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Wo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser? Ein Vergleich schulischer Kompetenzen zwischen Regel- und Förderschulen in der Primarstufe

Where do students with special educational needs learn better? A comparison of achievement between regular primary schools and special schools

Zusammenfassung

Im Zuge der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention werden zunehmend Bemühungen unternommen, Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) inklusiv bzw. integrativ an Regelschulen zu unterrichten. Die vorliegende Studie untersucht im Primarbereich, ob sich die Kompetenzen von Schülern mit SPF an Regel- und Förderschulen unterscheiden. Anhand von Daten des bundesweiten IQB-Ländervergleichs Primarstufe 2011 werden die mit standardisierten Leistungstests erhobenen Kompetenzen von Kindern mit SPF an Regelschulen (n = 658) und an Förderschulen (n = 413) verglichen. Um für bestehende Gruppenunterschiede in Merkmalen zu kontrollieren, die für Schulleistungen relevant sind, wird ein Propensity Score Matching-Verfahren eingesetzt. Nach dem Matching zeigt sich, dass Kinder mit SPF an Grundschulen signifikant höhere Kompetenzwerte im Lesen, Zuhören und in Mathematik aufweisen als vergleichbare Schüler an Förderschulen. Die Effekte sind besonders ausgeprägt für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen, weniger prägnant hingegen für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Sprache. Mögliche Erklärungsansätze für die höheren schulischen Kompetenzen von Kindern mit SPF in Regelschulen und Unterschiede in Abhängigkeit vom Förderschwerpunkt werden diskutiert.

Abstract

Promoted by the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities, there is a trend towards the inclusive education of students with special educational needs (SEN) in regular classrooms. The present study addresses the question if achievement differences emerge between SEN students who attend a regular primary school and those who attend a school for special education. Based on data from the IQB-Ländervergleich Primarstufe 2011, a national assessment in German primary schools, the achievement of SEN students in regular schools (n = 658) was compared to the achievement of students in special schools (n = 413). Propensity score matching was applied to control for differences in achievement related characteristics between the two groups. After matching, SEN students in inclusive educational settings showed significantly higher test scores in German reading and listening comprehension as well as in mathematics than comparable SEN students in special schools. The effects were more pronounced for students with a special need of learning support than for students with speech and language-related special education support. Possible explanations for the higher achievement of SEN students in regular schools and for differential effects with regard to type of SEN are discussed.

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Abb. 1.

Notes

  1. Im Weiteren schreiben wir aus Vereinfachungsgründen Schüler, wenn Schülerinnen und Schüler gemeint sind.

  2. Integration und Inklusion stellen zwei unterschiedliche pädagogische Konzepte dar. Bei der Integration liegt der Fokus auf der Anpassung der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an die Lernbedingungen in Regelschulen, z. B. durch die Schaffung spezieller Integrationsklassen (Hinz 2002). Im Gegensatz dazu fordern Vertreter der Inklusion eine Gestaltung der Lernumwelten in Regelschulen, die die Bedürfnisse von Kindern mit SPF und darüber hinaus die Heterogenität der gesamten Schülerschaft berücksichtigt (Biewer 2010). In der vorliegenden Untersuchung kann nicht zwischen beiden Konzepten differenziert werden.

  3. Die berichteten Stichprobengrößen beziehen sich auf das Fach Deutsch. Die nur leicht abweichenden Zahlen für das Fach Mathematik sind in Tab. 1 dargestellt.

  4. In Bremen erhielten alle Schüler mit SPF unabhängig von der Art der Beschulung die verkürzten Testhefte.

  5. Aufgrund der günstigeren Verteilungseigenschaften wurde der vorhergesagte Propensity Score Logittransformiert (Rosenbaum und Rubin 1985).

  6. Die Effektstärke Cohens d quantifiziert den standardisierten Mittelwertunterschied zwischen Kindern mit SPF in Regel- und Förderschulen relativiert an ihrer gemeinsamen Standardabweichung. Zur Beurteilung der praktischen Relevanz der Effekte kann die folgende Klassifizierung herangezogen werden (vgl. Cohen 1992): Ein kleiner Effekt entspricht d = 0,20 Standardabweichungen (übertragen auf die vorliegende Untersuchung 20 Punkte), ein mittlerer Effekt d = 0,50 Standardabweichungen (50 Punkte auf der Metrik der eingesetzten Kompetenztests) und ein großer Effekt d = 0,80 (80 Punkte).

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Kocaj, A., Kuhl, P., Kroth, A. et al. Wo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser? Ein Vergleich schulischer Kompetenzen zwischen Regel- und Förderschulen in der Primarstufe. Köln Z Soziol 66, 165–191 (2014). https://doi.org/10.1007/s11577-014-0253-x

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/s11577-014-0253-x

Schlüsselwörter

  • Inklusion
  • Sonderpädagogischer Förderbedarf
  • Primarstufe
  • Schulische Kompetenzen
  • Propensity Score Matching

Keywords

  • Inclusion
  • Special educational needs
  • Primary school
  • Educational achievement
  • Propensity score matching