Affektive Wahrnehmung von politischen Parteien

Ein Vorschlag zur Messung von positiven, negativen und multiplen Parteiidentifikationen
Berichte und Diskussionen

DOI: 10.1007/s11577-017-0435-4

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Ambrasat, J. Köln Z Soziol (2017). doi:10.1007/s11577-017-0435-4
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Zusammenfassung

In jüngerer Zeit mehren sich die Stimmen, die eine grundsätzliche Überarbeitung des Konzepts der Parteiidentifikation und neue Instrumente zu ihrer Messung vorschlagen. Zum einen wird eine bessere sozialpsychologische Fundierung des Konzepts gefordert. Zum anderen wird eine adäquatere Operationalisierung im Kontext von Mehrparteiensystemen verlangt, die auch negative und multiple Parteiidentifikationen erfassen kann. Der Artikel trägt zu dieser Debatte bei und unterbreitet den Vorschlag, Parteiidentifikationen als Muster affektiver Wahrnehmungen von Parteinamen unter Nutzung des semantischen Differentials zu messen. Der Ansatz greift auf bisher in der Diskussion vernachlässigte soziologische Identitätstheorien zurück, die durch Sprache transportierte affektive Bedeutungen in den Mittelpunkt von Identifikationsprozessen stellen. Mit Daten von 352 Wahlberechtigten aus einer Vorwahlstudie im Jahr 2013 werden Typen mit ähnlichen affektiven Wahrnehmungsmustern clusteranalytisch exploriert. Es wird gezeigt, dass sich verschiedene Wahrnehmungstypen bilden, deren Affektstrukturen sowohl positive als auch negative und multiple Parteiidentifikationen widerspiegeln. Im Sinn einer Konstruktvalidierung wird gezeigt, dass die so gewonnenen Wahrnehmungstypen tatsächlich als Parteiidentifikationstypen verstanden werden können. Durch eine Nachwahlbefragung der gleichen Teilnehmer kann zudem bestätigt werden, dass die über affektive Bedeutungen gemessenen PID-Typen in hohem Maß mit der tatsächlichen Wahlentscheidung assoziiert sind.

Schlüsselwörter

Wahlforschung Parteiidentifikation Sozialpsychologie Affektive Bedeutungen Identität 

Affective perception of political parties

A proposal to measuring positive, negative, and multiple party identifications

Abstract

There is an ongoing debate about the conceptual underpinnings of party identification. There are voices calling for a better social-psychological foundation of party identification, while at the same time others require a better operationalization in multi-party contexts including negative and multiple party identifications. The study contributes to this debate and suggests to measure party identification as affective meanings of party names using the semantic differential scale. The approach refers to sociological theories of identity that have been neglected in the debate so far. Using data from an pre election survey in 2013 with 352 participants, clusters of subjects with similar patterns of affective meaning making have been explored and are demonstrated how they reflect positive, negative and multiple party identifications as well. The instrument will be validated and interpreted in a way that the affect clusters reveal to be indeed types of party identification. Using a post-election survey of the same participants it is proofed that these PID types are highly associated with the actual electoral choice.

Keywords

Electoral study Party identification Social psychology Affective meanings Identity 

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Standort BerlinDeutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)BerlinDeutschland

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