Gesundheitsförderung bei Auszubildenden

Evaluation eines betrieblichen Gesundheitsförderungsprojekts mit den Themen Ernährung und Bewegung
  • S. Sickinger
  • A. Carlsohn
  • K. Schleicher
  • P. Lührmann
Originalarbeit
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Zusammenfassung

Hintergrund

Auszubildende befinden sich aufgrund ihres Alters und dem Berufseintritt in einer Phase des Umbruchs. Da sich in diesem Lebensabschnitt zudem gesundheitsbezogene Verhaltensweisen verfestigen, kann eine Sensibilisierung für entsprechende Themen langfristig zur Gesundheitsförderung der späteren Mitarbeiter beitragen.

Methodik

Im vorliegenden Projekt wurde das speziell für Auszubildende eines Großunternehmens der Metallindustrie entwickelte Programm „Azubi gscheit und fit … von Anfang an!“ evaluiert. Hierzu wurden 51 männliche Auszubildende, die an dem 11-monatigen Programm teilgenommen hatten, zu Beginn und nach Abschluss zu Ernährungs- und Bewegungsverhalten, Allgemeiner Selbstwirksamkeitserwartung sowie Zufriedenheit mit dem Programm befragt.

Ergebnisse

Die Intervention hatte einen signifikanten Rückgang an ernährungsphysiologisch nicht empfehlenswerten „Extras“ (Erfrischungsgetränke, Knabberartikel, Schokolade) und einen signifikanten Anstieg der Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung zur Folge. In Bezug auf den Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornbrot und Fast Food sowie auf die Bewegung ergaben sich keine Veränderungen. Insgesamt erhielt das Programm ein sehr positives Feedback. Die Auszubildenden konnten v. a. neue Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben. Die Mehrheit konnte zur weiteren Beschäftigung mit den behandelten Themen motiviert werden und hat nun die Absicht, im Alltag etwas zu verändern.

Schlussfolgerung

Das Programm wirkt nicht in allen Bereichen unmittelbar auf das Gesundheitsverhalten. Möglicherweise könnte es aber durch die frühzeitige Sensibilisierung der Teilnehmer für entsprechende Themen sowie den Anstieg der Allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Gesundheitsförderung der jungen Arbeitnehmer leisten.

Schlüsselwörter

Betriebliche Gesundheitsförderung Auszubildende Evaluation Ernährung Bewegung 

Health promotion for trainees

Evaluation of an occupational health promotion project on nutrition and exercise

Abstract

Background

Because of their age and the entry into working life, trainees are in a phase of change. As health-related behaviours also consolidate in this part of life, sensitization for corresponding topics can contribute to health promotion of the future employees in the long term.

Methods

This study examines nutritional behaviour and physical activity as well as the general self-effectiveness expectations of trainees of a major company of the metal industry who participated in a health promotion program over an 11-month period. The participants’ satisfaction with the program was evaluated. In addition, health-related data of 51 male trainees were collected by a questionnaire.

Results

Significant results can be seen in the decrease of consumed portions of “extras” (soft drinks, snacks, chocolate) per day and in a significant increase of general self-effectiveness expectations. There were no changes relating to the intake of fruits, vegetables, whole-grain bread, fast food or physical activity. Overall, the program received highly positive feedback. The trainees acquired health-related knowledge skills. The majority of the trainees could be motivated to continue their occupation with the topics discussed and now has the intention to change some aspects of health-related behaviour in their daily routine.

Conclusion

The program has not shown direct and sudden effects on health behaviour in all of the investigated health-related topics. However, the early sensitization of the participants of corresponding topics as well as the increase in general self-effectiveness expectations might probably contribute to long-term health promotion of young employees.

Keywords

Occupational health promotion Trainees Evaluation Nutrition Exercise 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

S. Sickinger, A. Carlsohn, K. Schleicher und P. Lührmann geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Gesundheitswissenschaften, Abteilung Ernährung, Konsum und ModePädagogische Hochschule Schwäbisch GmündSchwäbisch GmündDeutschland

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