betriebswirtschaftliche Haltung: „was ist wichtig für den Betrieb“. Dabei wird, wie die Einzelhandelskauffrau Christine Wagner (Bioladen, 32 Jahre) schildert, danach geschaut, „wo kann ich Sachen ausgleichen, finanziell einfach“, um sowohl die richtigen ökonomischen Entscheidungen für die Kunden (Kundenorientierung) als auch den Betrieb (Profitabilität) zu treffen. Mit einem fachlichen Grundverständnis für die Abläufe und Blick für die Kundenzufriedenheit überlegen sich Beschäftigte, wie sie am besten platziert „Sachen ins Regal“ stellen, aber auch, was „verkaufsfördernde Sachen“ (Christine Wagner) sind. Das kaufmännische Prinzip der Wirtschaftlichkeit wird nicht als eine äußere Vorgabe gedeutet, sondern – meist mit Verweis auf ihre berufliche Ausbildung, Sozialisation und Identifikation – als eine verinnerlichte Haltung. Natürlich wissen die Beschäftigten, worum es dem Markt und Unternehmen geht: „Umsatz zu machen, Umsatz zu bringen“ (Andreas Meiners, Filialleiter bei Aldi, 26 Jahre).

Gerade das effiziente Arbeiten und Verfolgen einer konkreten Zielstellung (z. B. Verräumung) unter dem kaufmännischen Prinzip der Gewinnorientierung lässt die Beschäftigten sich selbst als produktiv und effizient bzw. mit ihrer Arbeit zufrieden erfahren. Zugleich manifestiert sich hier die normative Referenz des richtigen Arbeitshandelns als einerseits profitabel und unternehmerisch und andererseits als kundenorientiert und kompetent:

Aber trotzdem muss man kaufmännisch denken. Und das ist aber, glaube ich, bei jedem Betrieb so, dass man nicht die Sachen hundertprozentig auf den Betrieb ummünzen kann. Wir haben auch kein Schaufenster, also kann ich auch keine Schaufenstergestaltung machen. Aber ich kann gucken, ob ich mal was dekoriere oder so, um jetzt eine angenehmere Verkaufsatmosphäre zu machen. (Christine Wagner, Einzelhandelskauffrau, Bioladen, 32 Jahre)

Ein guter Umsatz ist mitunter sogar ein Anlass zum Feiern, wie der Einzelhandelskaufmann Nils Hasel am Beispiel des turbulenten Weihnachtsgeschäfts berichtet:

Na ja, zum Beispiel halt, 22. Dezember letzten Jahres, wo wir halt mal richtig doll Umsatz hatten, wo alle sagen: ‚Jawoll, hast mal was geschafft! Liegen wir gut!‘ So was in der Art. Wo man halt danach zusammen Sekt trinkt […] (Nils Hasel, Einzelhandelskaufmann, Edeka Simmel, 31 Jahre).

In den Erzählungen der Beschäftigten wird deutlich, dass die Verinnerlichung der kaufmännischen Haltung, auch wenn sie nicht am Umsatz beteiligt werden, nicht nur auf einen direkten Druck hin zustande kommt, sondern dass die Beschäftigten das eigene Einstehen für Wirtschaftlichkeit positiv thematisieren. Hier kommt eine kollektiv geteilte Positionierungspraxis zum Ausdruck: Wir tun etwas, das ‚objektiv‘ sinnvoll und wertvoll ist. In Zeiten des Kapitalismus sind Effizienz und Wirtschaftlichkeit allgemein positiv besetzt. Diese Meta-Erzählung wird auch von Beschäftigten in den unteren Arbeitsmarktsegmenten aufgegriffen, um ihrer Tätigkeit einen anerkannten (beruflichen) Status zu verleihen. Auch wenn ihre Tätigkeiten kaum gesellschaftliche „Würdigung“ (Voswinkel 2002) und erst recht keine „Bewunderung“ (ebd.) erfahren, so geht es doch bei ihrer Arbeit insgesamt um etwas – und dieses ‚Etwas‘ verdient es, ernst genommen zu werden. Während in anderen Forschungsarbeiten (Voß und Pongratz 1998; Moldaschl 1998) die Verinnerlichung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit zumeist unter dem Stichwort der Vermarktlichung und daraus hervorgehender Subjektivierung als Zumutung thematisiert wird, möchten wir hier auf eine weitere Facette hinweisen: Die Beschäftigten nutzen auch das kapitalistische System, um sich darin zu verorten, sich einen positiven sozialen Status zu verleihen. Damit sind wir auf ein Phänomen gestoßen, das bei Dörre und Matuschek (2013) in ihrer Beschreibung der „kapitalistischen Landnahme in ihrer subjektiven Dimension auf Betriebsebene“ (ebd., S. 35) anklingt: dass sich Beschäftigte mit einer Art veraltetem Kapitalismusideal in Form ‚guter Lohn für gute Arbeit‘ aus Zeiten des Fordismus identifizieren, das allerdings bei ihren Arbeitgebern längst durch finanzkapitalistische Strategien überholt ist. Gleichwohl dienen aber diese positiven Haltungen „als emotionale, habitualisierte Basis besonderer Leistungsbereitschaft und der Identifikation mit dem Betrieb“ (ebd., S. 35). Bei den von uns befragten Beschäftigten wird die Bejahung unternehmerischer Ziele der Effizienz und der Wirtschaftlichkeit vermutlich vor allem durch den Charakter ihrer Betriebe, angesiedelt im Handel, verstärkt, da sie sich nicht, wie Beschäftigte in Industrieunternehmen, mit der Herstellung von Produkten und deren Qualität identifizieren und auch nicht über einen traditionell anerkannten sozialen Status als Facharbeiter sozial verorten können. Die Akzeptanz und Verortung im wettbewerbs- und gewinnorientierten kapitalistischen System mag das einzige Angebot sein, das ihren sozialen Status positiv auflädt, während durch jahrzehntelange Feminisierung der traditionelle Kaufmannsberuf zunehmend abgewertet wurde und durch lean retailing ihre Tätigkeiten tendenziell eher verarmen.

Wie Nies (2015) beschreibt, trafen auch wir auf Beschäftigte in Zeiten marktorientierter Steuerungsformen, die immer stärker mit den Verwertungszielen der Unternehmen konfrontiert werden und gleichwohl ihre arbeitsinhaltlichen Ausrichtungen auf Nützlichkeit ihrer Arbeit verteidigen. Inwieweit Beschäftigte damit zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Hierarchien beitragen, dazu gibt es verschiedene Argumentationen. Giegel (1989) führt aus, dass Beschäftigte ihre eigene berufsbiografische Identität untergraben würden, wenn sie bestimmte gesellschaftliche Regulierungsformen infrage stellten, eben weil ihre berufliche Identität auf diesen Regulierungsformen aufbaut und von diesen mitkonstruiert wird. Giegel macht das am Leistungsprinzip fest und an der hierarchischen Ordnung von Oben und Unten. So argumentiert er, dass Beschäftigte die Hintergründe und Systemstrukturen ihrer biografischen Orientierungen nicht reflektierten und dadurch von diesen abhängig würden und an ihnen festhielten, um ihre Identität zu sichern. Becker-Schmidt (1983b) beurteilt das Mitmachen von Arbeiter_innen im kapitalistischen System weniger negativ. Auf der Grundlage ihres biografischen Materials von Fabrikarbeiterinnen kommt sie zu dem Schluss, dass das Verhältnis der Arbeiter_innen zu sich selbst ein anderes als das des Produktionsprozesses zu ihrer Person sei. So beinhaltet ja gerade die Subjektkonstitution das Moment der Umstellung durch Verarbeitung objektiver Arbeitsbedingungen in psychischen Dynamiken und damit die Möglichkeit der Veränderung. Eine verinnerlichte Unternehmerhaltung als Modus der Generierung und Legitimation eines respektablen Sozialstatus scheint uns bislang in der Diskussion eine zu wenig beachtete Facette zu sein.

Dritte These, kollegiale Wertschätzung:

„Du hast das auch gut gemacht“ (Thomas Schmidt)

Nach der subjektiven Bedeutung der Arbeit und den arbeitsinhaltlichen sowie statusbezogenen Ansprüchen kommen wir nun zur sozialen Verortung in den Erzählungen der Beschäftigten. Bislang wurde deutlich, dass sie in einer Gesellschaft, die ihre Arbeit abwertet, und unter sich verschlechternden Arbeitsbedingungen ein hohes Arbeitsethos vertreten (These 1). Und dass sie darüber hinaus Unternehmensziele von Effizienz und Wirtschaftlichkeit verinnerlichen und als Legitimierung für einen respektablen Sozialstatus gebrauchen (These 2). Folgend zeigen wir in unserer dritten These die schichtspezifische geringe Reichweite der Würdigung ihrer Arbeit, die sich auf Interaktionen mit Kolleg_innen und mit einigen Kund_innen beschränkt. Die Beschäftigten sehen sich dabei nicht als Opfer, sondern halten die gesellschaftliche Ignoranz und Abwertung ihrer Tätigkeiten für selbstverständlich.

Eine häufig genannte Instanz für ausdrückliche Wertschätzung und Anerkennung bilden Vorgesetzte und Kolleg_innen. So berichtet Thomas Schmidt, ein Mitarbeiter bei Rewe, wie er die Gelegenheit zum Aufstieg und zur Weiterqualifikation zum Obstabteilungsleiter genutzt hat und anschließend ausdrückliches Lob von seinem Vorgesetzten erhielt:

Ne Menge eigentlich. Also man kann auch viele schöne Momente erleben, also, ähm, ein schöner Moment war im Grunde genommen gewesen, als man mir auch gesagt hat, dass ich diesen Obstabteilungsleiter machen konnte. Und nach nem Monat oder so, was das war, das war ja nur mal so probemäßig gewesen, hat man dann auch wirklich gesagt: ‚Du hast das auch gut gemacht.‘ Und auch wirklich so die Abteilung gut gemanagt bekommen, das kam auch so vom Chef dann, dass er wirklich gesagt hat, er ist damit sehr zufrieden und er sieht auch, dass ich das wirklich super kann. (Thomas Schmidt, Einzelhandelskaufmann bei Rewe, 26 Jahre)

Tobias Emons erzählt eine Begebenheit, in der seine Freude über die ihm entgegengebrachte Wertschätzung seiner Arbeit zum Ausdruck kommt: Vor einigen Jahren wurde er von seiner Verkaufsleiterin zu einem persönlichen Gespräch in deren Büro gebeten. Mit leichter Sorge, was diese ihm wohl mitteilen werde, ging er in das Gespräch. Überraschend erfuhr er, dass sich eine Kundin, mit namentlicher Erwähnung von Herrn Emons, über die „Kundenhotline“ bedankt hatte, dass ein vergriffener Artikel wieder in das Sortiment aufgenommen worden war.

Ich hatte, da fällt mir eine Geschichte ein, ja, ich hatte vor ein paar Jahren in einer Filiale gearbeitet, und die Verkaufsleiterin kam auf mich zu in der Filiale, […] und meinte, sie würde mich gerne im Büro sprechen, mit sehr ernster Stimme und mir sehr ernstem Blick, und ich wusste aber nicht, wohin das Ganze führt und warum Sie mich denn sprechen möchte […], dass es ja auch Kunden gibt, die bei der Kundenhotline anrufen, nicht nur, um sich zu beschweren, sondern auch um sich positiv zu äußern, und ich hatte nichts anderes gemacht, als einen Artikel für eine Kundin organisiert, der bei uns bereits vergriffen war. […] Und das war für mich eine Selbstverständlichkeit, und die Kundin aber war davon so begeistert von diesem Engagement, einfach, dass sie bei der Kundenhotline angerufen hat, und sich positiv zu mir geäußert hat, und das fand dann natürlich auch die Verkaufsleiterin sehr gut. (Tobias Emons, Filialleiter bei Lidl, 29 Jahre)

Was Herr Emons hier als „Selbstverständlichkeit“ bezeichnet, ist zugleich auch sein präsentierter Berufsstolz und Selbstverständnis der Kundenorientierung und Dienstleistungsarbeit, also nicht so sehr Fachkompetenz oder Sozialkompetenz, sondern vielmehr sein Arbeitsethos.

Andreas Meiners, der heute als Filialleiter bei Aldi arbeitet, machte seine Ausbildung bei Netto und zieht mit Blick auf den wertschätzenden Umgang unter den Beschäftigten die Bilanz, dass er bei Aldi Wertschätzung für seine Arbeit erfährt, die ihn „mehr als alles andere“ motiviert.

Und, was viele nicht sagen oder nicht denken, man wird dort sehr geschätzt für seine Arbeit. Also es kommt auch mal: ‚Hej, gut gemacht!‘ Das pusht mehr als alles andere. (Andreas Meiner, Filialleiter bei Aldi, 26 Jahre)

Verschiedene Passagen der Beschäftigtengespräche vergleichend, scheint uns in einer vorsichtigen Diagnose feststellbar, dass sich die Sphäre der erfahrenen Wertschätzung auf konkrete Interaktionen im Betrieb beschränkt. Bei der Befragung der Beschäftigten über den gesellschaftlichen Status ihrer Arbeit nach Einschätzung durch Eltern, Freund_innen und Bekannte kommen wir zu einem ähnlichen Ergebnis wie Voswinkel (2005), der drei Ebenen der Anerkennung (Makro, Meso und Mikro) unterscheidet, die es ermöglichen, zwischen fehlendem sozialen Prestige und vorhandener interaktiver kollegialer Anerkennung zu differenzieren. Demgemäß hat sich die soziale Wertschätzung im Bewusstsein eines Großteils der Beschäftigten im unteren Segment vom Arbeiterstolz in der Industriegesellschaft über die Zugehörigkeit zum „guten Betrieb“ (Dörre und Matuschek 2013) auf die Ebene der Interaktion mit Kolleg_innen und einigen Kund_innen verlagert.

Thomas Schmidt, der in einem Sonderprogramm der Industrie- und Handelskammer für Abiturient_innen in nur 1,5 anstatt 3 Jahren zum Einzelhandelskaufmann ausgebildet wurde, berichtet, wie Freunde und Familie tendenziell eher „negativ“ auf seine Ausbildung und seinen Beruf reagierten – in dem Sinne, dass man für den Verkäuferberuf weder besonders talentiert noch schlau sein müsse:

Ja, das war grundsätzlich gesehen eher negativ. Das war so ein bisschen wie: ‚Naja, zu mehr hast du’s wohl nicht geschafft.‘ Also das war schon sehr verkannt. Das fand ich auch ein bisschen krass. Ich hab’s verstanden, weil ich mir auch so dachte, gut, um Verkäufer zu sein, musst du nun wirklich nicht besonders, besonders schlau sein, ne? Also nicht besonders, das erfordert jetzt keinen großen, keine großen geistigen Voraussetzungen, so wurde einem das immer suggeriert. […] Ja man hat schon so gemerkt. (Thomas Schmidt, Einzelhandelskaufmann bei Rewe, 26 Jahre)

Ein anderer Fall, Max Heinemann, ungelernter Verkäufer in einem Bioladen, erzählt von gemischten Erfahrungen, dass Teile seiner Familie „akzeptieren, dass ich halt arbeite“, aber den Abbruch der Schulausbildung zum Abitur bemängeln. Unter seinen engen Freunden scheint seine Tätigkeit jedoch keine (negative) Rolle zu spielen und bei entfernteren Bekannten eher auf Desinteresse zu stoßen. Zugleich kommt eine unter den Beschäftigten im Lebensmitteleinzelhandel verbreitete Haltung zum Ausdruck, wie sie uns in den Gesprächen immer wieder begegnete: den sozialen Status darüber zu definieren, den „eigenen Lebensunterhalt“ bestreiten zu können und sich quasi nach unten von Erwerbslosen abzugrenzen (vgl. Dörre und Matuschek 2013, S. 44 f.; Vester et al. 2015, S. 159 f.).

Familiär ist es akzeptiert. So, also ich könnte auch Dachdecker sein, so, das würde zumindest meine Eltern nicht so wirklich interessieren. Natürlich hätten die es lieber, hätte ich eine Ausbildung gemacht. Aber, also, bei meiner Mutter weiß ich es, […] Sie ist, ich sag einfach mal, stolz, zufrieden, sie findet es gut, dass ich selber Geld verdiene und, also ich könnte ja auch einfach nur rumsitzen sozusagen. Und, jetzt mal böse gesagt hartzen. Das mache ich nicht, ich gehe arbeiten. Um mir halt meinen eigenen Lebensunterhalt auch zu verdienen. (Max Heinemann, ohne Berufsausbildungsabschluss, Verkäufer in einem Bioladen, 23 Jahre)

Aus den Äußerungen der Interviewpartner_innen wird deutlich, dass sich ihre soziale Stellung überwiegend negativ in Korrespondenz zur allgemeinen gesellschaftlichen Abwertung ihres Berufes und ihrer Tätigkeit bildet (vgl. Klatt und Ciesinger 2011). Wir vermuten, dass es im Unterschied zum früheren Industriearbeiter und auch zum modernen sogenannten „Wissensarbeiter“ bei der Gruppe der Beschäftigten im unteren Dienstleistungsbereich kein positives, allgemeingesellschaftlich kommuniziertes und akzeptiertes Identifikationspotenzial gibt, über das diese große Gruppe einen anerkannten sozialen Status beziehen könnte, wie es der Produzentenstolz früherer Industriearbeiter bot. So gibt es in unserer Gesellschaft keine positiven Deutungsangebote für die Einforderung einer gesellschaftlichen Anerkennung ihrer Arbeit (kein hoher Verdienst oder hoher Bildungsabschluss, kein Leben retten). Das macht die Beschäftigten (wie viele andere auch, die im Dienstleistungsbereich arbeiten) unsichtbar. Das Fehlen einer gesellschaftlichen Einbettung verstärkt die Tendenz, anstelle eines Berufsstandesbewusstseins eher auf subjektive Interpretationen von Selbstauffassungen angewiesen zu sein, die dann auch stärker nach subjektiven Situationen wie dem Verhältnis zu Vorgesetzten variieren.

Mit Holtgrewe und Voswinkel (2002) kann die erfahrene Wertschätzung durch Kolleg_innen, von der die befragten Beschäftigten berichteten, als eine „Würdigung“ bezeichnet werden (im Unterschied zur „Bewunderung“), also als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einem Team, das zusammen „den Laden schmeißt“, indem jede/r seinen oder ihren Beitrag dazu leistet, von dem auch nur Kolleg_innen wissen, worin er tatsächlich besteht. In Zeiten des Struktur- und Formwandels der Anerkennung (Honneth et al. 2013), in denen Beschäftigte zunehmend zur Eigenverantwortung und Selbststeuerung aufgefordert werden, ist es schwieriger, gesamtgesellschaftliche Ansprüche auf Würdigung der Arbeitsleistung zu erheben. So könnten derartige Forderungen als ein Eingeständnis mangelnder Selbstständigkeit gedeutet werden (Holtgrewe und Voswinkel 2002). Erschwerend kommt hinzu, dass es, wie oben ausgeführt, keine gesellschaftliche Wahrnehmung ihrer Leistungen (wie gewerkschaftliche Forderungen) gibt. Hier scheint sich eine Reproduktion sozialer Statusunterschiede auch durch die unterschiedliche Reichweite von Geltungsansprüchen niedriger und höher Qualifizierter zu zeigen, wie sie Neckel et al. (2005) in ihrer Studie berichten. Dort begrenzen die befragten Verkäuferinnen ihr Leistungsverständnis (das als Legitimation für soziale Positionierung herangezogen wird) auf ihren eigenen Arbeitsbereich und damit auf die gesellschaftlich unten Stehenden, während die hoch Qualifizierten ihre Leistungskriterien verallgemeinern und damit ihre privilegierte Stellung in der Gesellschaft legitimieren.

Fazit

Nachdem wir nun die sozialen Positionierungen der Beschäftigten dargestellt haben, möchten wir zum Schluss auf drei gesellschaftliche Spannungsfelder hinweisen, die sich aus den drei Thesen ergeben, und damit eine Antwort auf die Eingangsfrage nach der Bedeutung einer Analyse der Beschäftigtensicht für soziale Ungleichheitsforschung zuspitzen.

Das Spannungsfeld, auf das die erste These mit dem Befund „hoher Arbeitsethos der Beschäftigten“ hinweist, ist das Auseinandergehen von Arbeitsbedingungen und Arbeitsethos. Während sich offenkundig die Arbeitsbedingungen infolge von Rationalisierung, lean retailing, Verdichtung und Beschleunigung verschlechtern, bleiben die Ansprüche der Beschäftigten an die eigene Arbeitsleistung und fachliche Qualität hoch. Unter „guter Arbeit“ verstehen sie verantwortlich, zuverlässig, sorgfältig, genau zu arbeiten und nicht kreativ, originell, selbstverwirklichend, wie es eher Beschäftigte in höher qualifizierten und angesehenen Erwerbsarbeitspositionen äußern. Diese Arbeitsansprüche lassen sich mit Bourdieu als klassifizierte und klassifizierende beschreiben, denn sie drücken den Möglichkeitsraum aus, der zu ihrem Beschäftigungsbereich gehört und sich von Subjektivierungsdiskursen, wie sie beispielsweise für die Kreativwirtschaft bezeichnend sind, unterscheidet. Der Anspruch an Fachlichkeit wiederum kann mit Bourdieu als eine Abgrenzung nach „unten“ gegenüber nicht-qualifizierten Arbeitsbereichen gedeutet werden. Wir denken, dass wir es hier mit einem über lange Zeit geformten Arbeitsethos der „kleinen Leute“ (Kleinbürgertum), einer klassen- oder schichtspezifischen Bedeutung von Arbeit zu tun haben, die als Reaktion auf gesellschaftliche Abwertung von „oben“ zu einer Art „Dagegenhalten“ und einer eigenen Aufwertung beiträgt.

Die zweite These der „verinnerlichten Unternehmensinteressen“ verweist auf das Spannungsfeld Beschäftigte als Betroffene und als Akteure des kapitalistischen Systems. So halten es die Beschäftigten für wichtig, effizient und wirtschaftlich zu arbeiten, und zwar nicht, weil sie ihre Entlassung befürchten, und auch ohne unmittelbar dafür belohnt zu werden. Sondern sie beanspruchen mit der Anerkennung des Profitziels ihrer Unternehmen einen sozialen Statusgewinn, indem sie als Kern ihrer Tätigkeiten die Erfüllung dieser allgemein anerkannten Werte im Kapitalismus bezeichnen. Mit anderen Worten: Indem sich die Beschäftigten auf die in unserer Gesellschaft weitgehend unhinterfragten Werte der Effizienz und Wirtschaftlichkeit als Kern ihrer Tätigkeit berufen, verweisen sie auf die Bedeutung ihrer Arbeit und begründen damit einen respektablen sozialen Status gerade auch denjenigen gegenüber, die ihre Tätigkeiten für banal halten mögen, da für ihre Verrichtung kein akademischer Bildungsgrad vorausgesetzt wird. Unter Bezugnahme auf das von Bourdieu diagnostizierte, vor allem im kleinbürgerlichen Milieu verbreitete Konformitätsprinzip kann die betriebswirtschaftliche Haltung als eine soziale Positionierungsstrategie der Aufwertung ohne symbolischen Kampf gedeutet werden. Von außen betrachtet lässt sich dieser Befund als eine Zuspitzung des ersten lesen: Nicht nur unter schlechten Arbeitsbedingungen, sondern sogar unter Ausbeutung ihrer Arbeitskraft verstehen und verhalten sich die Beschäftigten nicht als Opfer (auch wenn sie es sind), sondern nutzen die Bedingungen, um aktiv am System zu partizipieren.

Schließlich kommen wir mit der dritten These zu dem Spannungsverhältnis, dass Bewertungen von Arbeitsleistungen auch konträr oder zumindest anders als gesellschaftlich dominante Bewertungen zustande kommen, was einerseits eine stärkende Handlungsressource für Beschäftigte in unteren Segmenten darstellen und andererseits zur Hinnahme sozialer Ungleichheitsverhältnisse führen kann. In der Konsequenz findet eine habituelle Reproduktion sozialer Positionierungen statt, denn Anerkennung ist auf das eigene Milieu beschränkt.

Zusammengenommen bergen unsere Ergebnisse eine gewisse Brisanz für die aktuelle soziale Ungleichheitsanalyse, denn sie zeigen, dass Menschen auch unter (zunehmend) schlechten Arbeitsbedingungen bemüht sind, gute Arbeit zu leisten, und dass sie statt Kritik und Widerstand an den sie ausbeutenden Verhältnissen Respektabilität durch Bezug auf kapitalistisch orientierte Leistungsfähigkeit generieren. In zukünftiger Forschung möchten wir unsere Thesen durch konkrete Habitusrekonstruktionen vertiefen.

Notes

  1. 1.

    Vgl. auch Nies (2015) zu Befunden über Verletzungen von Ansprüchen an Arbeit durch neue Organisationsformen, Standardisierung und Einschränkung fachlicher Entscheidungsfreiheit.

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Kupfer, A., Eckert, F. & Krause, I. Beruf(en) im Verkauf – Soziale Positionierung und subjektive Bedeutung von Arbeit. Österreich Z Soziol 44, 43–63 (2019). https://doi.org/10.1007/s11614-019-00323-w

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Schlüsselwörter

  • Soziale Ungleichheit
  • Arbeitsethos
  • Subjektive Bedeutung von Arbeit
  • Dienstleistungsarbeit
  • Lebensmitteleinzelhandel

Keywords

  • Social inequality
  • Work ethos
  • Subjective meaning of work
  • Service sector
  • Food retail