Effizienzsteigerung durch sinnzentrierte Interventionen im Kontext von verhältnis- und verhaltensorientierten Management-Maßnahmen

Ein Fallbeispiel

Efficiency increase through meaning-centered interventions in the context of relationship and behavior-oriented management measures.

A case study

Zusammenfassung

Dieser Beitrag der Zeitschrift Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO) stellt ein Fallbeispiel in einem Schweizer Unternehmen zur Effizienzsteigerung durch sinnzentrierte Interventionen vor. Der Beratungsprozess orientierte sich anthropologisch an der Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl und ist ein Beleg dafür, dass durch Interventionen im Rahmen der Organisations- und Personalentwicklung Räume geschaffen werden können, welche die Sinnmotivation erweitern und die Sinndissonanz verringern, wenn vom Management und den Mitarbeitenden gemeinsam dieser Denkansatz, diese Grundhaltung, im Organisationsgefüge verankert wird. Die Prä-Post-Evaluierung ergab eine signifikante Verbesserung der Sinn-Universalien auf allen drei Sinnebenen. Parallel dazu konnten nicht nur die krankheitsbedingten Fehlzeiten, sondern auch arbeitspsychologisch relevante Stress- und Burnout-Faktoren reduziert werden (Burnout-Screening-Index/prä-post p = 0,004). Das Kohärenzgefühl (Fokus: Arbeitswelt) verbesserte sich.

Abstract

This contribution of the magazine Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO) presents a case study in a Swiss company on how to increase efficiency through meaning-centered interventions. The consulting process was anthropologically oriented on the logotherapy and existential analysis according to Viktor Frankl and is proof that through interventions in the context of organizational and personnel development, spaces can be created that expand the motivation of meaning and reduce the dissonance of meaning, if management and employees together anchor this approach, this basic attitude, in the organizational structure. The pre-post evaluation resulted in a significant improvement of the meaning universals on all three levels of meaning. At the same time, not only the number of absenteeism due to illness was reduced, but also stress and burnout factors relevant to occupational psychology (Burnout-screening-index/pre-post p = 0.004). The feeling of coherence (focus: working environment) improved.

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Abb. 1

Notes

  1. 1.

    (1) Meaningful Occupation Assessment – MOA 7.0, (2) Meaningful Occupation Assessment, Burnout-Screening – MOA 1.0, (3) Belastungs-Beanspruchungs-Risiko-Index – MOA BBRI 1.0. Quelle: https://pubpsych.zpid.de/pubpsych/Search.action? (01.07.2020), Suchbegriff: „MOA“ – PSYNDEX ist die umfassendste Datenbank zu psychologischer Literatur, audiovisuellen Medien, Interventionsprogrammen und Tests aus den deutschsprachigen Ländern. PSYNDEX wird vom Leibniz-Institut für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) mit Sitz in Trier, Deutschland, produziert.

  2. 2.

    Dereflexion: „… meint also letzten Endes: sich selbst ignorieren. […] etwas ignorieren – also die geforderte Dereflexion zu leisten – kann ich nur, indem ich an diesem Etwas vorbei agiere, indem ich auf etwas anderes hin existiere. Und hier schlägt die Psychotherapie in Logotherapie, in Existenzanalyse um – deren Wesen in gewissem Sinne ja darin liegt, dass der Mensch ausgerichtet und hingeordnet wird auf den (jeweils erst analytisch zu erhellenden) konkreten Sinn seines persönlichen Daseins.“ (siehe Frankl, V. 1993a, S. 171)

  3. 3.

    Guidelines: Kapitel „Verhalten gegenüber Vorgesetzten“: Wir wissen, wofür wir arbeiten. Wenn wir keinen Sinn in einer Arbeit sehen, suchen wir das Gespräch mit den direkten Vorgesetzten.

  4. 4.

    Dimensionen der Befragung: (1) Körperliche Beanspruchung und Arbeitsplatzumgebung, (2) Arbeitsaufgabe und Arbeitsanforderungen, (3) Harmonisierung: Arbeitszeit und Freizeit, (4) Unternehmensleistungen, (5) Informationspolitik, (6) Zufriedenheit mit Führungsstil der/des Vorgesetzten, (7) Betriebsklima (8) Ich und das Unternehmen.

  5. 5.

    Die Gesundheitsförderung Schweiz ist eine Stiftung, die von Kantonen und Versicherern getragen wird. Mit gesetzlichem Auftrag initiiert, koordiniert und evaluiert sie Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit. Die Stiftung unterliegt der Kontrolle des Bundes und betreibt Geschäftsstellen in Bern und Lausanne.

  6. 6.

    Dissonanz (noetive): Zu einer Demotivation, verursacht durch eine noetive Dissonanz, kommt es, wenn jemand eine Aufgabe als sinnvoll erkennt, ein sinnvolles Ziel vor Augen hat, aber gleichzeitig bei der Zielerfüllung behindert wird. Während bei der „kognitiven Dissonanz“ eine Wahl getroffen wird, die später rückblickend in Frage gestellt werden muss, wird bei der „noetiven Dissonanz“ eine Wahl getroffen, die sich plötzlich vorausblickend als undurchführbar erweist.

  7. 7.

    Somatoforme Störungen sind durch das Vorhandensein von körperlichen Symptomen charakterisiert, die einen medizinischen Krankheitsfaktor nahelegen, jedoch durch organische Faktoren oder eine psychische Störung (z. B. Panikstörung) nicht vollständig erklärt werden können. Die Symptome bewirken in klinisch bedeutsamer Weise Leidenszustände sowie Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

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Graf, H. Effizienzsteigerung durch sinnzentrierte Interventionen im Kontext von verhältnis- und verhaltensorientierten Management-Maßnahmen. Gr Interakt Org 51, 379–390 (2020). https://doi.org/10.1007/s11612-020-00544-8

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Schlüsselwörter

  • Fallstudie Sinn-Motivation
  • Sinnzentriertes Management
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
  • Organisations- und Personalentwicklung
  • Meaningful Occupation Assessment/MOA 7.0

Keywords

  • Case study Motivation by meaning
  • Meaning-centered management
  • Occupational health promotion
  • Organizational and personnel development
  • Meaningful Occupation Assessment/MOA 7.0