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Konfrontieren mit dem, was sie am wenigsten sehen können – zur Bedeutung gruppenbezogener Interventionen

Confronting what they can least see—on the importance of group interventions

Zusammenfassung

Dieser Beitrag der Zeitschrift „Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO)“ zeigt, dass Trainer*innen in gruppendynamischen Trainings in der Gefahr sind, ihre eigentliche gruppendynamische Kernkompetenz zu vernachlässigen. Damit schwindet für die Teilnehmer*innen die politische Relevanz dieser Lernmethode zugunsten von Selbstoptimierungsstrategien. Die Autorin plädiert für mehr wissenschaftliche Forschung zur Frage der Konzepte, die den Interventionsstrategien zugrunde liegen, und zu ihrer Wirkung. Außerdem skizziert sie einen Weg zur besseren theoretischen Fundierung der Praxis.

Abstract

This paper of the journal “Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO)” shows that trainers in group dynamic trainings are in danger of neglecting their actual group dynamic core competence. Thus, the political relevance of this learning method dwindles for the participants in favor of self-optimization strategies. The Author argues for more scientific research on the underlying concepts of intervention strategies and their impact. She also outlines a way to better ground the practice in theory.

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Abb. 1

Notes

  1. 1.

    Für den Hinweis auf die Bedeutung neoliberaler gesellschaftlicher Entwicklungen für gruppendynamische Interventionsstrategien bedanke ich mich herzlich bei Prof. Benedikt Sturzenhecker.

  2. 2.

    Eine genauere Beschreibung des Konzepts einer reifen Gruppe findet sich bei Peter Heintel (2006): Solche Gruppen entwickeln miteinander Konventionen, die es den Mitgliedern erlauben, bei Bedarf relativ vertrauensvoll und frei über die unumgänglichen und brisanten Fragen von Macht und Einfluss, von persönlichen Stärken und Schwächen, von Sympathien und Antipathien oder auch von Konkurrenz und Profilierung miteinander in der Öffentlichkeit der Gruppe zu diskutieren.

  3. 3.

    Wir sind ein Pool aus gut 30 gruppendynamischen Trainer*innen, die für ein großes Wirtschaftsunternehmen in Deutschland seit mehr als zehn Jahren in wechselnden Staffs zuletzt über 30 Gruppendynamische Trainings pro Jahr leiten. An dieser Stelle möchte ich mich bei den vielen Kolleg*innen, mit denen ich in diesen Trainings zusammengearbeitet habe, ganz herzlich für die anregenden Diskussionen in den Staffs bedanken! Sie haben mich immer wieder ins Nachdenken über unsere Interventionsstrategien gebracht.

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Danksagung

Für die kritische und sehr inspirierende Kommentierung meines Artikels bedanke ich mich ganz herzlich bei Barbara Lesjak und Ewald Krainz, die diese Ausgabe herausgeben. Ebenso herzlich bedanke ich mich bei den Kolleg*innen und Freund*innen, die bereit waren, den Artikel in den unterschiedlichen Stadien seines Entstehens zu lesen. Cornelia Edding, Robert André, Nadine Förster, Bettina Kaßbaum, Karl Schattenhofer, Pia Schneider-Lademann, Monika Stützle-Hebel, Benedikt Sturzenhecker, Carl-Otto Velmerig.

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Correspondence to Gisela Clausen Diplom.-Psychologin.

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Clausen, G. Konfrontieren mit dem, was sie am wenigsten sehen können – zur Bedeutung gruppenbezogener Interventionen. Gr Interakt Org 52, 505–513 (2021). https://doi.org/10.1007/s11612-021-00588-4

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Schlüsselwörter

  • Gruppendynamik
  • Gruppendynamisches Training
  • Interventionsstrategien
  • Politische Relevanz
  • Interventionsebenen
  • Selbstoptimierung
  • Macht und Einfluss

Keywords

  • Groupdynamics
  • Group dynamic training
  • Strategies of intervention
  • Political relevance of groupdynamics
  • Level of interventions
  • Selfoptimization
  • Power and influence